LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Die Europäische Kommission erkennt die Fortschritte bei der Umsetzung des Projekts „Europäische Kulturhauptstadt Esch2022“ an. Das kann man dem Bericht des „Second Monitoring Meeting“ – der Austausch fand am 27. Mai statt - aus Brüssel entnehmen. Dass dies explizit an mehreren Stellen angemerkt wird und auch viele positive Elemente hervorgehoben werden, sei deshalb an dieser Stelle mit genauso viel Nachdruck erwähnt, damit es nicht wieder heißt, die Medien würden stets nur ein negatives Bild von Esch2022 zeichnen und dadurch eine ablehnende Haltung bei der Bevölkerung bewirken. Also: Es ist mit Sicherheit nicht alles schlecht, was bisher geleistet wurde und schon Form angenommen hat. 

„Esch2022 ist auf dem richtigen Weg“, lautet auch die Schlussfolgerung in einer am Dienstag verschickten Pressemitteilung. Ja, das stimmt wohl. Allerdings müssen auf diesem Weg noch einige Hürden überwunden werden. Immerhin hat der Kontrollausschuss der Kommission seinen Bericht auch mit Kritik versehen und deshalb 13 Empfehlungen ausgesprochen. „Für uns fällt der Bericht positiv aus, denn wir werden in unserer alltäglichen Arbeit bestätigt“, wird derweil Generaldirektorin Nancy Braun zitiert, und wir glauben ihr natürlich, dass die Empfehlungen umgesetzt werden. Doch wie zügig? Die Kommission stellt unmissverständlich klar, dass an Tempo zugelegt werden müsse, was die Umsetzung der künstlerischen Visionen in die Praxis anbelange. Es sei jetzt an der Zeit, die Programm-Entscheidungen mitzuteilen, die Bewerber darüber zu informieren, ob ihr Projekt zurückbehalten wurde oder nicht, und „as soon as possible“ die entsprechenden Verträge zu unterzeichnen.

Das Zeitfenster, das sich die Generalkoordination diesbezüglich gegeben hat, ist aber nach dem Verständnis der meisten Künstler und Projektträger weit von „as soon as possible“ entfernt. Eigentlich hätten die Entscheidungen doch längst gefällt werden müssen, doch stattdessen hängen viele Kulturschaffende immer noch in der Warteschleife. Langsam wird die Zeit knapp, und die Planungssicherheit schwindet. Hinzu kommt die Ungewissheit, was die finanzielle Unterstützung seitens Esch2022 anbelangt. Wer im Kulturbereich arbeitet, weiß, wie viel Zeit nötig ist, ein Qualitätsprojekt auf den Weg zu bringen, und wie wichtig deshalb die budgetäre Sicherheit ist.

Von den 573 Projektvorschlägen wurden in einer ersten Etappe bekanntlich 31 zurückbehalten und 176 in eine Nachbearbeitungsphase gestuft. Die Projektträger mussten demnach noch einmal nachbessern. Wie aus dem „Monitoring Report“ hervorgeht, sollen insgesamt nur 80 Projekte für 2022 zurückbehalten werden, was bedeutet, dass es noch viele Absagen geben wird und dass ebenso viele Bewerber völlig umsonst so viel Zeit und Energie investiert haben. Wie hoch die finanzielle Beteiligung von Esch2022 letztlich ausfällt und welche Eigenmittel in der Folge aufgebracht werden müssen, nun, das erfahren die Beteiligten erst im September. Es ist sicherlich nicht auszuschließen, dass sich dann noch einige freiwillig zurückziehen werden.

Die Prozedur muss nun wirklich dringend beschleunigt werden. As soon as possible! Ja, bestimmt gibt es leichtere Aufgaben, als ein solches Großprojekt auf den Weg zu bringen, aber so lange es auf diesem Weg holpert, überwiegt nun einmal die Skepsis.