LUXEMBURG
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Parlamentarischer Kulturausschuss befasste sich mit der Causa Lunghi

Nachdem die sogenannte „Affäre Lunghi“ in den letzten Tagen immer mal wieder die Medien beschäftigt hatte, befasste sich am Dienstag endlich auch der parlamentarische Kulturausschuss mit der Angelegenheit. Da Premier- und Kulturminister Xavier Bettel im Ausland weilte, war es an Kulturstaatssekretär Guy Arendt, den Abgeordneten Rede und Antwort zu stehen.

Dieser gab an, dass das von Xavier Bettel angeordnete Disziplinarverfahren gegen den demissionären Mudam-Direktor Lunghi „à charge et à décharge“ durchgeführt werde, und es nicht an einem Minister sei, sich in ein laufendes Verfahren einzumischen. Auch sei es nicht an der Regierung, nach einem neuen Mudam-Direktor Ausschau zu halten.

Lunghi will bekanntlich rechtliche Schritte gegen RTL einleiten, nachdem der Fernsehsender in seiner Sendung „de Nol op de Kapp“ ein stark gekürztes Interview gezeigt hatte, bei dem Lunghi eine Journalistin vor laufender Kamera beschimpft hatte und ihr das Mikrofon weggedrückt hatte.

Im Kammerausschuss wurde dann auch die Informationsmission von RTL aufgeworfen, wobei Arendt aber festhielt, dass dies dann die Rolle der Medienkommission sei. Der LSAP-Abgeordnete Franz Fayot sprach in diesem Zusammenhang von einem „Assassinat médiatique“ Lunghis.

Kommentar

Boulevardpresse

Auf allgemeinen Druck hin hat RTL am Montag das komplette „Den Nol op de Kapp“-Interview mit Enrico Lunghi veröffentlicht. Bekanntlich hatte es nur der kurze Ausraster des Mudam-Direktors in die Sendung geschafft, worauf sich viele voreilig eine Meinung gebildet und Lunghi an den Pranger gestellt hatten. Wer sich das ganze Filmmaterial nun angeschaut hat, muss sich schuldig fühlen, weil er sich manipulieren ließ. Man wird jedoch das Gefühl nicht los, dass RTL genau das im Sinn hatte: seine Zuschauer manipulieren, einen Skandal heraufbeschwören, die Einschaltquoten hochtreiben ... Es ist ein Armutszeugnis, Niveau Boulevardpresse, heimtückisch und niederträchtig. Die Art und Weise, wie das Interview geführt wurde, lässt vermuten, dass es einzig und alleine darum ging, Lunghi zu provozieren, beziehungsweise eine Aussage zu provozieren, aus der man ihm einen Strick drehen könnte. Lunghi dagegen antwortet zehn Minuten lang ruhig, lächelt, liefert Fakten und dann wird es ihm zu bunt. Nach seinem (trotz allem nicht entschuldbaren) Ausraster und einer kurzen Pause kehrt er noch einmal vor die Kamera zurück, antwortet wieder ruhig und lächelt. Am Ende, „off the record“, entschuldigt er sich bei der Fragestellerin, die auch lächelt und sich verständnisvoll gibt. Was (zwei Wochen später) daraus konstruiert wurde, ist bekannt. Und schockierend. (Simone Molitor)
http://www.rtl.lu/kultur/976354.html