TEHERAN
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Iran: Chomeinis Vermächtnis hält seine Familie aus der Politik heraus

Sein Abbild prangt auf Banknoten und in Büchern des Irans, häufig als schwarz-weiße Verkörperung der Islamischen Revolution von 1979. Ajatollah Ruhollah Chomeini hat der Nationen seinen Stempel aufgedrückt. Aber anders als in anderen Ländern haben sich seine Kinder und Enkel politisch eher zurückgehalten.

Angst vor politischen Dynastien

Die Gründe liegen zum Teil in Chomeinis eigenen Anordnungen, nachdem er der erste Oberste Führer des Landes wurde. Ein anderer Grund ist wahrscheinlich das Misstrauen gegenüber dem von ihm eingeführten System, auch wenn sein Name noch immer Gewicht hat.

Die Erinnerung an Chomeini, der 1989 im Alter von 86 Jahren starb, türmt sich auch heute wortwörtlich über Teheran. Sein goldenen Spitzen versehenes Mausoleum im Süden der Hauptstadt ist eines der ersten Bauwerke, die man sieht, wenn man von dem nach ihm benannten Flughafen in die Stadt fährt.

Sogar die CIA erkannte in einer Analyse 1983 an, dass die Revolution des Irans ohne Chomeini nicht möglich gewesen wäre. Seine auf Band aufgenommenen Predigten zirkulierten im Land in den Tagen, die zu dem Zusammenbruch der Regierung des Schahs Mohammed Reza Pahlavi führten. Chomeinis Ruf nach Unterstützung der Armen traf einen populistischen Ton in der sich teils durchkämpfenden Bevölkerung des Irans.

Trotz des politischen Erfolgs bestand Chomeini darauf, dass seine eigene Familie nicht beteiligt ist. Zum Teil lag
das an Korruptionsanschuldigungen gegen die Familie Pahlavi, deren Mitglieder sich durch Regierungsverträge an den öffentlichen Kassen bereicherten.

Die Familie des Schahs und sein königlicher
Hof wurden bei Protestierenden und der Opposition als „1.000-Mitglieder“-Oligarchie bekannt, ein Verweis auf die weitgestreute Präsenz der Familie in Regierung und Privatsektor. Chomeini wollte etwas anderes. „Ich will, dass diejenigen, die mit mir verwandt sind, nicht in politische Strömungen eintreten“, sagte Chomeini 1980, als einer seiner Enkel den damals umstrittenen liberalen Präsidenten Abolhassan Banisadr unterstützte. „Ich befehle euch auf Grundlage der Scharia, keine politischen Spiele zu spielen.“ Chomeini und seine Frau Chadidscheh Saghafi hatten fünf Kinder und 15 Enkel. Seine Tochter Sahra Mostafawi wurde später politisch aktiv. Sie erzählte 2006 jedoch, ihr Vater habe ihr und anderen Familienmitglieder gesagt: „Geht nicht in die Politik solange ich am Leben bin.“ Auch nach seinem Tod habe die Familie beschlossen, nicht in die Politik zu gehen, sagt Mostafawi. Allerdings schrieb sie später dem Obersten Führer Ajatollah Ali Chamenei einen öffentlichen Protestbrief, weil der einflussreiche Ex-Präsident Akbar Haschemi Rafsandschani von der Wahl 2013 ausgeschlossen wurde.

Die Angst vor politischen Dynastien ist im Iran weiter vorhanden. Auch Familienmitglieder des derzeitigen Obersten Führers Chamenei sind im öffentlichen Leben zurückhaltend. Kürzlich sagte Präsident Hassan Ruhani über die Iranische Revolution von 1979, sie habe das Ziel gehabt zu verhindern, dass ein „Sohn den Thron nach dem Tod des Vater“ übernehme. Der politische Analyst Amir Mohebian glaubt, sowohl Chomeinis Verbot als auch die Abneigung der Menschen gegenüber einer Monarchie verhinderten die Bildung jedweder politischer Dynastie. Er leitet einen konservativen Think Tank in Teheran. „Die Gesellschaft ist sehr sensibel bei jeglicher Dominanz einer Dynastie“, sagt Mohebian.

Trotzdem ist Chomeini auch heute eine mächtige Figur im Kopf vieler Iraner. „Chomeini war großartig. Ich habe mich seiner Revolution angeschlossen, trotz eines guten Jobs und eines guten Lebens, einfach weil er gesagt hat, der Islam sei in Gefahr“, sagt Iradsch Chalilsadeh, ein 81-jähriger Arbeiter einer Schuhfabrik im Ruhestand, der vor kurzem Chomeinis Schrein besucht hat. „Ich erwarte von der jetzigen Regierung, dass sie auf die armen Leute achtet.“