LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

Dokumentarfilm „Eng Äerd“ zeigt alternative Wege zum Überleben

In Luxemburg waren dieses Jahr am 16. Februar alle Ressourcen aufgebraucht, die dem Großherzogtum pro Jahr zustehen. Hochgerechnet bräuchte eines der kleinsten Länder der Welt acht Erden, um ein Jahr lang zu überleben! Einzig Katar liegt über dem Verbrauch von Luxemburg mit achteinhalb Planeten. Weltweit war dieser „Earth Overshoot Day“ am 22. August.

Für die gesamte Erde bedeutet dies, dass fast zwei blaue Planeten zur Verfügung stehen müssten, um das jährliche Überleben der etwa 7,5 Milliarden Menschen zu garantieren. Seit Ende August lebt die Menschheit also „auf Pump“ und verbraucht bereits Ressourcen der Zukunft.

Regisseur Tom Alesch, der unter anderem die Dokumentarfilme „Philippe Schneider, de Mann mat der Kamera“ (1999), „Ons Arméi“ (2003), „Am Éislek“ (2007) und „E Futtballspill am Schnéi“ (2014) realisierte, interessiert sich in seinem neuen Dokumentarfilm „Eng Äerd“ für Alternativen im Anbau von Obst und Gemüse und auch im Wohnungsbau hier im Land. Rezepte gegen den übertriebenen Konsum und vor allem die Verschwendung von Lebensmittel hat er nicht parat. Dennoch spürt man in den Aussagen aller Beteiligten, dass die Menschen unbedingt umdenken und sparsamer mit allen Ressourcen umgehen müssen. In Luxemburg landen pro Jahr und pro Einwohner rund 124 Kilogramm Lebensmittel im Mülleimer.

Alternative Vielfalt

Die Dreharbeiten begannen am 15. März 2019 beim ersten luxemburgischen Klimastreik unter dem Motto „Fridays for Future“. Nach und nach schälten sich dann Ideen für den Film heraus, da es kein genaues Drehbuch gab. Eine erste Initiative im Film ist „Transition Towns“, eine Bewegung, die 2006 von Rob Hopkins gegründet wurde, und die sich für Städte einsetzt, die ohne fossile Energie auskommen wollen.

Den „Energiepark Réiden“ gibt es seit 1999 in der Gemeinde Redingen. Mit Windrädern und Solaranlagen wird elektrische Energie produziert, die absolut sauber ist. In der Ackerbauschule in Ettelbrück wird mittlerweile der ökologische Anbau von Obst, Gemüse und Getreide gelehrt. TERRA ist die erste landwirtschaftliche Kooperative in Luxemburg. Wer hier Mitglied ist, kann von biologisch angebautem Obst und Gemüse profitieren. Koch Carlo Sauber zeigt, wie man Essensreste verwerten kann, und ein Lehrer spricht mit seinen Schülern über Nachhaltigkeit. Außerdem erfährt der Zuschauer, dass auch ein Laden ohne Verpackung – OUNI - existiert, oder wie im Benu-Village in Esch/Alzette Kleider recycelt werden. Alternativer Wohnungsbau wird vorgestellt oder das Repair-Café, in dem kaputte elektrische Apparate repariert werden.

Landesweite Unterstützung

Hauptproduzent von „Eng Äerd“ war das „Centre national de l’audiovisuel“ (CNA), mit Viviane Thill als Produzentin. Weitere Koproduzenten waren das „Centre for Ecological Learning Luxembourg“ (CELL) und das Syndicat Intercommunal „De Réidener Kanton“. Weitere Unterstützung erhielt der Film vom Umweltministerium und der „Oeuvre Nationale de Secours Grande-Duchesse Charlotte“.

Durch das ganze Land zieht sich die Spurensuche nach alternativer Landwirtschaft. Bewusst ging Regisseur Alesch nicht auf die Ursachen des Klimawandels ein, weil er annimmt, dass sich mittlerweile jeder der Problematik bewusst ist. Allerdings fehlt eine Bestandsaufnahme der biologischen und artgerechten Tierhaltung, ebenso wie Aussagen von Konsumenten zu den hier gezeigten Gegenvorschlägen zur Massenproduktion von Lebensmitteln. Der Regisseur musste sich für einige Aspekte der Thematik entscheiden, sonst wäre aus seinem 85-minütigen Film ein monumentaler Dokumentarfilm geworden. Viele Erklärungen sind auf eine lustige Art und Weise animiert, und der Off-Kommentar wird von Eugénie Anselin gesprochen.

Wer sich ein genaues Bild machen will, wieso Luxemburg acht Erden braucht, um über die Runden zu kommen, der kann sich eine spezielle Rechenmaschine auf der Internetseite www.footprintnetwork.org zu Nutzen machen. Am Montagabend war die offizielle Premiere im „Kinepolis Kirchberg“. Die Presse konnte den Film bereits im Vorfeld im CNA sehen.