CUPERTINO/LUXEMBURG
MARCO MENG/DANIEL OLY

Lange war auf Neuheiten gewartet worden - gestern gab es sie

Von Apple wurde für gestern Großes erwartet, schließlich hat der Konzern seit einem Jahr mit keinen Neuheiten mehr aufgewartet. Am Dienstagsbend (MEZ) sollte der Konzern darum eine Flut von Neuheiten präsentieren.

Kurz nach 19 Uhr war es, da kam Apple-Chef Tim Cook auf die Bühne. Auf dem Apple-Livestream konnte man verfolgen, wie er das iPhone 6 und iPhone 6 Plus mit Retina HD-Display dort präsentierte, wo Steve Jobs vor 30 Jahren den Macintosh vorstellte. „Die besten iPhones, die wir je machten“, erklärte er. Auf jeden Fall sind es mit knapp sieben Millimeter auch die dünnsten und laut Apple mit einem Prozessor, der rund 50% schneller als der bisherige ist, wohl auch die schnellsten Telefone, die die Firma aus Cupertino jemals gebaut hat.

Auch die Funkeigenschaften wurden verbessert, schnelleres LTE soll künftig standardmäßig angeboten werden. Die Kamera wurde im Detail verändert, schnellere Autofokusfunktionen, bessere Bild- und Gesichtererkennung und ein besseres Verhalten bei schlechten Lichtverhältnissen sollen die Folge sein. Auch Filmaufnahmen mit bis zu 240 Bildern pro Sekunde, besonders nützlich für Zeitlupenmomente, werden möglich - allerdings nicht in HD, hier ist weiterhin bei (immerhin) 60 Bildern pro Sekunde Schluss.

Apple Pay

Auf der Softwareseite bleibt das neue iOS in nunmehr der Version 8, dessen Anwendungen selbstverständlich auf die größeren Bildschirme angepasst sind. Wichtigste Neuerung sicherlich: Die neue Payment-Anwendung Apple Pay, die dem User erlauben soll, Kreditkartenbezahlung bequem über Nahfeldkommunikation (NFC) mit dem Smartphone abzuwickeln.

Allerdings: Die tollen, viel gepriesenen „RetinaHD“-Displays sind am Ende auch „nur“ normale FullHD-Displays, im Fall des nur 4,7 Zoll messenden „normalen“ iPhone 6 sind es sogar nur 1.334 mal 750 Pixel. Da trösten auch leere Phrasen wie „mehr als eine Million Pixel“ nicht über den Fakt hinweg, dass man hier weiterhin der Konkurrenz hinterherhinkt. Da reißen auch die vielen Phrasen über „das beste Telefon, das Sie je gesehen haben“ nichts mehr heraus. Und Apple Pay? Googles und Microsofts Wallet-Apps lassen grüßen. Wirklich neu ist die Idee nicht.

Auch die Größenunterschiede fallen zu extrem aus: Ein Sprung von 4,7 auf knapp 5,5 Zoll innerhalb ein und derselben Produktgeneration ist ein wenig hoch, gleichzeitig bedient man hier immerhin die Klientel, die sich größere Telefone wünscht. Dass sich Apple hier gewissermaßen dem Druck der Konkurrenz, die schon seit Jahren immer größere Displays verbauen, beugt, zeigt eindrucksvoll, wie der vormalige Trendsetter und Innovateur mittlerweile doch mitunter ins Hintertreffen gerät. Die neuen Telefone wird man an der Konkurrenz, die sich stark wie nie zeigt, messen müssen. Kaufen kann man sie frühestens ab dem 19. September, die Preise beginnen bei knapp 200, respektive 300 Euro - mit Vertrag, versteht sich. Das bisherige Angebot der 5er-Serie wird indes weiter laufen und nur billiger werden - das 5C wird nunmehr mit Vertrag kostenlos, das 5S nimmt den Platz im „unteren Segment“ ein.

Endlich: iWatch

Der Höhepunkt des Abends war die Vorstellung der seit langem erwarteten Smartwatch, das „persönlichste Gerät“, das Apple je kreiert habe, so Cook. Die Uhr ist wie erwartet nicht nur eine Uhr, sondern ein leistungsstarker Minicomputer mit Retinadisplay, GPS und Wi-Fi, Fotosensor und vielem mehr. Man kann mit ihr zum Mond und sogar aus dem Sonnensystem hinaus zoomen.