MERSCH
SIMONE MOLITOR

„Dido and Aeneas“: Neuinszenierung von Claude Mangen feiert Premiere in Mersch

Henry Purcell gilt als bedeutendster Komponist des englischen Hochbarocks. Eine einzige Oper hat er komponiert: „Dido and Aeneas“ (1689). Im Zentrum steht nicht der trojanische Held Aeneas, sondern die stolze und unnahbare Dido - als Gefangene ihrer Gefühle und Prinzipien. Heute Abend feiert die bilderstarke Neuinszenierung von Claude Mangen Premiere im „Mierscher Kulturhaus“. Es ist eine Premiere im mehrfachen Sinn, bislang war das Kulturhaus nämlich nicht unbedingt als Gastgeber für Opernproduktionen bekannt. Dass nun erstmals eine eigene Kreation auf die Bühne gebracht wird, ist dem neuen Direktor zu verdanken. Auch für ihn als Regisseur ist die Inszenierung einer Oper eine Premiere.

Was hat Sie dazu bewogen, eine Oper zu inszenieren?

Claude Mangen Musiktheater habe ich zuvor schon gemacht, etwa Franz Schuberts „Winterreise“, die szenisch ebenfalls sehr aufwendig gestaltet war. Damals kam Rosch Mirkes (Leiter der „Rencontres Musicales de la Vallée l’Alzette“ sowie des „Ensemble Vocal du Luxembourg“) auf mich zu, um zu fragen, ob ich mir vorstellen könnte, eine Produktion mit einem Chor zu inszenieren. Das klang spannend, und ich behielt es immer irgendwo im Hinterkopf. Als ich dann die Leitung des Kulturhauses in Mersch übernommen habe, war die passende Gelegenheit gekommen.

Warum gerade „Dido and Aeneas“?

Mangen Ich mag Barockopern. Und schließlich galt es, ein Werk zu finden, in dem der Chor quasi die Hauptrolle spielt. In Frage gekommen wäre auch ein Oratorium oder eine Passion, doch dann bin ich auf „Dido und Aeneas“ gestoßen, wo der Chor wirklich einen sehr großen Part übernimmt. Relativ schnell war dann zudem klar, dass das Haus die Produktion stemmen könnte, dass dies trotz der großen Besetzung machbar wäre. Außerdem ist „Dido und Aeneas“ bekannt und dauert lediglich eine gute Stunde. Das waren die Hauptbeweggründe. Wichtig war mir natürlich auch bei diesem Projekt wieder, mit Luxemburger Künstlern zusammenzuarbeiten. Darauf wird auch künftig im „Mierscher Kulturhaus“ Wert gelegt.

Wer wirkt denn alles mit?

Mangen Da wäre natürlich ganz klar das „Ensemble Vocal du Luxembourg“ mit seinen rund 25 Leuten unter der Leitung von Matthias Rajczyk und das Orchester- „Ensemble de la Chapelle Saint Marc“, das von Jean Halsdorf geleitet wird. Meine Wahl für die Rolle der Dido fiel auf die junge Luxemburger Mezzosopranistin Katrin Lena Heles. Mit Véronique Nosbaum, die die Belinda spielt, habe ich schon gearbeitet. Etwas länger habe ich nach einem Aeneas gesucht, den ich dann in Peter de Laurentiis gefunden habe. Neben den drei Hauptrollen gibt es noch vier kleinere Rolle, für die ich Julie Thomé, Nicole Adorno, Laurie Dondlinger und Franz Schilling gewinnen konnte. Insgesamt werden wohl fast 50 Leute auf der Bühne stehen.

Wird es da nicht etwas eng?

Mangen (lacht) Wir haben die Bühne etwas ausgebaut. Den Chor lasse ich ein bisschen quer durch den Raum agieren, er ist also ständig in Bewegung, mal in den Zuschauerrängen, mal davor. Und da wir in Mersch keinen Orchestergraben haben, finden die zwölf Musiker und Musikerinnen auch noch Platz auf der Bühne. Das geht alles. Ich habe in der Vergangenheit auch schon große Projekte gemacht, sodass ich eine gewisse Routine habe. Ich kenne die Leute. Es ist also in dem Sinn kein Experiment.

Auch keine Herausforderung?

Mangen Tatsächlich hatte ich mir die Herausforderung größer vorgestellt. Ich muss dazu sagen, dass die Sänger und Sängerinnen außerordentlich gut vorbereitet zu den Proben gekommen sind. Sie kannten ihre Partituren und waren sofort einsatzbereit. Auswendig zu singen, stellte den Chor vielleicht vor eine gewisse Herausforderung, normalerweise stehen sie in der Reihe auf der Bühne und haben die Noten vor sich liegen. Im Endeffekt hat aber wirklich alles hervorragend geklappt, weil das Projekt von allen Partnern derart gut vorbereitet worden war.

Muss man eigentlich Opernliebhaber sein, um Gefallen an der Produktion zu finden?

Mangen Das denke ich nicht. Für mich ist es eigentlich wie große Filmmusik. Ich arbeite sehr viel mit Bildern, schaffe also atmosphärische Szenen, ähnlich wie in einem Kinofilm. Natürlich ist es Barockmusik, die mag nicht jeder. Vor allem aber wird eine Story erzählt, die durch die atmosphärisch dichte Musik direkt emotional auf den Punkt gebracht wird. Man muss also wirklich keine Berührungsängste haben.

Drei Vorstellungen sind geplant, ist das nicht relativ
wenig für eine derart aufwendige Produktion?

Mangen Nun ja, man hätte sich tatsächlich Vorstellungen in der Großregion vorstellen können, aus der ja einige Orchestermitglieder stammen. Das hätte man allerdings ein bis zwei Jahre im Voraus planen müssen, was aber nicht machbar war, da ich erst seit einem Jahr hier bin. In diesem knappen Zeitraum wäre es nicht möglich gewesen, Koproduzenten an Land zu ziehen. Ich denke jedenfalls, dass das Publikum in Luxemburg mit drei Vorstellungen von „Dido und Aeneas“ gesättigt ist. Das Genre ist ja nun doch nicht so populär, wie etwa die musikalisch-satirische Hommage an Pir Kremer, wo wir jetzt noch Zusatzvorstellungen planen.

Auch diese Revue trägt ja Ihre Handschrift als Regisseur. Sie waren also in Ihrem ersten Jahr als Direktor des „Mierscher Kulturhaus“ ganz schön fleißig. Ist das alles gut unter einen Hut zu bringen?

Mangen Die Tage sind tatsächlich relativ lang (lacht). Das will ich aber nun normalisieren, weil meine Büroarbeit zeitweilig doch etwas liegen geblieben ist. Ein bisschen ein schlechtes Gewissen habe ich ja schon, wenn ich meine Mails nicht zeitnah beantworte. Im Moment wird mir das noch verziehen, demnächst aber vielleicht nicht mehr. Nächste Saison werde ich mir deshalb wohl auch nur eine eigene Inszenierung vornehmen. Natürlich will man dem Haus aber gerade in seiner ersten Spielzeit ein bisschen den Stempel als Direktor aufdrücken.

Könnten Sie sich denn vorstellen, sich nur auf die Rolle des Direktors zu konzentrieren?

Mangen Nein, dafür bin ich viel zu kreativ, da würde mir definitiv etwas fehlen.

ZUR OPER

„Dido und Aeneas“ von Henry Purcell

Zum Inhalt: Der Held Aeneas, der aus dem brennenden Troja geflohen und mit seinen Schiffen über das Mittelmeer nach Nordafrika gelangt ist, trifft auf die schöne Königin Dido. Liebe erfüllt sie - und dennoch kommen sie nicht zueinander, da das Schicksal ruft. Aeneas zieht es nach Italien, um dort ein neues Reich zu gründen, während Dido kein Ausweg bleibt. Beide haben eine Vorgeschichte. Dido wollte ihrem verstorbenen Mann die Treue halten. Aber inwiefern kann man Altes loslassen und neu anfangen? Welche Kraft hat das Schicksal? Ihre berühmte Klage, mit der sie ihr Leben und die Oper beschließt, stellt Purcells außergewöhnliche Ausdruckskraft unter Beweis, mit nur wenigen Tönen eine ganze Welt zu erschließen.
Die Neuinszenierung von Claude Mangen feiert heute Abend (27. Februar) um 20.00 Premiere im „Mierscher Kulturhaus“. Weitere Vorstellungen sind am 28. und 29. Februar jeweils um 20.00.

Reservierung: Tel. 47 08 95 1 (luxembourgticket.lu)