COLETTE MART

In einer Gesellschaft, in der Männer und Frauen eine berufliche Karriere anstreben und der Wert eines Menschen oft an seinem beruflichen Status festgemacht wird, in der Menschen vorwiegend nach ihrer Position und ihrem Geld beurteilt werden, ist die Arbeit ein zentrales Anliegen des Lebens. Arbeit kann durchaus, für alle Generationen, mit Schmerz verbunden sein. Der berufliche Druck auf die Menschen ist oft so stark, dass selbst in interessanten und gut bezahlten Berufen Burn-Out nicht selten ist. Darüber hinaus ist Mobbing in Luxemburg, im europäischen Vergleich, überdurchschnittlich hoch. Der Zugang zum Arbeitsmarkt ist nicht einfach für alle, und auch manchmal eine Glückssache. Viele junge Menschen suchen über Monate nach einer Arbeitsstelle, sogar bei makellosen Lebensläufen. Jene, die keinen Abschluss, oder sogenannte Löcher in ihrem Lebenslauf haben, finden sich oft auch in schlecht bezahlten Jobs und menschlich belastenden Arbeitsmilieus wieder.

Noch schwieriger ist die Situation der „Working Poor“, die mit ihrem Einkommen nicht leben können, und solche gibt es in Luxemburg viele, denn mit dem Mindestlohn auszukommen ist in unserem Land mittlerweile eine wirkliche Herausforderung. Prekäre oder befristete Arbeitsverträge stellen insbesondere Menschen ohne familiäre Unterstützung vor große existentielle Probleme, so dass im Endeffekt gut funktionierende Familien, Solidarität zwischen den Generationen, oder auch der Zusammenhalt zwischen Männern und Frauen im Rahmen einer Partnerschaft das beste Bollwerk gegen Armut, und auch gegen eine allgemeine Überforderung im Leben darstellen. Auf höheren Einkommensniveaus, und auch in Haushalten, in denen Mann und Frau arbeiten und ein Gehalt mit nach Hause bringen, sind Belastungen und psychischer Druck in der Leistungsgesellschaft nicht auszuschließen. Überforderte Erzieher und Lehrer, Burn-Out bei Erzieherinnen, die sich plötzlich fehlorientiert fühlen und nicht mehr mit Kindern arbeiten wollen, aggressive und verhaltensauffällige Jugendliche, die Lehrer manchmal bis in die Depression treiben, genauso wie junge Anwälte, die zehn Stunden am Tag arbeiten für relativ kleine Gehälter, sind einige Aspekte der Arbeitswelt, so wie sie heute in Luxemburg zur Realität wurde.

Hinter jedem Konkurs einer Firma steckt eine menschliche Bemühung, ein sehr großer Traum, der in die Brüche ging. Ein verlorener Job kann Menschen in prekäre Situationen bringen, und ist oft mit einem Verlust an Selbstvertrauen, beruflicher Beziehungen und Vereinsamung verbunden. Innerhalb des Schmerzes um das Thema Arbeit wäre demgemäß eine Überlegung darüber zu führen, wie Arbeit Menschen glücklich oder zumindest zufrieden machen kann. Hier spielen die richtige Orientierung, eine empathische Begleitung junger Menschen in der Schule, eine respektvolle Behandlung von Lehrlingen und Mitarbeitern im privaten und öffentlichen Sektor, sowie allgemein die Förderung der menschlichen Sensibilität, der Einfühlsamkeit in der Arbeitswelt eine Rolle. Wer in schwierigen Momenten des beruflichen Alltags Unterstützung von Kollegen oder Verständnis bei seinen Vorgesetzten findet, wird den Herausforderungen des modernen Lebens eher gewachsen sein.