LUXEMBURG
DANIEL OLY

Früher war (nicht) alles besser: „Super Nintendo Classic“ im Test

Nintendo bringt die Hochkultur der Videospieljahre zurück! Nach dem „Nintendo Entertainment System Classic“ (NES Classic) erschien zuletzt der „Super NES Classic“, der wie beim Vorgänger die beliebten Retrospiele auf den aktuellen Schirm bringen soll.

Die Idee ist denkbar simpel: Im kleinen Plastikgehäuse verbirgt sich ein Mini-Platinencomputer, der mit einem eigenen Betriebssystem ausgestattet und mit einer Vielzahl beliebter Retro-Nintendo-Spiele versehen ist. Die können dann mit den beiliegenden Original-Controllern gezockt werden - da kommt echter Retro-Spaß auf. Leider ist die Auswahl an Spielen begrenzt, und Nachrüsten geht nicht. Aber dafür sind immerhin 21 absolute Klassiker dabei.

Technisch besser

Natürlich bietet das System auch das ein oder andere Feature, das beim Original vermisst wurde; die Möglichkeit, überall und jederzeit zu speichern, zum Beispiel. Was Puristen stört, weil es schwierige Passagen viel leichter macht, dürfte vor allem Gelegenheitszockern gefallen. Für das richtige Retro-Feeling gibt es zudem die Möglichkeit, das per HDMI-Anschluss ausgegebene digitale Bild künstlich zu „altern“ und mit einem Röhrenbildschirm-Filter zu versehen. Dann wirkt es direkt älter - cool.

Auch älter wirken indes die Spiele. Wenig überraschend, sind sie doch allesamt 20 Jahre alt, oder älter. Das kann man ihnen in der Regel verzeihen, und in manchen Fällen sehen die detailverliebten 2D-Grafiken sogar immer noch niedlicher und besser aus.

Aus Fehlern gelernt

Nintendo hat indes nicht dieselben Fehler gemacht, die den Konzern noch bei der Veröffentlichung des „NES Classic“ plagten: Der fehlende zweite Controller liegt diesmal direkt bei, während er bei dem „NES Classic“ noch separat gekauft werden musste (und entsprechend sofort vergriffen war). Auch die Stückzahlen wurden diesmal höher angesetzt, um dem regelrechten Ansturm an Kunden gerecht zu werden. Zur Erinnerung: Vom Vorgänger wurden in knapp fünf Monaten fast 2,4 Millionen Einheiten verkauft. Nintendo hat bereits angekündigt, die beiden Konsolen noch das ganze laufende Jahr über zu produzieren - was findige Händler nicht davon abgehalten hat, auf Tauschbörsen wahre Mondpreise für die vergriffenen Modelle zu verlangen.

Unterm Strich bleibt: Die „Classics“ von Nintendo sind nicht nur für Retro-Fans einen Blick wert. Ein klassischer Fall von „Triff niemals deine Helden“? Im Gegenteil. Interessierte sollten aber wirklich warten, bis die Geräte wieder im Handel verfügbar sind.