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Rheinland-Pfalz fördert ländliches Coworking - Mehr „Dorfbüros“ sollen kommen - Auch in Wasserbilligerbrück gegenüber Mertert

Der tägliche Weg zur Arbeit in die Stadt gehört für viele Dorfbewohner zum Alltag. Neue Arbeitsformen im Dorf will ein Landesprogramm entwickeln, das im nächsten Jahr deutlich ausgeweitet wird. Die Entwicklungsagentur Rheinland-Pfalz, die das Projekt betreut, zeigt sich zuversichtlich, dass - wie von Innenminister Roger Lewentz (SPD) angekündigt - bis 2021 insgesamt neun „Dorfbüros“ entstehen.

Dabei handelt es sich um Bürogemeinschaften, die es als „Coworking Spaces“, als Räume fürs gemeinsame Arbeiten, in vielen Städten schon länger gibt.

Auch in Wasserbilligerbrück

Die Bewerbungsrunde für die bereitgestellten Fördermittel hat in diesem Jahr die Verbandsgemeinde Trier-Land für sich entschieden. Sie eröffnet im Dezember ein „Dorfbüro“ in Wasserbilligerbrück. Dort werden im ersten Stock der deutsch-luxemburgischen Tourist-Information zunächst drei Räume umgebaut und als Arbeits- und Besprechungsplätze eingerichtet. Partner bei diesem Projekt ist die
luxemburgische Gemeinde Mertert. Berufstätige aus der näheren Umgebung können das „Dorfbüro“ als Alternative zum Pendeln an einen entfernten Arbeitsplatz oder Home-Office nutzen.

Bereits im Juli 2017 hat die Entwicklungsagentur Rheinland-Pfalz als Modellprojekt den „Schreibtisch in Prüm“ gestartet. Gemeinsam mit der Verbandsgemeinde Prüm und dem Eifelkreis Bitburg-Prüm wurden in einem leerstehenden Verwaltungsgebäude Arbeitsplätze für acht dauerhafte Nutzer eingerichtet. Aktuell sind dort fünf Arbeitsplätze belegt, mit ganz unterschiedlichen Branchen und Tätigkeiten. „Im Grunde kann man dort alle Tätigkeiten mit Computer und gutem Internet-Anschluss ausführen“, sagt Andreas Jöckel von der Entwicklungsagentur. Ein „Dorfbüro“ bietet neben flexibel nutzbaren Arbeitsplätzen auch Räume, die gemeinsam genutzt werden können, etwa für Besprechungen oder Treffen mit Kunden.

In dem jetzt zu Ende gehenden Jahr sei es für die Gemeinden wegen der Kommunalwahlen schwierig gewesen, sich für ein solches Projekt zu bewerben, erklärt Jöckel. „Das nimmt jetzt Fahrt auf.“ So sind für das kommende Jahr zwei Bewerberrunden geplant - die erste startet am 10. Dezember mit einem Informationstag in Bingen und läuft bis zum 27. März. Eine zweite wird voraussichtlich im Sommer 2020 folgen. Neben einer Beratung gibt das Land bis zu 25.000 Euro für die Einrichtung eines „Dorfbüros“ und bis zu 25.000 Euro pro Jahr für die ersten drei Projektjahre. Die Kommunen verpflichten sich, das „Dorfbüro“ mindestens weitere zwei Jahre lang eigenständig zu betreiben.

Ländlichen Raum stärken, Stress mindern

Das „Coworking“ auf dem Land soll den ländlichen Raum stärken und neue Arbeitsformen ins Dorf bringen. „Wer lokal im Dorfbüro arbeitet, muss nicht pendeln“, erklärt die Entwicklungsagentur. „Das sorgt für einen geringeren CO2-Ausstoß, weniger Stress und mehr Freizeit.“ Zu den Zielen gehört auch die Nutzung leerstehender Gebäude.

Schließlich ist es die Idee, mit dem Arbeiten im Dorf auch den lokalen Einzelhandel zu unterstützen.