LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Fondstag: Investment Management-Umfrage von Deloitte zeigt Veränderungen und Trends

Fonds sind längst der wichtigste Teil der Finanzindustrie in Luxemburg, das selbst der zweitgrößte Fondsplatz der Welt ist. Daher interessieren sich sowohl Profis als auch Anleger und Dienstleister dafür, wo der Trend hingeht.

Einige Antworten darauf hält die Investment-Management-Umfrage von Deloitte bereit, die gestern neben anderen Themen auf dem 13. Deutschen Fondstag von Deloitte präsentiert wurde. Die Studie wurde in Luxemburg, Irland und Großbritannien bei 23 Asset Managern durchgeführt, die insgesamt acht Billionen Euro verwalten und aus weit mehr Ländern kommen als nur den dreien, in denen die Umfrage durchgeführt wurde. So stammen 23 Prozent des verwalteten Vermögens von Asset Managern mit Sitz in den USA, die nur 13 Prozent der Teilnehmer ausmachen.

Suche nach neuen Einnahmequellen

„Die Zunahme an ETFs (börsengehandelten Fonds, Anm. der Red.) setzt aktive Asset Manager unter Druck und zwingt sie, neue Einnahmequellen zu finden“, erklärt Frank Lichtenthäler eines der Ergebnisse. Der Deloitte-Partner geht davon aus, dass die Branche sich weiter konsolidiert, um Zugang zu neuen Märkten oder Produkten zu erhalten. Allein die Hälfte aller Asset Manager plant, in den kommenden Jahren Nischenanbieter oder Konkurrenz zu kaufen.

Chancen ergäben sich durch die Kombination von Strategien.: „Indem sie beispielsweise entweder Gebühren erhöhen, sich alternativen Produkten zuwenden, Investoren durch die Integration von ESG-Kriterien oder die Expansion in Asien und dem Pazifikraum gewinnen“, sagte er. Unter ESG, der Abkürzung für „Environment Social Governance“, versteht man die Berücksichtigung anderer Faktoren als nur der Gewinnmaximierung.

Gleichzeitig stellt Lichenthäler fest, dass es nicht mehr nur auf die Performance ankäme. Daher würden personalisierte und unkomplizierte Erlebnisse der Kunden bei der Abwicklung eine größere Rolle spielen. Doch dafür müssten dringend Daten über die Kunden gesammelt werden. Darüber hinaus strebten Asset Manager verstärkt den Einsatz von Technologien für den Direktvertrieb sowie mehr Kundennähe an. Dabei ist die Verfügbarkeit von Daten eine ebensolche Herausforderung wie ihre Zuverlässigkeit. Auch Blockchain wird als Chance gesehen. Und immerhin 80 Prozent wollen Daten in die Cloud auslagern.

Lichtenthäler sieht in den kommenden drei Jahren eine Entwicklung weg von traditionellen Produkten hin zu mehr aktiven und passiven börsengehandelten Fonds. Wachstum vermutet er darüber hinaus in den Bereichen Private Equity sowie Real Estate. Auch bei ESG-Produkten geht er von einem Anstieg von derzeit 25 Prozent auf bis zu 63 Prozent aus, dies vor allem durch Direktinvestitionen. ESG ist der Trend in allen Anlageklassen, von Aktien über Anleihen bis hin zu alternativen Fonds. Was dabei ESG ist, hängt noch weitgehend von der hausinternen Definition ab, denn nur 30 Prozent der Asset Manager verwenden Labels oder Zertifizierungen.

Der 13. Deutsche Fondstag bei Deloitte wurde vom „German Desk“ veranstaltet, für den rund 400 Mitarbeiter tätig sind, von denen 290 Deutsch sprechen. Der 2012 eingerichtete Bereich umfasst sechs Fachgebiete, die von deutschen Partnern in Luxemburg unter der Leitung des Partners und Audit-Experten Andreas Meier abgedeckt werden. Der „German Desk“ arbeitet eng mit Deloitte in anderen deutschsprachigen Ländern zusammen.