LUXEMBURG
BEÁTA FÜLÖP

Während mittlerweile offen in unserer Gesellschaft über Homosexualität gesprochen wird, sind für viele Menschen bei weitem nicht alle Ausrichtungen so eindeutig definiert. Ein gutes Beispiel ist die Asexualität, die erst nach und nach ein stärkeres mediales Interesse erfährt. Keine sexuelle Anziehung zu verspüren bringt jedoch Vorurteile mit sich, die auf Unkenntnis beruhen. Wie diese aussehen und was man dagegen tun kann, erklärt Beáta Fülöp, Betreiberin der Facebook-Page „Ace Multifandom“:

„Viele Menschen wissen nicht, worum es sich bei Asexualität handelt oder schlimmer noch, dass es überhaupt existiert. Deshalb herrschen demgegenüber auch noch zahlreiche Vorurteile, wie etwa, dass es sich dabei um eine Krankheit handele oder dass Asexuelle gefühlskalt sind. Dabei gibt es allerdings einen Unterschied zwischen romantischer und sexueller Anziehung – was die meisten Menschen ebenfalls nicht wissen. Beim Romantischen geht es um Gefühle, während es bei der sexuellen Anziehung eben darum geht, mit wem man schlafen möchte. Meistens werden beide Aspekte in unserer Gesellschaft zusammen begriffen. Jedoch kann man zum Beispiel homoromantisch, aber zugleich asexuell sein.

Zum Glück sprechen die meisten großen LGBTQI-Gemeinden dieses Thema bereits an. Zum Beispiel findet man auf deren Webseiten Informationen über Asexualität. In dieser Hinsicht herrscht allerdings in Luxemburg noch ein gewisser Mangel und man hört fast nie etwas darüber. Das Wichtigste wäre jedoch, innerhalb der Schulen dieses Thema direkt anzusprechen. Auch in den Medien muss Asexualität vermehrt zur Sprache kommen, damit in der Gesellschaft mehr darüber gesprochen wird. Das ist sehr wichtig, weil zum Beispiel Eltern nicht wissen können, was sie nicht sehen.

Diese Themen müssen wir unbedingt in der Schule ansprechen. Man muss vermitteln, wie viele Möglichkeiten jeder hat, um sein Leben zu leben. Man muss nicht unbedingt heiraten, keine Kinder haben, man kann auch mit einem guten Freund – oder mehreren - zusammenleben. Doch kaum jemand spricht darüber. Dabei sollte jede Person das für sich wählen können, was am besten für sie funktioniert. Dabei muss man auch erkennen, dass Romantik und Sexualität wie erwähnt unterschiedliche Aspekte sind. Auch wenn Medien und Gesellschaft uns ständig das Gegenteil zeigen. Den Kuss- oder Sexszenen in Filmen, die oft den Höhepunkt einer romantischen Entwicklung darstellen, wird kaum eine Alternative entgegengestellt – wie etwa zusammen tanzen, Musik hören oder ähnliches. Dabei gibt es zahlreiche Möglichkeiten, seine Intimität anders auszudrücken!

Jeder sollte einmal in seinem Leben die eigene Geschlechtsidentität sowie die sexuelle und romantische Orientierung hinterfragen. Egal, ob man heterosexuell ist, oder nicht. Entweder stellt man fest, dass man das ist, wovon man stets ausgegangen ist, oder man entdeckt, wer man tatsächlich ist.

Zum Glück verhilft das Internet dem Thema Asexualität zu einer neuen Reichweite. Das bemerke ich auch auf meiner Facebookseite, um die sich eine Gemeinschaft gebildet hat. Darunter sind viele junge Menschen, die eben auch eine gewisse mediale Repräsentation einfordern. Jeder braucht seine Helden und viele aus dem Spektrum werden in dieser Hinsicht enttäuscht.“