LUXEMBURG
SVEN WOHL

Vertreter von Politik, Wirtschaft und Gewerkschaften diskutierten über den Arbeitsmarkt

Trotz der Krise wurden seit 2008 28.000 Arbeitsplätze in Luxemburg geschaffen. Dies reiche aber dennoch nicht, um die Folgen der Wirtschaftskrise gänzlich zu kontern. Ein Wirtschaftwachstum von jährlichen drei Prozent wären da, laut Arbeitsminister Nicholas Schmit (LSAP), notwendig, um gegen die momentan vorherrschende Entwicklung ansteuern zu können. Trotzdem stehe man, im internationalen Vergleich gut da, auch wenn die Situation ernst ist.

Der Ton nach dem Dialog zwischen Politik, Gewerkschaften und Vertretern der Unternehmen unter dem Schirm des „Comité permanent du travail et l‘emploi“ (CPTE) ist also herzlich gespalten, auch wenn wenigstens wieder miteinander geredet wird. Eine Debatte im Parlament zu Themen wie Wirtschaftwachstum wird von den Gesprächspartnern gefordert, um ein Bewusstsein für die Situation zu fördern. Die ADEM hingegen soll mehr Personal erhalten, um den wachsenden Arbeitslosenzahlen auch gerecht werden zu können.

Drei Problemzonen

Innerhalb der Problematik wurden die üblichen drei Probleme angesprochen: Langzeitarbeitslosigkeit, die Schaffung neuer Arbeitsplätze und natürlich die Jugendarbeitslosigkeit.

Was den letzten Punkt angeht, dem bekanntlich einiges an Aufmerksamkeit gezollt wird, empfielt der CPTE, die „Garantie Jeune“ weiterhin aufrecht zu erhalten. Dieser Plan beinhaltet unter anderem, dass Jugendliche innerhalb von vier Monaten eine Arbeit beziehungsweise Aus- oder Fortbildung finden, damit sie sich nicht zu weit vom Arbeitsmarkt entfernen. Die Gewerkschaft LCGB vermeldet dazu, dass ein Pilotprojekt, damit Jugendliche mit schwacher Ausbildung innerhalb eines Betriebes eine Ausbildung erhalten, positive Resultate aufweist und fortgesetzt wird.

Nicht nur in diesem Zusammenhang wird der Akzent auf die Ausbildung gelegt, denn auch für Langzeitarbeitslose sind im Rahmen des „Reclassement“ Fortbildungen vorgesehen, um die betroffenen Personen fit für einen sich stets verändernden Arbeitsmarkt zu machen. Denn innerhalb des Finanz- und Industrie-Sektors wird es, laut Arbeitsminister, auch weiterhin zu einem Stellenabbau kommen.

Neue Sektoren für den Wachstum

Hier müsse dann die Reorientierung der Wirtschaft einsetzen, wie Wirtschaftsminister Etienne Schneider (LSAP) sie vorsieht. Wie bereits oft genug beschworen, sollen vier neue Säulen, Biotechnologie, Ökotechnologie, Logistik und ICT dafür Sorgen, dass der Arbeitsmarkt in Luxemburg noch weiter wachsen kann. Vor allem der Logistiksektor wäre hier ansprechend, würde er auch weniger qualifizierte Arbeitnehmer fordern. Zudem wären alleine hier bereits 3.000 - 5.000 Arbeitsplätze geschaffen worden.

Die anderen angesprochenen Sektoren würden zwar bisher weniger Arbeitsplätze schaffen, würden sich aber bislang ordentlich entwickeln. Vor allem im ICT-Bereich sei man teilweise über die Dynamik überrascht, hätte man etwa den „Gaming“-Bereich gar nicht auf dem Radar gehabt. Etienne Schneider steckte sich, was den ICT-Sektor angeht, das Ziel, die internationalen Top-3 zu erreichen.

Angepasste Bildung

Was in diesem Kontext jedoch von Etienne Schneider nochmals unterstrichen wurde, ist die Tatsache, dass auch die Bildung in dieser Hinsicht angepasst werden muss. Den Jugendlichen müsse eindeutig kommuniziert werden, dass der Finanzsektor nicht mehr die einzigen Zukunftsperspektiven biete, sondern eben auch diese neuen Sektoren existieren würden. Damit würde vermieden werden, dass sie etwas studieren, das in der Realität des Arbeitsmarktes kaum oder gar nicht gefragt ist.

Auf die am Montag seitens der Gewerkschaften unterbreiteten Vorschläge wurde indes nicht eingegangen.

Es wurde jedoch versichert, dass sie in den Gesprächen durchaus mit aufgegriffen worden sind.