Und da wundert sich die Kirche, dass ihr die Schäfchen in Scharen davonlaufen, wenn ihr Bodenpersonal zuweilen einen derartigen Stuss von sich gibt, dass es, würden wir in einer gerechten Welt leben, eigentlich auf immer und ewig im Fegefeuer verharren müsste. Oder was ist davon zu halten, wenn ein Kardinalstaatssekretär, der als rechte Hand des Papstes gilt, das irische Ja zur Ehe für homosexuelle Paare doch tatsächlich als „Niederlage für die Menschheit“ bezeichnet („Ich glaube, man kann nicht nur von einer Niederlage der christlichen Prinzipien, sondern von einer Niederlage für die Menschheit sprechen“)? Er sei sehr traurig über dieses Ergebnis, so der tolldreiste Vatikan-Vertreter, der am Pfingstwochenende wahrscheinlich eine Überdosis Heiliger Geist abbekommen hat, aber die Kirche müsse sich „dieser Realität stellen“, und zwar in dem Sinne, dass sie „erneute Anstrengungen“ unternehmen müsse, „auch die Kultur von heute zu evangelisieren“, wie Radio Vatikan den Kardinalstaatssekretär weiter zitiert.
Angesichts solch dummdreister Aussagen eines allerhöchsten Kirchenvertreters wollen wir lieber nicht wissen, was in den letzten Wochen so alles hinter den vatikanischen und sonstigen bischöflichen oder kirchlichen Mauern über die Hochzeit Xavier Bettels mit seinem Lebensgefährten gemauschelt wurde, aber wie wir unsere Kirchenmänner kennen, haben diese sich bestimmt nicht lumpen lassen. Eine Öffnung im Umgang mit Homosexuellen, wie sie sich viele Gläubige von Papst Franziskus erhofft hatten, ist nach solch harten Worten aus dem Vatikan in nächster Zeit wohl eher nicht zu erwarten, auch wenn im Herbst eine Familiensynode zu diesen Fragen ansteht. Deshalb unser Tipp: Einfach aus der Kirche austreten und den lieben Gott einen guten Mann sein lassen.
Nachdem die Trennung von Kirchen und Staat hierzulande ad acta gelegt wurde und die entsprechende Frage auch nicht mehr im Referendum behandelt wird, wittert die katholische Kirche nun aber auch in Luxemburg langsam aber sicher wieder Morgenluft, hat Erzbischof Hollerich doch vor einigen Tagen großspurig angekündigt, dass nach den vielen Kompromissen, die die Kirche eingegangen sei, nun eine Zeit komme, „in der wir härter durchgreifen müssen“. Wir halten es da mit Konrad Adenauer, der vor vielen Jahren einmal gesagt haben soll, dass, seines Erachtens nach, die Kirche weder Ja noch Nein zu sagen habe, sondern ausschließlich Amen.
Nicht gerade einen berauschenden Auftritt legte dieser Tage aber auch EU-Kommissionspräsident Juncker hin, wobei an dieser Stelle aber nicht nur von einem, sondern von einer ganzen Reihe von Auftritten die Rede sein müsste, die er bei einem EU-Gipfel in Riga hinlegte. Nicht nur, dass er den ungarischen Regierungschef Orban mit den Worten „Hallo, Diktator“ begrüßte (der anscheinend „Hallo, Großherzog“ geantwortet haben soll) und die ihm sympathischen EU-Staats- und Regierungschefs entweder an der Krawatte zog oder abknutschte, sondern der Vertreter Luxemburgs, Chefdiplomat Jean Asselborn, musste sich sogar eine kräftige Watsche gefallen lassen. Alles in allem also ein Auftritt, der eines EU-Chefs mehr als unwürdig ist. Unser Tipp: Beim nächsten Mal einfach zurückschlagen...


