LUXEMBURG
SVEN WOHL

Serien-Kritik: BoJack Horseman

Die Erwartungen an satirische Animationsserien sind hoch. Schuld daran sind nicht nur die Simpsons, sondern auch South Park und Futurama. Denn sie haben eine starke eigene Identität und einen starken, charakteristischen Witz, der in der Fernsehlandschaft einzigartig ist. Sich in diesem Feld zu etablieren ist schwer, doch Netflix hat diese Herausforderung angenommen und versucht, mit „BoJack Horseman“ seine eigene Nische zu erobern.

Unüblicher Star

BoJack ist ein Pferd, aber das hält ihn nicht davon ab, der Star einer 90er Sitcom zu sein. Diese ist nach de klassischen Muster von „Alle unter einem Dach“ gestrickt: So lebt er dort zusammen mit drei Adoptiv-Kindern in einem gemeinsamen Haus. Von dem einstigen Star ist Anno 2014 nur noch wenig übrig - Drogen- und Partyexzesse haben BoJack in ein Wrack verwandelt. Die rettende Idee: Eine Autobiographie schreiben und damit die Karriere wieder neu starten. Da es ihm an schriftstellerischem Talent mangelt, wird flugs eine Ghostwriterin, Diane Nguyen, angeheuert, die BoJack interviewen soll. Damit erhält sie einen einzigartigen Einblick in das Leben eines ehemaligen TV-Stars.

Der Plot richtet sich ziemlich klar an all jene, die mit Sitcoms der späten 80er und frühen 90er aufgewachsen sind, also gefühlte 90% der Netflix-Abonnenten. Das Kalkül, gleichzeitig eine Persiflage auf die Popkultur der 90er und die aktuell herrschende Popkultur zu schaffen, geht zumindest teilweise auf. Auch wenn, vor allem zu Beginn, einige Witze reichlich flach wirken, kann man mit den Figuren nach ein, zwei Folgen sympathisieren. Das liegt vor allem an den Sprechern, die aus dem gelegentlich nur mittelmäßigen Skript das Beste herausholen. Will Arnet („Arrested Development“) als BoJack und Alison Brie („Community“) als Diane Nguyen hauchen ihren Figuren überzeugend Leben ein.

Gefahren erkannt

Nach einigen Episoden nimmt der eigentliche Plot an Fahrt auf. Davon profitieren auch die Witze, die sich glücklicherweise nicht auf Referenzhumor oder pure Schockeffekte konzentrieren, sondern auf die Chemie der Figuren setzen. Da im Universum von BoJack Mensch und Tier koexistieren, ergeben sich natürlich auch einige gut getimte Einlagen und Ideen - wie etwa die Tatsache, dass der Pinguin-Verlag tatsächlich von verängstigten Pinguinen geführt wird. Bemerkenswert ist, dass die Serie den Spagat zwischen Komik und Ernst schafft und damit die eigentliche Kritik an der Popkultur erst richtig an Schärfe gewinnt.

„BoJack Horseman“ schafft es in der ersten Staffel eine eigene Identität aufzubauen und zeigt in einigen Folgen enormes Potenzial. Den Vergleich mit Simpsons, South Park und Co. hält die Serie jedoch noch nicht stand, dafür sind einige Folgen einfach zu schwach. Falls die Serie in nachfolgenden Staffeln die Qualität noch steigert, könnte sie sich durchaus etablieren. Somit ist die Serie zwar bereits jetzt empfehlenswert, doch für sich allein genommen noch kein Grund, sich ein Netflix-Abo zu holen. Eine zweite Staffel wurde bereits angekündigt.