Durch eine parlamentarische Frage des Abgeordneten Gast Gibéryen an Arbeitsminister Nicolas Schmit rückten die Probleme des Luxemburger Arbeitsmarktes wieder in den Mittelpunkt der Aktualität. Es seien, so Minister Schmit, der soziale Bereich und das Ingenieurswesen, die Nachwuchsprobleme hätten. Die Tatsache, dass es in sozialen Berufen an Arbeitskräften fehlt, liegt daran, dass sowohl die Erziehung von Kindern als auch die Betreuung älterer Menschen aus den Familien ausgelagert wurde. Die Anforderung, in Erziehungsberufen die luxemburgische Sprache gut zu beherrschen, weil es ja darum geht, auch nicht-luxemburgische Kinder so schnell wie möglich sprachlich zu integrieren, führt dazu, dass Luxemburg kaum Erzieher aus der Großregion einstellen kann. Allerdings werden Krankenpfleger ohne die einheimischen Sprachkenntnisse rekrutiert, was nicht immer einfach für ältere Menschen ist. Auch werden in unserem Land immer mehr soziale Institutionen für Kinder und Jugendliche gebraucht, da es Familien gibt, in denen sich niemand um die Kinder kümmert.
Was den Mangel an Nachwuchs im Ingenieurwesen anbelangt, ist festzustellen, dass die meisten Ingenieursstellen immer noch die Kenntnis der drei Landessprachen voraussetzen, derweil es europaweit tausende arbeitslose Ingenieure gibt. Dies ist ein wirkliches Trauerspiel. Sogar in Luxemburg gibt es Ingenieure, die über Jahre nach Arbeit suchen, auch wenn dies unglaubwürdig erscheint. Wer aus einem anderen Kulturkreis kommt, oder vielleicht eine andere Hautfarbe hat und die Landessprachen nicht beherrscht, dem verschließen sich die Türen in führenden Positionen des Ingenieurswesens in unserem Land. Der Nachwuchs in diesem Bereich wäre also u.a. durch Fortschritte in Sachen Inklusion, Diversität und Toleranz besser zu fördern. Natürlich spielt auch die schulische Orientierung der einheimischen Jugend eine wichtige Rolle in dieser Frage, was dann auch wieder ein sehr tiefgründiges Problem ist. In unserer modernen Welt, in der Jugendliche sich kaum noch fragen, wie denn jetzt das Handy oder der Computer funktioniert, wäre eine systematische Förderung der Wissenschaften ein „Must“ in unseren Schulen. Im luxemburgischen Schulsystem fordert jedoch das Studium der Sprachen viel Zeit, Energie und Fleiß, und dies auf Kosten der Wissenschaften, derweil hochqualifizierte Ingenieure aus anderen Ländern eben weniger in Sprachen investierten. Die Schulreformen der letzten Jahrzehnte führten dann auch dazu, dass in technischen Gymnasien Sprachen weniger bewertet werden, damit die Energie auf andere Fähigkeiten konzentriert werden kann, und damit auch Schüler Chancen bekommen, die nicht so sprachbegabt sind. Um hier und jetzt die Probleme etwa im Ingenieurswesen zu lösen, müssten wir ab sofort dem Diskurs um die Diversität eine wirklichen Inhalt geben, was in vielen Bereichen der Wirtschaft noch überhaupt nicht der Fall ist. Wir müssten Vorurteile gegenüber Ingenieuren aus anderen Ländern und Kulturen abbauen, und im Ingenieurswesen der Inklusion zuarbeiten, was eine Bereicherung und ein sozialer Fortschritt wäre.


