LUXEMBURGNIC. DICKEN

BCL beleuchtet Luxemburgs Arbeitsmarktentwicklung

Mit schöner Regelmäßigkeit wollen uns die Regierungsvertreter verklickern, der massive Anstieg der Arbeitslosigkeit in Luxemburg habe vor allem zyklische bzw. konjunkturelle Gründe. Die seit 2008 anhaltende Wirtschafts- und Finanzkrise, so will man uns weismachen, habe für einen rapiden Anstieg der bei der aufwändig reformierten nach einem neuen Job suchenden Menschen in unserem Lande geführt. Was man lange genug den anderen glaubhaft machen will, glaubt man am Ende sogar selber, wie kein Geringerer als Arbeits- und Beschäftigungsminister Nicolas Schmit in einem gestern veröffentlichten Gespräch mit der „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ erkennen ließ, wo er die Lösung der Beschäftigungsprobleme allein darauf zurückführen will, dass „die Wirtschaft ins Rollen“ gebracht wird.

Arbeitslosigkeit steigt seit 10 Jahren konstant

Pech für den Arbeits- und Beschäftigungsminister, dass gestern zeitgleich die Banque Centrale du Luxembourg (BCL) ihren „Bulletin 2013/2“ veröffentlichte, in dem sie sich punktuell mit der Frage befasst, ob der Anstieg der Arbeitslosigkeit in unserem Lande zyklischer, also konjunktureller, oder eher struktureller Natur sei. In ihrer Studie hält die BCL zunächst fest, dass der Faktor Arbeit insgesamt vergleichsweise wenig unter dem wirtschaftlichen Rückgang in Luxemburg gelitten habe. Erst gestern hatten wir in einem Kommentar unterstrichen, dass die Gesamtbeschäftigung von Mai 2012 bis Mai 2013 um 4.600 Stellen gewachsen sei.

Wenn der Arbeitsmarkt von der Krise aber dennoch betroffen war, dann vor allem hinsichtlich einer Steigerung der Arbeitslosenrate, die von 2008 bis 2012 um 2 Prozentpunkte gestiegen sei, während die Zahl der Arbeitsbewerber um 61% zugenommen habe. Aber schon vor dem Einbruch der eigentlichen Krise habe es dieses Phänomen gegeben: Seit 10 Jahren habe die Zahl der Arbeitslosen in Luxemburg nicht aufgehört zu steigen, was als klares Zeichen für strukturelle Probleme auf dem Arbeitsmarkt zu werten sei, die in Verbindung mit konjunkturellen Schwierigkeiten zu dauerhaften verheerenden Auswirkungen führen könne.

Struktureller Effekt wirkt immer stärker

In einer längerfristigen Projektion, die von 2007 bis 2015 reicht, geht die BCL davon aus, dass die Arbeitslosenrate in Luxemburg in diesem Zeitraum um 2,8 Prozentpunkte ansteigen wird. Gemäß Rechenmodell seien davon 2,3 Prozentpunkte auf strukturell bedingte Arbeitslosigkeit zurückzuführen, bis 2015 werde sich der Effekt der strukturellen Arbeitslosigkeit sogar noch erhöhen. In einem anderen Rechenmodell, das neben den Arbeitslosenzahlen auch die Zahl der freien Stellen berücksichtigt, zeigt sich ebenfalls, dass trotz Anstieg des freien Stellenangebotes die Arbeitslosenzahl weiter gestiegen sei.

Als besonders beunruhigend sieht die BCL-Studie die dauerhafte Steigerung der Langzeitarbeitslosigkeit an. Während der Anteil der Langzeitarbeitslosen von 2000 bis 2007 um 9,7% angestiegen ist, lag der Anteil er Menschen, die seit mehr als einem Jahr ohne Arbeit waren, 2012 bereits bei 40% der Gesamtarbeitslosigkeit. Dies belege die zunehmenden Schwierigkeiten verschiedener Kategorien von Arbeitslosen, wieder Einkehr in den normalen Arbeitsmarkt zu finden, so die BCL, die ebenfalls festhält, dass das Ungleichgewicht zwischen Stellenangeboten und Nachfrage besonders stark ausgeprägt sei in Berufsbereichen mit niedriger Qualifizierung. Andererseits sind mittlerweile etwa ein Viertel der Arbeitslosen über 50 Jahre alt.

Verschiedene Kategorien besonders stark betroffen

Die Zahl der behinderten Arbeitnehmer und jener mit eingeschränkten Fähigkeiten habe sich seit Beginn der Krise quasi verdoppelt. Gemeinsam mit den älteren Arbeitnehmern seien diese Gruppen besonders anfällig für Langzeitarbeitslosigkeit und stellen in dieser Kategorie mittlerweile 80% der Bewerbungen mit mehr als 12 Monaten und 65% der Bewerbungen mit mehr als 24 Monaten.

Auch wenn es sich keinesfalls um ein exklusives Phänomen handele, so sieht die BCL in ihren jüngsten Schätzungen doch eine tendenzielle Steigerung der strukturellen Arbeitslosigkeit in Luxemburg, die auch wesentlich die Steigerung der Gesamtarbeitslosigkeit für den Beobachtungszeitzraum bis 2015 antreibe. Allerdings räumt die BCL ein, man habe es bei der Bewertung der strukturellen Arbeitslosigkeit mit einem stärkeren Unsicherheitsfaktor zu tun, der zusätzlich vergrößert werde durch den hohen Anteil der Grenzgänger auf dem luxemburgischen Arbeitsmarkt und deren Erfassung nicht mit letzter Konsequenz erfolge.

Strukturelle Reformen unerlässlich

Dessen ungeachtet aber sei der Anstieg der Arbeitslosigkeit nur teilweise konjunkturell bedingt und mache strukturelle Reformen unbedingt erforderlich. Der „harte Kern“ der Arbeitslosen werde wohl nur sehr wenig von einer konjunkturellen Erholung profitieren. Wichtigstes Ziel der Beschäftigungspolitiken müsse es deshalb sein, die Beschäftigungsfähigkeit der Arbeitslosen zu fördern sowie Aus- und Weiterbildung zu stimulieren, um ein besseres Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage zu erreichen.