LUXEMBURG
SVEN WOHL

„Bojack Horseman“ ist eine der kultigsten Animationsserien der vergangenen Jahre

Im Januar sind die letzten Folgen der Animationsserie „Bojack Horseman“ auf Netflix angelaufen. Ganze sechs Staffeln wurden produziert, wobei bei der ersten noch Skepsis überwog. Doch in den Jahren darauf folgten erste Preise, wie drei Annie Awards und zwei Awards der „Writers Guild of America“ sowie zwei Nominierungen bei den Emmys. Die Serie, die sich rund um den heruntergekommen Star einer Sitcom aus den 90ern dreht, ist mitunter eine der am meisten gelobten Produktionen des Streaming-Giganten. Während die Animationsserie sich eher an ein erwachsenes Publikum richtet, sind es vor allem junge Erwachsene, die an ihr Gefallen fanden. Wir sprachen mit einem Fan, um herauszufinden, weshalb dies der Fall ist.

Einritt nötig

Sven B. bezeichnet sich selbst als einen großen Fan von Animationsserien. Bereits als Teenager hätte er viel Zeit mit „Family Guy“ und natürlich den Simpsons verbracht. Auf Netflix schaut er sich regelmäßig die Animationsserien für ältere Jugendliche und Erwachsene an. Dazu gehören sowohl „Big Mouth“, „Paradise PD“ und „Disenchanted“. „Ich war jedes Mal begeistert“, gesteht er. Doch wieso sprach ihn Bojack Horseman gleich an? Er führt an, dass hier eine düstere Satire auf das Showgeschäft in Hollywood aufgebaut wird. „Der tragisch versoffene Held, der im inneren ein guter Kerl ist und vor allem auch, dass Tiere in der Serie vermenschlicht werden, hat mich fasziniert“, erklärt er weiter und meint, man müsse der Serie ein wenig Zeit lassen, bis man mit ihr warm wird. Tatsächlich war es die erste Staffel, welche bei den Kritikern und beim Publikum am meisten Minuspunkte kassierte. Beim Portal „Rotten Tomatoes“ schwebt sie bei 67 Prozent positiver Bewertungen. Sämtliche anderen Staffeln fallen nicht unter 90 Prozent.

Dass der Hauptfigur soviel Zeit gespendet wird, sorgt dafür, dass sie an Tiefe gewinnt, auch wenn sie anfangs abstoßend ist. „Denn er ist einerseits ein unglaublicher Mistkerl, auf der anderen Seite besitzt er ein verletzliches Inneres. Seine Kindheit war nicht einfach und er hat unglaubliche Probleme, seine Gefühle zu äußern uns Menschen an sich heranzulassen. Am Ende denkt man ,Uff, er hat es geschafft‘ und dann geht alles furchtbar schief“, so Sven B. Trotz allem gäbe es immer wieder Lichtblicke.

Perfektes Casting

Obwohl die Serie im Großen und Ganzen von hervorragender Qualität ist, gibt es einige Folgen, die besonders hervorstechen. Sven B. Nennt da unter anderem eine Episode, die in einer Unterwasserstadt spielt, welche von Fischen bewohnt ist. Eine andere zeigt Bojack mit in einem psychedelischen Rausch, inmitten dessen weder er noch der Zuschauer Rausch von Realität unterscheiden kann. Dabei unterstützt der etwa surreale Zeichenstil die Handlung gekonnt. Ebenfalls bemerkenswert sind die Synchronsprecher. Im englischen Original wird Bojack von Will Arnett vertont, der eine wunderbare Reichweite vom Zyniker, hin zum Depressiven und hochgepushten Star besitzt. Amy Sedaris passt zu Princess Carolyn wie die Faust aufs Auge während Aaron Paul aus „Breaking Bad“ Todd gekonnt Leben einhaucht. Das Casting ist also generell rund, was dem Timing der Witze hilft. Wer also eine Lücke in seiner Watchlist hat und sich auch an Animationen heranwagt, ist hier an der richtigen Adresse.