SIMONE MOLITOR

Es ist eine Diskussion, die seit längerem nicht ohne Emotionen geführt wird. Bisweilen wird die Thematik aber auch unter einem extrem erzkonservativen Aspekt beleuchtet. Und wer sich für die luxemburgische Sprache stark macht, dem wird noch dazu schnell nachgesagt, der rechten Ecke anzugehören. Dass eine Sprache überhaupt zu einem derart kontrovers, nicht selten sogar polemisch diskutierten Sujet werden konnte, ist bemerkenswert. „Lëtzebuergesch“ ist auf der Diskussionsebene fast schon zu einem heißen Eisen geworden, an dem man sich, je nachdem wie ungeschickt man seine Argumente formuliert, leicht die Finger verbrennen kann. Das rührt indes daher, dass die Debatte nicht selten als Deckmantel dazu dient, um Kritik an den in Luxemburg lebenden und arbeitenden Ausländern zu üben. Die Grenze ist manchmal sehr schmal.

Keineswegs soll an dieser Stelle jeder, der in seinem Alltag einfach gerne Luxemburgisch sprechen möchte, sei es im Supermarkt, dem Café oder beim Arzt, auf die gleiche Stufe mit xenophoben Personen gestellt werden. Wenn man mit seinen Französischkenntnissen regelmäßig an die eigenen Grenzen stößt, sorgt das natürlich - und verständlicherweise - gelegentlich für Unmut, den man dann auch äußern darf, ohne gleich angegriffen oder sogar als Rassist beschimpft zu werden.

Dass die Thematik gerade im Gesundheitssektor beziehungsweise in den Krankenhäusern eine für viele luxemburgische Einwohner äußerst problematische Dimension angenommen hat, ist bekannt. Was uns fehlt und wo es schmerzt in Voltaires Sprache zu beschreiben, stand an Luxemburgs Schulen nicht auf dem Lehrplan. Im schlimmsten Fall können Verständigungsprobleme zu einer falschen Behandlung führen. Das ist eine Tatsache, gleichwohl aber auch eine Problematik, für die es keine kurzfristige Lösung gibt. Was man wohl erwarten darf, ist die Möglichkeit, eine andere Person hinzuzuziehen, die im Notfall - im wahrsten Sinne des Wortes - als Übersetzer fungiert. Der Gesundheitssektor lässt sich aber nun einmal nicht nur mit Luxemburgern besetzen. Für viele andere Bereiche auf dem luxemburgischen Arbeitsmarkt gilt das ebenfalls. Das ist ein Fakt.

Da Luxemburg ein Land mit drei gesetzlich anerkannten Sprachen ist, müssten sich manche Diskussionen jedoch endlich erübrigen. Andere dürfen dagegen gerne, ja müssen sogar geführt werden. Fragen zur Förderung der luxemburgischen Sprache widmet sich etwa die Initiative des Bildungsministeriums „Sprocheronn“. Während die erste Runde dieses Bürgerforums Ende Februar noch sehr schlecht besucht war, hatten sich letzte Woche in der Kulturfabrik bereits deutlich mehr Diskussionsteilnehmer eingefunden, um ihre Ideen einzubringen und sich über die Sprachsituation auszutauschen. Auch hier wurde deutlich, dass der Stellenwert des Luxemburgischen im gelebten Alltag am meisten Sorge bereitet. Allerdings gilt es hervorzuheben, dass selten zuvor so viele Anstrengungen auf diesem Gebiet unternommen wurden. Es ist ein Anfang. Und es ist eine Chance. Konstruktive Beiträge sind gefragt. Stimmungsmacherei dagegen ist, wie so oft, wenig hilfreich.