LUXEMBURG
NIC. DICKEN

Drohende Einschnitte beim Personal sollen vom Tisch sein

Gleich aus mehreren Quellen (u.a. RTL, DNR und wort.lu) verlautete gestern, dass es am Vormittag im Rahmen eines Gespräches zwischen Direktion und Personalvertretung bzw. Gewerkschaften zu einer Entspannung in den Verhandlungen um die Erstellung eines neuen Kollektivvertrages gekommen sei. Vor Wochenfrist hatten die Gewerkschaften bekanntlich damit gedroht, die festgefahrenen Verhandlungen vor das Schlichtungsamt zu bringen, derweil die Direktion immer wieder Diskussionsbereitschaft signalisiert, gleichzeitig aber auch auf notwendige Einschnitte bei den Lohnkosten gedrängt hatte, um alle bestehenden Abteilungen des weltweit aufgestellten Unternehmens in Luxemburg halten zu können.

Alter Kollektivvertrag soll wieder in Kraft treten

Wie der zuständige LCGB-Sekretär Aloyse Kappweiler verlauten ließ, habe die Direktion beim gestrigen Treffen neue Vorschläge auf den Tisch gelegt, denen zumindest der LCGB zustimmen könne, wenn sie denn auch schriftlich so festgehalten werden sollten. Diesen Vorschlägen zufolge würde der alte Kollektivvertrag, den die Direktion im September 2012 mit Wirkung zum Zeitpunkt des Ablaufs am 31. Dezember 2012 gekündigt hatte, wieder in Kraft gesetzt. Parallel dazu solle über Optimierungsmaßnahmen diskutiert werden, die verschiedene Arbeitsabläufe des Unternehmens betreffen. Im Gegenzug müsse das Personal auf etwaige Lohn- und Gehaltsverbesserungen verzichten, so verlautete weiter.

Darüber hinaus sei der erste Termin vor dem Schlichtungsamt, der für den 11. Juli 2013 vorgesehen war, ebenfalls vom Tisch, wenn die gestern unterbreiteten Vorschläge schriftlich vorliegen würden und sich alle betroffenen Parteien damit einverstanden erklären könnten, so hieß es zusätzlich von Gewerkschaftsseite. Die Direktion ihrerseits habe zugesagt, die entsprechenden Vorschläge in schriftlicher Form am kommenden Montag vorzulegen.

Verbesserung von Produktivität und Wartung

Andererseits sei eine finanzielle Gegenleistung der Belegschaftsmitglieder, die lange Zeit im Raum gestanden hatte, zuletzt keine Thema mehr gewesen, umso mehr als es sich dabei allenfalls um einen Tropfen auf den heißen Stein gehandelt hätte, der nicht wirklich eine Lösung gebracht hätte. Nach Auffassung von Kappweiler sei das Cargolux-Personal ohnehin extrem engagiert und hätte eine derartige Maßnahme nur schwerlich vertragen, weil die Mitarbeiter stets darauf aus waren, möglichst gute Arbeit zu leisten im Interesse des ganzen Unternehmens. Dieses wird nun seinen Beitrag leisten zu den prioritären Maßnahmen in der Betriebsführung, die sich auf eine allgemeine Verbesserung der Produktivität und eine Optimierung der technischen Abläufe im Bereich der technischen Maintenance reduzieren lassen.

Neuer Kollektivvertrag hätte Laufzeit von 2 Jahren

Zustimmung wurde auch signalisiert seitens des OGBL, dessen zuständiger Sekretär Hubert Hollerich erinnerte, es sei seiner Gewerkschaft immer wichtig gewesen, den Dialog mit der Geschäftsführung des Unternehmens nicht abreißen zu lassen, was denn auch die gestrigen Zusammenkunft der Gewerkschaften mit der Geschäftsführung ermöglicht habe. Sollte es bei den weiteren Gesprächen zu einer Rückführung des einseitig aufgekündigten Kollektivvertrages kommen, dann würde dieser eine Laufzeit von zwei Jahren haben und rückwirkend zum 1. Januar 2013 in Kraft treten. Eine Stellungnahme seitens der Cargolux-Direktion konnten wir trotz Nachfrage nicht erhalten.

Die Wogen innerhalb der Fluggesellschaft scheinen damit vorerst wieder geglättet zu sein. Allerdings wartet auf die Cargolux-Geschäftsführung in den nächsten Wochen noch ein anderer schwerer Brocken, nämlich die Entscheidung über den künftigen industriellen Partner, der auch den derzeit vom Staat gehaltenen 35prozentigen Aktienanteil an der Gesellschaft übernehmen soll.