LUXEMBURG
NIC. DICKEN

Europäischer Fondsverband EFAMA fordert einheitliche Regulierungen und Transparenz

Wir wollen und müssen in erster Linie das Vertrauen der Sparer und Investoren zurückgewinnen,“ so Claude Kremer, der im vergangenen Jahr als scheidender Präsident der luxemburgischen ALFI den Vorsitz im europäischen Dachverband der Fondsvereinigungen übernommen hatte. Bei dem offiziellen Besuch einer EFAMA-Delegation in Luxemburg standen gestern vor allem Gespräche mit Politikern, Regulierungsbehörden und Branchenvertretern auf der Tagesordnung. Deutlich besser und vor allem schneller als der eigentliche Bankenbereich konnte die Fondsbranche die Auswirkungen der internationalen Finanzkrise überwinden und hat, nach einem durch den Kursverfall an den Märkten bedingten Einbruch der verwalteten Fondsvermögen, längst wieder die früheren Volumen erreicht und teil weise sogar übertroffen.

Fondsbranche hat zu Wachstum zurückgefunden

Das betonte gestern auch EFAMA-Generaldirektor Peter De Proft, der nach einer eher zögerlichen Entwicklung im Jahre 2011 für 2012 wieder auf einen deutlichen Anstieg der Fondsvolumen hinweisen konnte. Die EFAMA zählt derzeit 27 nationale Mitgliederverbände, die allerdings nicht völlig deckungsgleich sind mit den EU-Staaten, 59 Firmenmitglieder, die vorwiegend im grenzüberschreitenden Fondsgeschäft tätig sind, sowie verschiedene Mitglieder aus anderen Aktivitätsbereichen wie Prüfungs- oder Dienstleistungsunternehmen.

Die luxemburgische ALFI sei einer der wichtigsten Mitgliederverbände, so De Proft, der auch unterstrich, die Aktien- und Anleihefonds hätten im vergangenen Jahr einen deutlichen Zuwachs gekannt, während die monetären Fonds aufgrund der historisch niedrigen Zinsen einen starken Abfluss um 133 Milliarden Euro gekannt hätten. Insgesamt belief sich das in Europa verwaltete Fondsvermögen zum 31. Dezember auf 8.872 Milliarden Euro, von denen rund 2.400 Milliarden auf Luxemburg allein entfielen. Belobigend äußerte sich De Proft über die EZB, die mit ihren Euroschutzmaßnahmen hohen Druck von den Anleihefonds genommen habe.

Warnung vor „shadow banking“und Finanztransaktionssteuer

Wenig Begeisterung zeigte dagegen EFAMA-Vizepräsident Christian Dargnat gegenüber dem Ansinnen, das Fondsgeschäft in die gleiche Kategorie einzureihen wie das „shadow banking“. Einerseits erfolge der Großteil des Fondshandels in UCITS-Produkten, die ganz klar reguliert seien und demzufolge wenig Risiko bürgen, anderseits müsse man auch berücksichtigen, dass Fondsanlagen nur eine geringe Hebelwirkung haben und deshalb auch kaum zu einer systemischen Destabilisierung beitragen könnten. Im Zusammenhang mit der Finanztransaktionssteuer müsse man wissen, dass die Sparer und Anleger im Endeffekt die Zeche zahlen und darüber hinaus durch den kumulativen Effekt der Steuer ein großer Teil an Attraktivität verloren gehe, der bis hin zu Delokalisierung des Fondsgeschäftes führen könne.

Neuen Regelungen droht zeitlicher Verzug

Wenig Zuversicht äußerte Peter De Proft hinsichtlich der rechtzeitigen Beendigung des Entscheidungsprozesses über die neue AIFM-Direktive, die zum 22. Juli dieses Jahres in Kraft treten soll, wo allerdings noch nicht alle strittigen Fragen geklärt sind und auch das Europaparlament noch das eine oder andere Haar in der Suppe finden dürfte. Das würde eine termingerechte Umsetzung weiter verzögern. Hier drohe nicht zuletzt das Auseinanderbrechen eines Marktes, der in den letzten Jahren nur mit viel Mühe gefestigt werden konnte. Ähnlich gelagert sei auch die Problematik der neuen UCITS V-Direktive, wo sich ebenfalls eine verzögerte Umsetzung abzeichne.

Als besonders wichtige positive Ansätze bezeichnete Claude Kremer das „Pripips“-Projekt (package retail investment products), mit dem eine größere Vergleichbarkeit der einzelnen Finanzprodukte herbeigeführt und damit mehr Transparenz für den Anleger geschaffen werden soll. Auch die in Vorbereitung befindliche UCITS VI-Direktive sei ein wichtiger Schritt in der Förderung des Langzeitsparens, weil sie den Weg öffnen soll für die Fonds, die in besonderem Maße zur Finanzierung von längerfristigen Projekten beitragen können.

Während bei den „Prips“ darauf geachtet werden müsse, alle Produkte auf einer gleichen Ebene zu behandeln und damit Vergleichbarkeit zu sichern, sei die UCITS VI-Direktive ein wichtiges Instrument, die Fondsanlagen direkt zu konkreten Investitionsprojekten zu kanalisieren und für langfristige Finanzierung eine neue Perspektive zu schaffen.