LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

Darstellerpreis in Cannes für Vincent Lindon in „La loi du marché“

In unseren Kinos sah man die Filme „Je ne suis pas là pour être aimé“ (2005) und „Mademoiselle Chambon“ (2009) von Stéphane Brizé. In Cannes lief sein neuester Film „La loi du marché“ im offiziellen Wettbewerb, Vincent Lindon wurde mit dem Preis des besten Darstellers ausgezeichnet.

Nun gab es Plagiatsvorwürfe gegen den Regisseur, der die Hauptidee aus dem Kurzfilm „Lundi CDI“ über einen Arbeitslosen, der einen neuen Job als Kaufhausdetektiv findetvon Patrice Deboosère aus dem Jahr 2010 kopiert haben soll. Deboosère erklärte auf Facebook, dass es Lindon war, der seinen Kurzfilm entdeckte, und ihm vorschlug, daraus einen Langfilm zu machen. Aber sein Wunsch, mit Lindon zu arbeiten wurde ignoriert, und nun habe ein anderer den Film gedreht und seine Idee „gestohlen“. Brizé meinte nur, dass niemand das Monopol auf die Idee eines Arbeitslosen, der ein Ladendetektiv wird, besitze.

15 Monate ohne Arbeit

Thierry (Lindon) ist seit 15 Monaten arbeitslos. Ein vom Arbeitsamt organisierter Fortbildungskurs zum Kranführer brachte nichts. Jetzt riskiert er in ein paar Monaten auf den sozialen Mindestlohn von 500 Euro zurückgestuft zu werden, was das Leben mit seiner Frau Karine (Karine de Mirbeck) und seinem behinderten Sohn Matthieu (Matthieu Schaller) nicht einfacher machen wird. Er besucht Kurse, um sein Verhalten zu verbessern und bewirbt sich sogar via Skype. Ein paar glückliche Momente bringt ein Tanzkurs zusammen mit seiner Frau.

Er hat Glück und findet einen neuen Job als Ladendetektiv in einem Supermarkt. Hier scheint er erstmals zufrieden zu sein, bis er es mit Dieben zu tun bekommt, die arbeitslos und verzweifelt sind. Auch die Mitarbeiter haben Probleme zu bewältigen, bei denen sie nicht auf die Unterstützung ihres Arbeitgeber zählen können und schon gar nicht auf sein Verständnis.

Eine Art Dokumentation

Brizés Film sieht sich wie ein Dokumentarfilm über einen Arbeitslosen an. Die Kamera von Eric Dumont klebt förmlich an Thierry, dessen einzelne Tagesabläufe in langen Einstellungen beschrieben werden.

Ohne großartige oder originelle Bilder zu filmen erregt das Gezeigte dennoch das Interesse des Zuschauers. Jeder kann sich in die Situation Thierrys hinein versetzen, denn wer kennt nicht einen Chef, der schön reden und genauso schnell bei einem Fehlverhalten seinem Personal in den Rücken fallen kann?

Vincent Lindon braucht nicht groß aus sich herauszugehen, hat er doch das Aussehen eines ganz normalen Mannes, der in Ruhe und Bescheidenheit seine Existenz bestreiten will, die durch die Behinderung des Sohnes schon nicht einfach ist. Nur kann er seine Lage nicht ändern, solange er der Willkür von gierigen Arbeitgebern und deren feigen Personalchefs ausgeliefert ist. Brizé erzählt also eine alltägliche Geschichte, die in ihrer Einfachheit betroffen macht.