LUXEMBURG
CHRISTIAN BLOCK

Die in diesen Tagen beginnende „grouss Vakanz“ werden sich Schüler, Lehrer und Eltern in diesem Jahr vermutlich besonders herbeigesehnt haben. Zum Lernstress der letzten Wochen kamen die gesamten organisatorischen Umstellungen hinzu. Erst musste der Tanker Bildungssystem binnen Tagen auf Fernunterricht umschwenken, dann Gemeinden, Lehrer und Ministerien die Köpfe zusammenstecken, um die sanitären Maßnahmen in den Schulen und die Aufteilung der Klassen mitsamt Betreuung auf die Beine zu stellen. Inzwischen weiß man auch, dass dieses außergewöhnliche Schuljahr dennoch mehr oder weniger regulär abgeschlossen werden konnte, was zu einem bestimmten Zeitpunkt im Lockdown noch ungewiss war. Gleichzeitig sorgten die steigenden Infektionszahlen, deren Entwicklung sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht vollends abschätzen lässt, vor dem Hintergrund der Ankündigung von Bildungsminister Claude Meisch, die Klassen zum Ende des Schuljahres wieder zusammenzuführen, für Unverständnis und Bedenken. Vielleicht wird man deshalb jetzt auch in der Rue Aldringen ein wenig aufatmen. Denn würde das Schuljahr noch länger dauern und das Infektionsgeschehen tatsächlich außer Kontrolle geraten, wäre das Festhalten am derzeitigen modus operandi kaum noch zu rechtfertigen. Tatsächlich haben sich in den vergangenen Wochen nicht nur größere Kommunikationsdefizite offenbart – ein charakteristisches Merkmal des allgemeinen Covid-19-Krisenmanagements in letzter Zeit -, sondern auch etliche Fragen  gestellt. Warum wird nicht zwischen Kindern und Jugendlichen unterschieden, wenn man davon ausgehen muss, dass Jugendliche das Coronavirus genauso übertragen können wie Erwachsene? Damit zusammenhängend: Warum wurde insbesondere im „Secondaire“ nicht an einer Trennung festgehalten oder wurde zumindest eine Maskenpflicht verhängt, wenn durch Klassen bis zu 30 Schülern eine Abstandswahrung nicht mehr möglich ist, wo man stundenlang zusammensitzt. Das Argument, es handele sich um beständige Gruppen, also dass sich die Zusammensetzung der Klassen nicht verändert, taugt jedenfalls nur bedingt. Auch wenn man annehmen kann, dass Schüler und Lehrer Infektionen eher in die Schule bringen als sich dort anzustecken, weil die Organisation des Schulbetriebs – Aufteilung der Flure, versetzte Pausen usw. – das Ansteckungsrisiko mindert, so nimmt man ja dennoch in Kauf, der Verbreitung des Virus binnen der – allerdings auch nur während den Schulstunden - „geschlossenen“ Gruppe einen fruchtbaren Boden zu bieten. Das ist vermeidbar – trotz „Wir müssen lernen, mit dem Virus zu leben“-Parolen.
Diese und andere Fragen bleiben indes aktuell. Das hat nicht zuletzt auch die jüngste Anhörung der unter dem Eindruck des Höhepunkts der ersten Covid-19-Welle eingereichten Petition gezeigt, die ursprünglich forderte, Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen erst wieder im Herbst zu öffnen. Denn  wie „normal“ die „Rentrée“ im September  aussehen wird, kann  heute niemand mit Gewissheit sagen. Die luxemburgische Forschung hat zwar den Auftrag, bis Mitte August auszuwerten, wie „sicher“ die Schulen in diesem Sinne sind. Nur ist es doch sehr unwahrscheinlich, den genauen Infektionsursprung ermitteln zu können. So oder so, das scheint wahrscheinlicher, muss sich das Bildungswesen bis zum Herbst auf alle Szenarien einstellen - und die richtigen Schlüsse aus diesem speziellen Schuljahr ziehen.