Eingangs der letzten Sitzung des Escher Stadtrats vor den Sommerferien ging Bürgermeisterin Vera Spautz (LSAP) mit Blick auf die Eröffnung der Universität Luxemburg am kommenden 14. September auf die künftige Entwicklung des Standortes Belval ein. Bis dahin seien sowohl die „Maison du Savoir“ als auch die „Maison des Sciences Humaines“ und die „Maison de l’Innovation“ operationell, meinte die Bürgermeisterin.
Hervorragende Zusammenarbeit
Das neue Viertel mit seinen etwa 40 Gebäuden beherberge heute nicht weniger als 220 Unternehmen, Start-Ups, Geschäfte und sonstige Institutionen. Über 4.000 Arbeitsplätze, davon allein 600 für Forscher, seien hier geschaffen worden. Nach dem Umzug zur ersten „Rentrée académique“ werde mit etwa 1.000 zusätzlichen Angestellten und 2.100 Studenten gerechnet. Die Zahl der täglich auf Belval tätigen Personen werde dann um 1.000 auf etwa 5.000 Einheiten ansteigen. Ansonsten, wie Vera Spautz unterstrich, pflege man als Gemeinde regelmäßige Kontakte mit den Verantwortlichen der Universität. Sowohl in Sachen Umzugsplanung, Kultur- und Sportangebot, Erstellung von Radwegen als auch Führungen, Besuche, Restauration und anderweitigen Aktionen unterhalte man eine perfekte Partnerschaft.
222 Studentenwohnungen
Ein Lehrstuhl für soziales Unternehmertum und Management sei mit dem Ziel geschaffen worden, die Stadt Esch in ihren Bemühungen hinsichtlich der wirtschaftlichen, politischen und sozialen Entwicklung im Süden des Landes zu unterstützen. Zudem habe die Gemeinde eine Charta mit der Hochschule und der ADEM zur Rekrutierung minder qualifizierter Personen für Arbeiten auf dem Universitätsgelände unterzeichnet und ein „Welcome package“ mit Faltblatt für unkundige zukünftige Studenten und Angestellte erstellt.
Die Stadt Esch habe die früheren Hôtel Mercure und Café Diva sowie ein Haus in der Brill-Straße zwecks Einrichtung von 57 Studentenwohnungen erworben. Mit dem Umbau sei bereits begonnen worden, teilte Spautz mit. Momentan verfügt die Minettemetropole über 222 Wohnungen für Studierende. Weitere 536 Einheiten seien in Esch mittelfristig in Planung.
Anschließend ging das Wort an die Sprecher der verschiedenen Fraktionen. Sie zeigten sich ob der Entwicklung auf Uni-Belval recht zufrieden, ohne dennoch eine Reihe von konstruktiven Anregungen einzubringen.
Im Kreuzfeuer der Kritik
Rat Mike Hansen (LSAP) hatte eine Resolution hinsichtlich der Schließung der seiner Meinung nach umweltschädlichen Asphaltfabrik in der Industriezone Monkeler eingebracht. Um den Bau der „Dreckschleuder“ zu verhindern, hätten Anfang 2014 mehr als 200 Personen an einer im Rathaus stattgefundenen öffentlichen Versammlung teilgenommen, hielt Hansen fest. Sogar „der Moralapostel, grüner Staatssekretär und Mitglied einer so genannten ökologischen Partei“ hätte sich von seinem hohen Ross gehievt, um die Leute im Süden des Landes „mit arroganten Versprechen zu vertrösten“.
Die Anwohner im Lallinger Viertel nahe dem Monkeler hätte Staatssekretär Gira jedoch nicht davon abbringen können, ihre Mobilisierung gegen das Asphaltwerk aufzugeben, und dies aus gutem Grund. Denn in den zehn Monaten, seit die Produktion in der Industriezone Monkeler läuft, hätten die Beschwerden und auch die Ängste der Bevölkerung drastisch zugenommen.
Mike Hansen appellierte an die Solidarität des Schöffenrats, den er dazu aufforderte, die Lebensqualität der Betroffenen mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln zu erhalten und das Werk schließen zu lassen.
Wo bleibt die neue Autobahnauffahrt?
Dem Staatssekretär solle man sein Versprechen zum Bau einer neuen Autobahnauffahrt in Erinnerung bringen und auch die Resultate der Umweltverschmutzungsmessungen auf Monkeler müssten für jedermann gut einsehbar veröffentlicht werden. Nach dem Prinzip des „Pollueur payant“, sollte neben den Betreibern des Asphaltwerks ebenfalls gegen andere hier ansässige Schmutzbetriebe vorgegangen werden, meinte der LSAP-Politiker abschließend.
Nachdem das Schreiben zur Diskussion gekommen war, wurde es, wie wohl nicht anders zu erwarten, von allen Räten unisono gutgeheißen.


