WILTZ
CHRISTIAN SPIELMANN

Innovative Fassung von „Cats“ in Wiltz

Andrew Lloyd Webbers Musical „Cats“ wurde am 11. Mai 1981 in London uraufgeführt, wo es auf den Tag genau 21 Jahre lief. Am Broadway ist es das am drittlängsten laufende Musical aller Zeiten. Schauspieler und Theaterdirektor Peter Weck brachte das Musical 1983 in sein „Theater an der Wien“, und in ganz Europa brach ein regelrechtes Musical-Fieber aus. Als im Dezember 2010 eine neue Produktion in einem Zelt in Hamburg Premiere feierte, die 2011 in Luxemburg gastierte, wurde vielen bewusst, dass „Cats“ eine Erneuerungskur brauchte. Es sollte bis 2013 dauern, ehe der tschechische Regisseur Stanislav Moša die Show komplett umkrempelte und das im Einverständnis mit dem Komponisten. Seine Fassung gastierte übers Wochenende in Wiltz und begeisterte sowohl durch Innovation, wie immer noch durch die zeitlosen Melodien, welche alle in Englisch gesungen wurden.

Eine Wohnung voller Miezen

Das Original-Musical spielt auf einer Müllhalde, wo sich die Katzen zum „Jellicle Ball“ treffen. Moša verlegte den Handlungsort in eine verfallene Fabrik, die in einen Loft verwandelt wurde. Beim knappen Bühnenbild, das aus ein paar Sitzgelegenheiten, Katzenstatuen und einer Bar besteht, könnte es sich auch um einen Nachtclub handeln. Kein Katzenschwanz, keine Schnurrhaare, kein Miauen weit und breit. Alle Mitwirkenden sind maskiert, tragen Hosen, Hemden, Kostüme, Abendkleider, Blusen oder Röcke, bei denen die Farben Schwarz und Weiß dominieren. Diese Katzen gehören zur High Society, haben Diener, kiffen, trinken Champagner und lehnen die alte Glamour-Katze Grizabella (Alena Antalová) ab, weil sie im Gesicht entstellt ist, so wie Lloyd Webbers Phantom. Entweder stellen sich die einzelnen Miezen selbst vor, wie unter anderem Rum Tum Tugger (Dušan Vitázek), der Liebling aller Weibchen, der verfressene Bustopher Jones (Robert Jícha), das Diebespaar Mungojerrie (Kristian Pekar) und Rumpleteazer (Jana Tesarová) und der Chef aller Katzen Old Deutoronomy (Aleš Slanina), oder werden von Munkustrap (Vladimír Strouhal) präsentiert.

Kürzungen und „Memory“

Endlich hatte ein Regisseur den Mut, einige Nummern zu streichen, die mit der Zeit einfach langweilig wirkten. Die alte Theaterkatze Gus (Jan Mazák) durfte sich noch vorstellen, jedoch wurde aus der anschließenden Nummer „Growltiger’s Last Stand“ nur ein kurzes Opernduett. Auch die Entführung von Old Deutoronomy wurde gestrichen, und McCavity fuhr auf einem Motorrad umher. Die instrumentale Nummer „Jellicle Ball“ wurde fast voll durchgespielt, ohne Abfallen des musikalischen Rhythmus. Natürlich überraschte Grizabella mit ihrem entstellten Gesicht, und am Ende konnte sie ihre Tochter, die weiße Katze Victoria (Kristýna Gašperáková), in ihre Arme schließen, ehe sie zum „Heaviside Layer“ aufstieg und als echte Katze zurückkam. Alena Antalová sang mit ihrer schönen und klaren Stimme den Evergreen des Musicals „Memory“ auf eine beeindruckende Art. Die Choreografie von Hana Kratochvilová und Aneta Majerová war spritzig, und „The Old Gumbie Cat“ artete gar zu einer erfrischenden Stepptanznummer aus, während „Skimbleshanks: The Railway Cat“ in einer Polonäse endete. Bravo Herr Moša! Diese „Cats“-Fassung ist fürs 21. Jahrhundert gemacht.

Alternative

Da diese „Cats“-Fassung nicht mehr zu sehen sein wird, bietet es sich als Alternative an, nach Tecklenburg (www.buehne-tecklenburg.de) zu reisen, wo Andreas Gergen das Lloyd-Webber-Musical ebenfalls veränderte. Hier spielt die Show in einem abgebrannten Zirkus, jedoch wurden keine Szenen gestrichen.

Dennoch gefällt das Musical durch seine Top-Besetzung, die farbigen Kostüme, die flotte Choreographie und akrobatischen Einlagen.