LUXEMBURG
CONNY REICHLING

Seit 1954 wird der Welt-Lepratag immer am letzten Sonntag im Januar begangen. Urheber dieses Aktionstages ist der französische Journalist und Schriftsteller Raoul Follereau, der sich zeitlebens für die Verbesserung der Lebensbedingungen von Leprakranken eingesetzt hat. Sein Einsatz lebt bis heute fort und wird etwa in Luxemburg von der „Fondation Follereau“ weiter geführt. Die Direktionsbeauftragte Conny Reichling über die Herausforderung Lepra heute. 

„Die ‚Fondation Follereau Luxembourg‘ setzt sich seit ihrem Bestehen unermüdlich für Menschen ein, die aus der Gesellschaft ausgeschlossen werden. Dies passiert oftmals aufgrund von Krankheit, jedoch auch durch verschiedenste andere Gründe, die alle nicht in der Hand der Betroffenen liegen. Diese Menschen befinden sich in aussichtslosen Situationen und sind ohne Unterstützung oftmals ihrem Schicksal hoffnungslos ausgeliefert.

Lepra ist heilbar und das schon seit den 1980er Jahren. Durch eine einfache Antibiotikabehandlung können Betroffene in der Regel vollständig geheilt werden. Somit stellt sich die Frage: Warum gibt es heute immer noch jährlich bis zu 200.000 neue Lepra-Fälle weltweit? Die Herausforderung besteht darin, die Behandlung konsequent durchzuführen. Dies ist aber nur möglich wenn die Patienten auch die nötigen Informationen zur richtigen Einnahme bekommen haben. Ansonsten laufen sie Gefahr, Antibiotikaresistenzen aufzubauen. Die Arbeit der ‚Fondation Follereau‘ und ihrer Partnerorganisationen vor Ort besteht also zu einem großen Teil aus Aufklärungsarbeit und frühzeitige Erkennung der Krankheit, damit der Verlauf nicht dramatisch ausfallen muss. Die Schwere der körperlichen Behinderungen hängt stark vom Zeitraum ab, der zwischen dem Ausbruch der Krankheit und dem Beginn der Behandlung liegt. Die Fortschritte der Medizin sind derzeit sehr vielversprechend, Forscher geben die Hoffnung nicht auf, in naher Zukunft einen wirksamen Impfstoff gegen Lepra zu entwickeln. Dies würde die Arbeit vor Ort sicher um ein vielfaches vereinfachen und die Krankheit auf Dauer auch ausradieren. Solange dieser Impfstoff aber nicht konkret ist, muss weiterhin durch Sensibilisierung und Begleitung der Betroffenen, die Krankheit in Schach gehalten werden.

In mehr als 50 Jahren Entwicklungszusammenarbeit, haben sich unsere Schwerpunkte etwas verlagert: Die Projekte zugunsten jener Menschen, die aus ihrer Gesellschaft ausgeschlossen werden, erweitern sich immer mehr. Die ‚Fondation Follereau Luxembourg‘ kämpft weiter gegen jede Form der Ausgrenzung, mittels Projekte für Kinder in Not aber auch durch Programme zur Verbesserung des Gesundheitswesens in ländlichen Gegenden. Dazu zählt weiterhin der Kampf gegen vernachlässigte Tropenkrankheiten wie Lepra, und auch die verstärkte Unterstützung des Mutter-Kind-Paares und von weiblicher Genitalverstümmelung betroffenen Frauen und Mädchen.

Damit wir unseren Partnern vor Ort und den Begünstigten in den Projekten besser gerecht werden können, haben wir uns auf die Zusammenarbeit mit westafrikanische Länder spezialisiert. Heute unterstützt und begleitet die ‚Fondation Follereau Luxembourg‘ 36 Projekte in neun Ländern mit elf Partnerorganisationen. Diese Art der Zusammenarbeit ermöglicht es uns, Projekte ins Leben zu rufen die zur aktiven Involvierung an Aktivitäten und Autonomie der lokalen Bevölkerung beitragen. Die ‚Fondation‘ schätzt und ermutigt die Beteiligung der Menschen und Instanzen vor Ort, um das Weiterbestehen der Aktivitäten auch über den Einsatz der ‚Fondation Follereau‘ hinaus zu erhalten.“