LUXEMBURG
ANDRÉ STEFFEN

Ein soziales Phänomen erfreut sich auch in Luxemburg immer größerer Beliebtheit: Es handelt sich um die sogenannte Dashcam, eine im Auto montierte Videokamera, die den Verkehr mitfilmt. Unter Datenschützern und Juristen ist die Verwendung der Kamera heftig umstritten, doch André Steffen hat aufgrund persönlicher Erfahrung eine Petition zur Prüfung eingereicht, die eine solche Nutzung auf legale Füße stellen soll.

„Im letzten Herbst hatte ich ein Erlebnis, als ich mit meinem Auto vom Grundhof in Richtung Müllerthal fuhr. Außerhalb der Ortschaft wollte ich zwei Fahrradfahrer überholen, die auf der engen Straße nebeneinander fuhren. Um die beiden Verkehrsteilnehmer zu warnen, hupte ich, dies gemäß Artikel 133 Code de la route, der besagt: ‚Il peut seulement être fait usage de l’avertisseur sonore - en dehors des agglomérations, lorsqu’il y a lieu d’avertir un conducteur qu’il va être dépassé‘ – respektiv …‚pour donner des avertissements utiles en vue d’éviter un accident.‘

Als ich zum Überholmanöver ansetzte, zeigte einer der Fahrradfahrer mir den ‚Stinkefinger‘. Ich hielt kurzerhand an, um den Mann zur Rede zu stellen. Dieser lehnte sich an mein Auto und fing an zu schreien. Seine Aggressivität steigerte sich derart, dass er ausholte, um mir mit der Faust ins Gesicht zu schlagen. Als ich daraufhin dem Wagen entsteigen wollte, machte er sich von dannen und schlug vorher noch mit der Faust gegen meinen Seitenspiegel, wobei sich später herausstellte, dass der Seitenspiegel beschädigt war und ich auf meinen Kosten sitzen blieb. Gegen wen sollte ich nun Klage führen? Daraufhin entschloss ich mich zum Kauf einer Dashcam.

Der Gebrauch von Dashcams ist in anderen Ländern legal, wie z. B. in Deutschland. Dort hat der Bundesgerichtshof im Mai 2018 ein Urteil gefällt, dass Dashcams bei Zivilprozessen als Beweis zugelassen werden. Wo man etwas an der Vorderscheibe seines Fahrzeuges anbringen kann, ist ja bereits im Artikel 48 des Code de la Route festgehalten.

Eine Dashcam ist ein sicherer Beweis, um seine Unschuld bei einem Unfall zu untermauern. Dadurch können jahrelange Prozeduren verkürzt werden, viele Unfälle schneller vor Gericht oder bei den Versicherungsgesellschaften geklärt werden. Fotos werden als Beweis anerkannt - wieso Videos nicht? Dass solche Szenen nicht auf Facebook veröffentlicht werden sollen, finde ich normal. Andererseits geschieht dies trotzdem mit Hilfe von Handys. Zudem ist der Gebrauch von Drohnen erlaubt.

Unsere Polizei soll ja früher oder später auch mit Bodycams ausgerüstet werden, was ich persönlich eine gute Sache finde. Sinnvoll wäre es, dann gleichzeitig alle Dienstwagen mit Dashcams auszurüsten. Hätten die Aufzeichnungen einer Dashcam das Ereignis des tragischen Unfalls in Lausdorn oder den Vorfall in Bonneweg nicht schneller zur Wahrheitsfindung beigetragen? Vielleicht müsste man dabei auch an die amerikanische Polizei denken, die bei einer Überprüfung eines Autos dieses von hinten aufsuchen und dabei alles gefilmt wird. Dies gewährt mehr Sicherheit für unsere Polizei bei solchen Kontrollen, da das Fahrzeug und die Insassen von der Dashcam gefilmt werden. Ein Umdenken wäre somit sinnvoll.

Würden eventuell nicht einige Rowdys auf unseren Straßen abgeschreckt werden, wenn sie wissen, dass der Hintermann eventuell eine Dashcam besitzt und das Fehlverhalten aufgenommen werden kann und gegebenenfalls Anzeige gegen den Verkehrssünder geführt werden könnte?“