LUXEMBURGSVEN WOHL

Das Nationalarchiv kommt in Bewegung, aber nicht aus dem Provisorium heraus

Wenn die Luxemburgische Philharmonie für sechs Monate schließen müsste, wäre der Aufschrei in der Gesellschaft groß. Doch wenn das Nationalarchiv für die gleiche Zeit Schließen muss, ist kaum etwas zu hören. Für Josée Kirps, die Direktorin des Nationalarchivs, liegt der Grund auch darin, wie stark das Archiv in den Köpfen verankert ist: „Die Menschen sind sich nicht darüber im Klaren, welche Probleme das mit sich bringt“, erklärt sie im Interview mit dem „Journal“.

Von Provisorium zu Provisorium

Das Hauptproblem ist der Platz. Das Hauptgebäude am Heiliggeistplateau stößt längst an seine Grenzen: Der zusätzlich gemietete Raum in den unterirdischen Parkanlagen unter der Citée Judiciaire stellt ein Langzeit-Provisorium aus den 1980er Jahren dar und die bei der Post gemieteten Räumlichkeiten werden demnächst abgerissen. Dass das Hauptgebäude jetzt renoviert und damit geschlossen werden soll fällt in diesem Moment auch noch damit zusammen, dass 20% der Dokumente die in den Parkanlagen Platz fanden, ebenfalls raus sollen. Zwar wird es möglich sein in einem temporären Lesesaal im Centre Hermes in Bartringen zwischen Januar und August 2014 Dokumente einzusehen, doch das Fazit der Direktorin ist eindeutig: „Es kommt ein Provisorium zum anderen“. Auch der Transport der Dokumente bringt seine Gefahren mit sich.

In das Hauptgebäude wurde jahrelang nichts investiert. Der Grund: Es wurde davon ausgegangen, dass ein neues Gebäude gebaut wird. Doch der erste Entwurf wurde als zu teuer eingeschätzt und aktuell liegt das Projekt bis nächstes Jahr auf Eis. Die Unterstützung der nächsten Regierung wäre natürlich auch dringend notwendig, auch wenn das Nationalarchiv keine Lobby hätte, um ihre Interessen zu vertreten, meinte Josée Kirps.

Harte Bremsung

Dabei wäre ein neues Gebäude dringend notwendig: „Platz ist immer ein Problem, mit dem wir uns beschäftigen müssen. In anderen Ländern wird da ständig gebaut“, erklärt Josée Kirps. Einen Lichtblick gibt es immerhin schon, denn dank der Digitalisierung nimmt die Flut an Dokumenten, die von den Administrationen an das Nationalarchiv abgegeben werden, ab. „Das Papier wird in Zukunft an Bedeutung verlieren, da vieles digital geklärt wird. Wir hängen da natürlich der Entwicklung immer ein Jahrzehnt hinterher. Es wird jedoch abnehmen.“, so die Direktorin. Aktuell wird jedoch nur noch das Notwendigste an Dokumenten übernommen. Trotzdem kommen noch jedes Jahr durchschnittlich drei Kilometer Dokumente hinzu.

Hinzu kommt natürlich die Beratung, die von den Angestellten des Nationalarchivs geleistet werden, wenn etwa Institutionen oder Privatpersonen nachfragen, wie sie am besten ihre Archive unterhalten. Oder etwa die Ausstellungen und Führung, die organisiert werden, um auch Aufmerksamkeit von außen zu erhalten. All dies wird aktuell geleistet, ohne, dass es auch nur eine Neueinstellung im vergangenen Jahrzehnt gegeben hätte.