LUXEMBURG
PAUL HEBER

Für den Report „Worlds of Influence: Understanding what shapes child well-being in rich countries”, der dieser Tage vorgestellt worden ist, wurden vergleichbare nationale Daten aus 41 Ländern der OECD und der EU zur psychischen und physischen Gesundheit von Kindern sowie zu ihren schulischen und sozialen Kompetenzen und den damit verbundenen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen ausgewertet. Erstellt wurde der Bericht vom Unicef-Forschungszentrum Innocenti in Florenz.

„In der Gesamtbewertung am besten wurde in der Studie das Wohlbefinden von Kindern in den Niederlanden, Dänemark, Norwegen, der Schweiz und Finnland eingestuft. Luxemburg landete mit dem 13. Platz im oberen Mittelfeld. Am schlechtesten schnitten Chile, Bulgarien und die Vereinigten Staaten ab. Wohlstand bedeutet nicht automatisch, dass alle Kinder sich gut entwickeln können.

So lebten hierzulande  im Jahr 2018 fast ein Viertel der Kinder in Armut (22,7 Prozent), was über dem Durchschnitt der untersuchten Länder (20 Prozent) liegt. Die Sterblichkeitsrate bei den Fünf- bis 14-Jährigen ist im Großherzogtum jedoch die niedrigste, derweil aber jedes vierte Kind in Luxemburg zwischen fünf und 19 Jahren zu dick (26 Prozent) oder zu dünn (17 Prozent) ist. Auch ist die Selbstmordrate unter den 15- bis 19-Jährigen in Luxemburg mit sechs pro 100.000 Einwohner hoch.  
Der Bericht zeigt aber auch erkennbare Fortschritte für Kinder. Im Durchschnitt besuchen 95 Prozent aller Kinder im Vorschulalter organisierte Förderangebote. Die Zahl der jungen Menschen, die weder zur Schule gehen, noch eine Ausbildung machen oder an einem Trainingsprogramm teilnehmen, ist in 30 von 37 Ländern gesunken. Diese wichtigen Fortschritte sieht Unicef allerdings durch Covid-19 in Gefahr.

Wenn die Folgen der Pandemie immer stärker auf Wirtschaft, Bildung und Zusammenleben durchschlagen, werden diese ohne konzertierte Gegenmaßnahmen verheerende Auswirkungen für das Wohlergehen der heutigen Kinder, ihrer Familien und der Gesellschaften, in denen sie leben, haben, sagte hierzu Gunilla Olsson, Direktorin des Unicef-Forschungszentrums Innocenti. Aber diese Risiken müssen nicht Realität werden, wenn Regierungen entschlossen aktiv werden, um das Wohlergehen der Kinder zu schützen.

Auf Grundlage des Reports und der aktuellen Entwicklungen ruft Unicef zu folgenden Maßnahmen auf: Einkommensungleichheit und Kinderarmut müssen entschlossen bekämpft werden, damit alle Kinder Zugang zu den Ressourcen haben, die sie brauchen. Die unzureichende Versorgung mit Hilfsangeboten im Bereich mentaler Gesundheit muss schnellstens überwunden werden. Familienfreundliche Politik zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf muss ausgeweitet werden; insbesondere der Zugang zu hochwertigen, flexiblen und bezahlbaren Betreuungsangeboten für Kinder in den ersten Lebensjahren. Der Schutz von Kindern vor vermeidbaren Krankheiten muss gestärkt werden, der Trend zu sinkenden Masernimpfungsraten muss umgekehrt werden. Die Covid-19-Maßnahmen für Familien und Kinder müssen verbessert werden. Budgets, die das Wohlergehen von Kindern unterstützen, müssen vor Sparmaßnahmen geschützt werden.“