LUXEMBURG/BELVAL
CORDELIA CHATON

Start-up sammelt 500.000 Euro bei Investoren ein - Launch steht Ende des Quartals an

Bei ANote Music aus Belval herrscht gute Stimmung. Das Start-up hat gerade eine Finanzierungsrunde beendet und 500.000 Euro eingesammelt. Das Geld wird in die von den drei Gründern entwickelte gleichnamige Handelsplattform fließen, die auf einer von ihnen intern entwickelten privaten Blockchain läuft. Das im Technoport beheimatete Unternehmen sichert sich so weiteres Wachstum. „Am Ende des ersten Quartals werden wir unsere Plattform lancieren. Das haben wir bislang noch nicht gemacht, weil wir ein möglichst breites Angebot haben wollten“, erklärt Marketing- und Kommunikations-Chef Niels Hoorelbeke die Verwendung des investierten Geldes.

Das Start-up wurde vor zwei Jahren von dem jetzigen CEO, dem Italiener Marzio Schena sowie seinem Landsmann Matteo Cernuschi (COO) gemeinsam mit dem Belgier Grégoire Mathonet gegründet. Schena war zuvor Fondsmanager, Cernuschi hatte bei Ernst & Young Start-ups beraten und Mathonet war bei LuxTrust für Geschäftsprozesse zuständig. Über Freunde respektive das „Luxembourg House of Financial Technology“ (LHoFT) lernten sie sich kennen. Da alle schon in Luxemburg arbeiteten und die Bedingungen dank Luxinnovation, Technoport und die Regierung sehr gut waren, blieben sie hier. „Luxemburg ist ein perfekter Hub und als Finanzstandort bekannt. Das beruhigt die Leute, denn schließlich sind wir eine Investmentplattform und das schafft Vertrauen“, erläutert Hoorelbeke.

„Mittler zwischen Kapitalmarkt und Musikindustrie“

Die Idee der drei: Tantiemen und Rechte an Musik aufzuteilen und zu verkaufen wie Aktien. Die Käufer erhalten dann keine Dividenden, sondern Anteile an den Veröffentlichungsrechten für Musik. ANote Music versteht sich dabei als Plattform wie Bloomberg. „Immer, wenn eine Melodie dann im Radio oder woanders gespielt wird, kassieren die Rechtehalter“, erläutert Hoorelbeke. „Wir sind Mittler zwischen dem Kapitalmarkt und der Musikindustrie.“

Seit Juni 2019 arbeiten neben den drei Gründern noch vier Mitarbeiter sowie ein Team von fünf bis sieben Freelancern für ANote Music. Bislang haben sie tausende von Melodien und Liedern in Katalogen gesammelt. ANote Music will eine möglichst hohe Zahl solcher Kataloge vorbereiten, bevor die Plattform an den Start geht. Das Geld der Investoren geht an die Künstler, die ihre Rechte an ANote Music abgeben. Während des letzten Sanremo Musikfestivals in Italien, das vom Rundfunksender RAI veranstaltet wird und als das größte und älteste Italiens gilt, kam den ANote Music-Gründern die Idee, Kontakt aufzunehmen. Das Resultat: eine Gruppe sowohl italienischer als auch polnischer Investoren stieg bei ANote Music ein und berät das Start-up jetzt auch.

Sorge, dass ihr Angebot aufgrund des abnehmenden Radio- oder TV-Konsums an Attraktivität verlieren könnte, haben die Gründer nicht. Denn gleichzeitig nimmt das Streaming zu. „Der Markt verändert sich. Bis 2030 wird er sich verdoppeln. Gleichzeitig wird alles immer verfolgbarer“, ist Hoorelbeke überzeugt. „Wir sehen das als großen Wachstumsmarkt.“

Noch will ANote Music nicht enthüllen, welche Künstler einen Vertrag mit dem Start-up geschlossen haben. Die ganz großen Stars wie Ed Sheeran werden dort nicht zu finden sein, denn sie verdienen so schon genug. „Die brauchen uns nicht“, weiß der Marketingchef. Doch es gibt auch bekannte und unbekannte Künstler, deren Musik beispielsweise rund um die Uhr in Fitness Centern gespielt wird - und jedes Mal werden Lizenzgebühren fällig. ANote Music verdient dabei durch zwei Quellen: eine „Listungsgebühr“ von den Rechteinhabern, sobald ihre Rechte zum ersten Mal auf ANote Music gelistet werden, sowie eine kleine „Vertriebsgebühr“ von den Investoren, wenn sie Tantiemen von Organismen wie der GEMA oder SACEM auf ihre Portfolios erhalten. Die Plattform läuft auf einer selbst entwickelten Blockchain.

ANote Music prüft Rechte und Finanzen, bevor Rechteinhaber ihre zukünftigen Lizenzeinnahmen auf der Plattform anbieten und dafür Gebote sammeln können. Sie haben die Möglichkeit, entweder nur einen Teil ihrer Rechte zu verkaufen oder nur die Tantiemenströme für eine bestimmte Anzahl von Jahren abzugeben. Wenn die Auktion erfolgreich ist, erstellt ANote Music so genannte „Smart Royalty Contracts“ (SOR). Dann erhalten die Investoren Anteile der Rechte in ihren ANote Music-Portfolios und die Rechteinhaber erhalten die ihnen zustehenden Mittel. ANote Music kümmert sich auch darum, Tantiemen von nationalen Gesellschaften zu erhalten. Die Gründer sehen ihr Angebot als eine alternative Anlageklasse, die nicht mit den Kapitalmärkten korreliert.

Mehr: http.//anotemusic.com