LUXEMBURG
CHRISTIAN BLOCK

„Rentrée“-Pressekonferenz: Minister Meisch zufrieden mit Fortschritten - Ausblick auf weitere Projekte

Angesichts vieler Reformprojekte, die in diesem Herbst umgesetzt werden und zahlreicher Übereinkommen etwa mit der „Intersyndicale“ oder der Vereinigung der Lehrbeauftragten ACEN hat Bildungsminister Claude Meisch gestern von einem „arbeitsreichen“ aber „erfolgreichen“ Jahr seit der letzten „Rentrée“ gesprochen. Die von der Gewerkschaft SEW am Dienstag geäußerte Kritik kann Meisch indes nur schwer nachvollziehen. Dem Vorwurf, das Schulsystem nach neoliberalen Prinzipien auszurichten, hielt er beispielsweise die Einstellung von Spezialisten in der Sonderpädagogik, die für kommendes Jahr geplante nationale Elternvertretung oder die Anpassungen bei den Arbeitsbedingungen der Lehrbeauftragten entgegen.

Drei Prioritäten

Für das kommende Jahr zeichnete der liberale Minister indes drei Prioritäten vor, die vor allem drei Risikogruppen entgegenkommen sollen: Kinder mit Migrationshintergrund, Schüler mit besonderen Bedürfnissen und Schüler mit schulischen Schwierigkeiten. Zum einen die Reform des Förderschulsystems, wo bis Ende des Jahres der Gesetzesentwurf vorliegen soll.

Durch die Reform soll eine hochwertige Begleitung auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene gewährleistet werden. Neue Kompetenzzentren sollen zu den Themengebieten Lernschwierigkeiten, Verhaltensauffälligkeiten und hochbegabte Schüler entstehen, die auf diesen drei Ebenen die fachliche Kompetenz garantieren sollen. Als eine zweite Priorität nannte Meisch die Reform des Vorbereitungsunterrichts (régime préparatoire).

Für rund die Hälfte der Schüler auf diesen Klassen gebe es kein Vorankommen. Hier will Meisch auf Erfahrungen aus der nonformalen Bildung zurückgreifen, um neue Wege zu beschreiten. Die dritte Priorität ist die Reform der Berufsausbildung, die in Zusammenarbeit mit den Berufskammern und Gewerkschaften ausgearbeitet und ab der „Rentrée“ 2017/18 progressiv in Kraft treten soll.

Drei Ziele

Mit den unterschiedlichen Reformvorhaben verfolgt Meisch drei Ziele: Die Qualität des Bildungswesens verbessern, die Diversifizierung und Ausrichtung des schulischen Angebots nach den Bedürfnissen der Schüler sowie die Teilnahme einer Vielzahl von Akteuren. Als Beispiel für den Bereich Qualität nannte Meisch den gesetzlich verankerten Bildungsrahmenplan von der Kinderkrippe bis zum Jugendhaus, die Pläne für die Ausarbeitung von Unterrichtsmaterialien in Luxemburg oder die Schulentwicklung, „di um Terrain gemat muss ginn“. Zur Diversifizierung des Angebots zählt neben der internationalen Schule in Differdingen beispielsweise die „Luxembourg Tech School“. Hier werden Schüler von 2e und 3e auf dem „Campus Geesseknäppchen“ während drei Stunden wöchentlich außerhalb der Schulzeit Einblicke in die Bereiche „big data“, Finanztechnologie und Spieleentwicklung bekommen.

Zum Stichwort Teilnahme sagte Meisch, „Schulentwicklung kann nicht von oben herab entschieden werden“. Er wolle eine „Schule, die sich öffnet für die „schulischen Partner“ vor Ort wie auch für gesellschaftliche Akteure. Denn die Schule habe eine „gesellschaftliche Mission“. Der für 2017/18 geplante nationale Programmrat werde hierzu beitragen.

Insgesamt gibt sich Meisch selbstsicher, mit seinen Reformen auf dem richtigen Weg zu sein. „Mit diesen Projekten, die zum Teil zu diesem Schulanfang greifen oder auf dem Instanzenweg sind, wird unser Bildungssystem definitiv im 21. Jahrhundert ankommen“, sagte er gestern.