LUXEMBURG
PIERRE WELTER

33-jähriger Inder muss sich wegen Vergewaltigung verantworten

Am Bezirksgericht Luxemburg läuft zurzeit ein ungewöhnliches Verfahren. Ein 33-jähriger Inder ist wegen Nötigung und Vergewaltigung angeklagt. Doch der Prozess hat zwei Seiten: Auf der einen Seite geht es um mutmaßliche Nötigung, Vergewaltigung und Gewalt. Auf der anderen Seite um einen mutmaßlichen Racheakt. Gerade dieser Racheakt sorgt für negative Schlagzeilen. Laut Angaben der Staatsanwaltschaft soll der aus Indien stammende Surajit G. zwischen März und April 2014 ein 13-jähriges und ein 16-jähriges Mädchen in Luxemburg-Stadt vergewaltigt beziehungsweise sexuell genötigt haben. Der Vater der beiden Mädchen hatte den Mann angezeigt. Der Fall erregte Aufsehen, weil auch aktuell noch unklar ist, ob es sich bei der Anzeige des Vaters vielleicht um einen Racheakt handelt. Wenn dies stimmen sollte, würde der Prozess in einem ganz anderen Licht erscheinen.

Besagter Vater ist Restaurantbesitzer in Luxemburg-Stadt und dem Gericht aufgrund eines Strafverfahrens bekannt. Wie das Journal berichtete, wurde der Restaurantbesitzer im Juni 2015 wegen Menschenhandels und Verstoßes gegen das Arbeitsrecht verurteilt. Das Urteil lautete damals ein Jahr Freiheitsstrafe auf Bewährung. Der Restaurantbesitzer hatte die prekäre Lebenssituation von vier Angestellten ohne gültigen Aufenthaltsstatus ausgenutzt, sie wurden mit rund 300 Euro im Monat als Lohn bar auf die Hand abgespeist. Für den Arbeitgeber war die Beschäftigung der Schwarzarbeiter lukrativ; die Sozialleistungen entfielen, die Löhne bewegten sich auf extrem niedrigen Niveau, vertragliche Bindungen existierten keine. Bei Arbeitsunfällen fehlte ihnen jeglicher Versicherungsschutz.

In den Angeklagten verliebt

Es soll der jetzt Angeklagte Surajit G. gewesen sein, der den Restaurantbesitzer wegen der arbeitsrechtlichen Verstöße bei der Polizei angezeigte. G. arbeitete als Kellner im Restaurant des Vaters. Zusammen mit einem Arbeitskollegen bewohnte der Mann ein kleines Zimmer - im selben Haus, wo auch die beiden Mädchen wohnten. Seltsam erscheint, dass der Restaurantbesitzer zwei Tage nach gestellter Strafanzeige gegen ihn G. wegen Vergewaltigung und Nötigung bei der Polizei anzeigte. Das Problem der Vergewaltigung wurde deshalb vom Gericht in einem Kontext zusammen mit der Anzeige des Angeklagten gegen seinen ehemaligen Chef beleuchtet - Racheakt nicht ausgeschlossen.

Bei den umfangreichen Untersuchungen fanden die Ermittler junge Mädchen vor, die erklärten, Opfer einer Sexualstraftat geworden zu sein. Die Beamten ließen die Mädchen medizinisch untersuchen. Ein medizinisches Gutachten bei der 13-Jährigen ließ keinen sicheren Schluss zu, ob das Mädchen noch Jungfrau sei oder nicht. In der Verhandlung berichtete der psychiatrische Gutachter, dass die beiden Mädchen emotional an ihren mutmaßlichen Vergewaltiger gebunden sein sollen. Beide Mädchen seien in den Mann verliebt gewesen, der sie allem Anschein nach missbraucht haben soll. Auch sagte der Gutachter, dass beide durch die mutmaßliche Vergewaltigung nicht unter einem Trauma leiden würden.

Die Nebenklägerin Hakima Gouni hatte am Mittwoch in einem Antrag versucht, das Gericht davon zu überzeugen, dass es noch einen zusätzlichen Kommunikationsaustausch zwischen dem damaligen 12-jährigen Mädchen und ihrem mutmaßlichen Vergewaltiger geben würde. Diese Informationen sollte das Gericht während dem Prozess ebenfalls in Betracht ziehen. Die Informationen hatte das Mädchen der Nebenklägerin per Mail geschickt, die aber im Spam Ordner der Anwältin gelandet sei. Die Rechtsanwältin sei erst am 12. Dezember 2016 darauf gestoßen. Das Gericht zog sich zur Beratung zurück, um über den Antrag zu beraten - dem stattgegeben wurde. Die Polizisten sind jetzt aufgefordert, eine neue Aufstellung des ganzen Schriftverkehr zwischen dem Angeklagten und dem 12-jährigen Mädchen anzufertigen.


Ein Zwischenurteil in dieser Sache wird am 21. Dezember erfolgen