LUXEMBURG
JK

„Médecins du Monde“: Immer mehr Leute haben keinen Zugang zur Gesundheitsversorgung

Vor fünf Jahren, im März 2014, nahm die Vereinigung „Médecins du Monde“ oder „Doktere vun der Welt“ ihre Tätigkeit in Luxemburg auf. Am vergangenen 8. Februar wurde ihr das Statut einer gemeinnützigen Einrichtung zuerkannt. Im „Centre d’Accueil, de Soins et d’Orientation“ (CASO) von „Médecins du Monde“ in Luxemburg-Bonneweg (30, Dernier Sol) stellten Präsident Dr. Jean Bottu und Vizepräsident Bernard Thill gestern Vormittag die Aktivitäten des vergangenen Jahres vor. Im letzten Jahr sprachen im Großherzogtum 815 schutzbedürftige Menschen bei „Médecins du Monde“ vor. In 2.358 Sprechstunden wurden sie von ehrenamtlich tätigen Gesundheitsberuflern in Luxemburg-Bonneweg und in Esch-Alzette erstversorgt.

Steigendes Armutsrisiko

Den Verantwortlichen von „Médecins du Monde“ zufolge gibt es im Großherzogtum, „dem dritt reichsten Land der Welt“ große Unterschiede was den Reichtum betrifft. Die hohen Wohnkosten machen immer mehr Menschen zu schaffen, hieß es weiter. Seit 2005 stellt die Vereinigung ein „steigendes Armutsrisiko“ in Luxemburg fest. Dabei gelte es zu unterscheiden zwischen der „sichtbaren Armut“ - Leute die auf der Straße leben -, und der sogenannten „versteckten Armut“ in den einzelnen Haushalten, die nur sehr schwer auszumachen ist und im ganzen Land zu finden ist. Im vergangenen Jahr wurden also 815 Patienten von „Médecins du Monde“ Luxemburg betreut, davon 81 Prozent Männer und 19 Prozent Frauen, in Esch-Alzette waren 70 Prozent der „Kunden“ Frauen. Der Altersdurchschnitt lag bei 39 Jahren. Ein Großteil der betreuten Personen - 71 Prozent - lebte in Luxemburg-Stadt.

Erschreckende Zahlen

Was nun die Lebensbedingungen der Patienten von „Médecins du Monde“ betrifft, so lebten im vergangenen Jahr 93 Prozent unterhalb des Armutsrisikos. 83 Prozent sahen ihre Wohnung als „vorübergehend“ an, während 14 Prozent eine eigene Wohnung hatten. 33 Prozent der betroffenen Personen haben Kinder, die in 80 Prozent der Fälle nicht bei ihnen leben.

Von den Personen, die im vergangenen Jahr bei „Médecins du Monde“ vorsprachen, waren 7,5 Prozent luxemburgische Staatsangehörige. 57 Prozent stammten an einem anderen europäischen Land. 20 Prozent waren bei der nationalen Gesundheitskasse CNS eingeschrieben und 72 Prozent verfügten über keine Rückerstattung der Gesundheitskosten.

Im vergangenen Jahr waren 107 Personen ehrenamtlich für „Médecins du Monde“ im Großherzogtum aktiv, unter ihnen zahlreiche Gesundheitsberufler, aber auch Übersetzer in mittlerweile 14 Sprachen, Sozialarbeiter, Informatiker und viele andere mehr.

Derzeit sucht „Médecins du Monde“ nach geeigneten Räumlichkeiten in Ettelbrück , um eine Niederlassung für den Norden des Landes zu eröffnen.

www.medecinsdumonde.lu