LUXEMBURG-KIRCHBERG
GERHARD KLUTH

SEL-Konzert mit den beiden Naughton-Schwestern

James Brown, Dirigent des Alabama Symphony Orchestra, sagte über den amerikanischen Komponisten Paul Lansky und dessen Komposition „Shapeshifters“, dessen Uraufführung er dirigierte: „Er kommt dem Orchester als Neuling entgegen und es war, als ob er eine neue Spielzeugkiste gefunden hatte.“ Und in der Tat, dieses Konzert für zwei Klaviere und Orchester ist an Spieltrieb kaum zu überbieten.

Erleben konnte man dies am Montag beim jüngsten Konzert der Solistes Européens Luxembourg (SEL) in der Philharmonie. Unter der Leitung von Chefdirigent Christoph König gestalteten die SEL unter anderem mit diesem Werk das letzte Konzert auf dem Kirchberg in der laufenden Spielzeit. Als Solisten hatte König das 1988 in Princeton in den Vereinigten Staaten geborene Zwillingspaar Christina und Michelle Naughton verpflichtet.

Konfusion in geregelten Bahnen

Es war offensichtlich, dass es den SEL auch eine große Freude war, Lanskys Konzert aus dem Jahre 2007 aufzuführen. Wer auf Grund des Entstehungsjahres befürchtete, experimentelle Musik mit zahlreichen Effekten, die abseits der „normalen“ Musik liegen, zu erleben, konnte beruhigt sein. Lansky experimentiert in der Tat, aber mit der Musik. Was kann man alles mit einem h-Moll Akkord anstellen, schien er im ersten Satz zu fragen.

Der zweite Satz ließ darüber staunen, wie fließend ein Kontrapunkt sein kann. Konfusion in geregelten Bahnen gab es im dritten Satz und schier unbändige Tanzfreude im vierten Satz. Was Lansky dabei sowohl den Solistinnen als auch dem Orchester abverlangte, war weiß Gott nicht ohne. Nebst einem gerüttelten Maß an Virtuosität war es vor allem die Rhythmik, die immer wieder staunen machte. Hier darf man mit Komplimenten nicht sparen.

Die Schwestern meisterten ihre Aufgabe nicht nur meisterhaft sondern auch mit Leidenschaft. Das einzige, was ein wenig störte, war ihre Gestik beim Spiel, die fast wie eine einstudierte Choreographie wirkte. Zu oft waren ihre Bewegungen nahezu synchron, hinterließen einen abgesprochenen Eindruck. Wenn dies auch der Musik keinen Abbruch tat, gilt der alte Grundsatz: Das Auge hört mit.

Hatte man in der Pause den Eindruck, es habe sich schon gelohnt, den Abend zu besuchen, so hatten König und sein Orchester noch ein Ass im Ärmel, das den Besuch noch lohnenswerter, noch beeindruckender machte. Es folgte noch die d-Moll Sinfonie von Antonin Dvorák.

Mit diesem Opus 70 musste der Komponist belegen, dass er würdig war, der Londoner „Philharmonic Society“ anzugehören und es gelang ihm restlos, wie man im Grand Auditorium hören konnte.

SEL in Echternach

König ergründete die Musik, spürte nach. Er zeigte den ihr innewohnenden Ernst auf und ließ den Leidenschaften freien Lauf. Und seine Musiker? Sie folgten ihm und setzten alles um, was er von ihnen erwartete. Das Ergebnis war eine Sinfonie, die eine tiefe Verbeugung an einen großen Komponisten war und gleichzeitig belegte, dass die SEL große Qualitäten ganz besonders für dieses Genre besitzen.

Mit der nächsten Spielzeit feiert dieses Orchester sein 25jähriges Bestehen.

Außerhalb der Konzertserie in der Philharmonie sind die SEL vor der Sommerpause am 21. Juni in Echternach zu hören.

Um 20 .30 spielen sie im Rahmen des Echternacher Festivals in der Basilika. Infos hierzu unter: www.echternachfestival.lu.