LUXEMBURG
JEFF KARIER

„youth4planet“ macht Jugendliche zu Filmemachern und zu Kämpfern für die Umwelt

Themen wie Klimawandel, die Verschmutzung der Meere oder auch die Zerstörung einzigartiger Lebensräume betreffen alle Menschen, im Besonderen aber junge Menschen. Zum einen, da sie die Konsequenzen unseres heutigen Handels am stärksten spüren werden. Zum anderen, da sie es sind, die viel bewegen können. Hierzu hat der Filmemacher Jörg Altekruse das Projekt „youth4planet“ ins Leben gerufen. Bei diesem können Kinder und Jugendliche Videos zu Umweltthemen, die beschäftigen, produzieren, und so auf diese aufmerksam machen. „Die Idee ist es, hierdurch Bottom-up, also von unten nach oben, eine Bewegung zu inszenieren. Dass junge Leute mit den Fähigkeiten ausgerüstet werden, eine Position zu finden, ihre Stimme zu erheben und Sorgen Ausdruck zu verleihen.“

Stimmen der jungen Generation

Altekruse beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Umweltthemen und produzierte unter anderem die Serie „The Tipping Points“, in der es etwa um den Anstieg des Meeresspiegels oder auch die Dürren und Fluten in Afrika geht. „Auf diese Produktion haben wir nur sehr, sehr wenige Reaktionen bekommen.“ Altekruse kam zu dem Schluss, dass das Konzept auf Probleme hinzuweisen, ohne aber Lösungen anzubieten, sich für ihn erledigt hat. Daraus entstand 2015 im Vorfeld der Klimakonferenz die Idee, „die Stimmen der jungen Generation einzusammeln“, um Druck auf die Verantwortlichen auszuüben. Es sollte zum Umdenken bewegen, damit den jungen Menschen geholfen wird, die aktuellen und zukünftigen Herausforderungen beim Thema Umwelt anzugehen. „Dieser Gedanke hat mich nicht mehr losgelassen.“

Der Filmemacher hat für dieses Vorhaben einige Sponsoren und Unterstützer gewinnen können und ist mit zwei Jugendlichen aus Indonesien, zwei aus Australien und einem aus Europa nach Grönland geflogen, „um aus erster Hand zu erfahren, was dort eigentlich passiert und später aus ihrer Perspektive von dort zu berichten.“ Daraus sind mehrere Videos entstanden, von denen eins auch in Paris auf der Klimakonferenz sowie in Indonesien auf Konferenzen und im Fernsehen gezeigt wurde. „In diesem haben die Jugendlichen klar Stellung bezogen und meinen, dass sie wollen, dass sich was ändert und sie für diesen Wandel bereit sind.“

Etwas bewegen

Aus dieser Aktion ging dann das Projekt „youth4planet“ sowie ein Unterrichtskonzept hervor, das 2016 an mehreren Schulen in Hamburg angewendet wurde. „Mit ihrem Smartphone sollten die Jugendlichen kleine Filme machen, die andere weiterbringen und sich so etwas bewegt.“ Das Unterrichtskonzept kam sehr gut an, und es entstand eine Vielzahl an Filmen. Einige wurden sogar im deutschen Fernsehen gezeigt. „Diese Aktion trägt bis heute Früchte, denn einige der Jugendlichen geben heute selber Workshops, um zu zeigen, wie Gleichaltrige dasselbe tun können und ihren Gedanken Ausdruck verleihen.“

Durch die Zusammenarbeit mit dem luxemburgischen Filmproduzenten Paul Thiltges entstand die Idee, „youth4planet“ auch an luxemburgische Schulen zu bringen. Der ausschlaggebende Impuls ging vom Umweltministerium aus, wo Altekruse und Thiltges sich mit Umweltministerin Carole Dieschbourg und dem kürzlich verstorbenen Staatssekretär Camille Gira über das Potenzial von „youth4planet“ austauschten. „Geschichten mit digitalen Methoden erzählen, ist ein solch starker Akt, dass man mit dem Gelernten sich und andere bewegen kann“, erklärt Altekruse. Anfang des Jahres begann der Filmemacher somit auch in luxemburgischen Lyzeen Workshops zu geben.

„Am Lycée Aline Mayrisch beschäftigte sich eine Gruppe mit der Menge des Essens, das in der Mensa ausgegeben wird, mit dem Ziel diese so zu verringern, dass möglichst wenig weggeworfen wird.“ Die Schüler haben recherchiert, wer über die Mengen entscheidet, an welchen Stellschrauben man drehen kann und wie man so etwas wie ein Wunschsystem etablieren könnte. Jetzt, nachdem ihr Film fertig ist, wollen die Jugendlichen diese Idee weiter verfolgen. Das Projekt war also eine Initialzündung für sie, aber auch für andere. Andere Videos stecken voller Humor oder beeindrucken mit gelungenen Bildern. Kein Film ist wie der andere.

Eine weitere Gruppe am Schengen-Lyzeum hat sich mit dem Thema Plastikmüll beschäftigt und einen Rap-Song samt Video produziert. „Andere Jugendliche hatten die Idee für eine Kunstaktion. Sie sammelten Plastikmüll, beklebten Tische mit diesem und stellten das Resultat in der Schule aus. Das hielten sie dann mit ihrem Smartphone fest und machten einen Film darüber.“ Daraus ist die Idee entstanden, auch in anderen Schulen solche Plastikmülltische zu machen und auszustellen.

Einer der Schüler, den Altekruse in einem der Workshops begleitete, meinte anschließend: „Was mir am besten gefallen hat, ist, dass ihr uns mitgenommen habt und gesagt habt, ‚ihr seid verantwortlich, ihr könnt was tun.‘ Ich fühle mich total ernst genommen und bin jetzt richtig motiviert, selber auch aktiv zu werden.“ Alle Filme präsentierten Altekruse und Thiltges mit einigen der kleinen Filmemacher Anfang dieser Woche im Scouts Home der FNEL im Stadtteil Cents. Denn neben Lyzeums-Schüler haben auch einige kleine Pfadfinder Videos im Rahmen von „youth4planet“ gedreht. Auch Dieschbourg nahm an der Präsentation teil und zeigte sich beeindruckt von der Vielfalt und der Umsetzung der mehr als 20 Videos. „Die Rolle von uns Älteren ist es, den Rahmen zu bauen, damit die Ideen der Jugendlichen leuchten können“, betont der Filmemacher.

Ideen teilen und weitertragen

Es sind aber noch andere Projekte und Aktionen geplant. So hat Altekruse die Ausschreibung „Storys for Change“ gestartet. „Die Teilnehmenden sollen kurze Videos machen, in denen sie erklären, zu was sie bereit sind für die Umwelt in ihrem Leben zu verändern, oder bereits verändert haben.“ Diese Videos werden im Rahmen der Klimawoche in Hamburg Ende September gezeigt. Zu dieser Veranstaltung sollen dann auch einige der luxemburgischen Jugendlichen reisen.

Außerdem möchte Altekruse die in Hamburg und Luxemburg entstanden Videos, sowie die „Storys for Change“ im Rahmen des G20-Gipfels in Argentinien, zu dem er eingeladen wurde, zeigen. Und auch nach Österreich gibt es bereits Kontakt, um auch dort Workshops zu veranstalten. Alle produzierten Videos sollen in Zukunft auf www.youth4planet.com abrufbar sein. „Nichts soll verloren gehen, sondern alle Filme allen zur Verfügung stehen, um Ideen zu teilen und weiterzutragen.“


www.youth4planet.com