LUXEMBURG
SVEN WOHL

Enid Blyton hat ihre Spuren auch in der luxemburgischen Literaturwelt hinterlassen

Enid Blyton ist bei Kindern und Jugendlichen beliebt. Doch bei manchen bleibt es nicht bei der jugendlichen Faszination für ihr Werk: Einige werden später Schriftsteller und lassen den Einfluss der Geschichten Blytons in ihren Werken durchschimmern. Der luxemburgische Schriftsteller Jhemp Hoscheit hat uns in einem Interview verraten, wie stark Enid Blyton ihn literarisch geprägt hat.

Foto: Editpress - Lëtzebuerger Journal
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Wie sah Ihr erster Kontakt mit dem Werk Enid Blytons aus?

Jhemp Hoscheit Mein Vater besaß einen Laden mit religiösen Artikeln, Schreibmaterial und Büchern. „Librairie, papeterie et articles religieux” nannte sich das Geschäft. In der Mitte dieses Ladens hatte mein Vater ein zu vier Seiten offenes, drehbares Bücherregal aufgestellt. Dabei stand ein Stuhl, wo sich die Leute hinsetzen konnten, um miteinander zu plaudern. Aber eigentlich war es mein Stuhl: Ich habe mich stundenlang aus diesem Bücheregal bedient und die Werke Enid Blytons gelesen. Das Bücherregal war gefüllt mit allen möglichen Büchern der Schriftstellerin. Ich musste sie im Laden lesen, denn ich durfte sie nicht beschmutzen oder mitnehmen – mein Vater wollte sie ja schließlich verkaufen. Das war meine kleine private Bibliothek im Laden. Durch Blyton entdeckte ich meine kleine Abenteuerwelt.

Hatte das Einfluss auf Ihr Werk?

Hoscheit Wir haben das bereits als Kinder nachgespielt. Wir wollten selbst als Clique solche Abenteuer erleben. Da hofften wir darauf, auch einmal einen Schatz zu finden. Wir haben auch immer etwas gefunden, das Schema war ja relativ einfach: Man entdeckt eine Spur und geht dieser nach. Das war schon ziemlich spannend! So sind wir in eine eigene Welt eingetaucht und haben in unserem Viertel so gespielt. In „Perl oder Pica“, meinem ersten autobiographischem Roman, habe ich dies auch verarbeitet und die Idee mit den Jungen, die etwas erleben wollen, aufgegriffen.

Kann Enid Blytons Werk auch heute noch Jugendliche ansprechen?

Hoscheit Ich denke schon, aber mit Sicherheit kann ich es nicht sagen. Es ist ja ziemlich einfach gestrickt und dennoch vielseitig. Es sind eben echte Freundschaftsgeschichten über Cliquen, die zusammenhalten. Aber so richtige Viertel- oder Straßen-Cliquen gibt es ja heute leider nicht mehr. Bei uns war das fester Bestandteil des Lebens und das hat auch unsere Fantasie angeregt. Viele Kinder erleben heute Abenteuer am Schirm, was oberflächlich ist. Da passiert nicht mehr viel im Kopf. Die eigene Imagination geht da ein Stück weit verloren.