MERSCH
CORDELIA CHATON

Das „Wood Cluster“ von Luxinnovation lud zu seinem ersten Forum nach Mersch

Was lässt sich aus Laubholz fertigen? Wie können Profis und Verbraucher eine Verwendung heimischer Hölzer sicher stellen? Welche Innovationen gibt es in Luxemburg? Es waren nur einige der Fragen, auf die die Redner des „Wood Cluster Forums“ antworteten. Das Forum wurde erstmals von der Innovationsagentur Luxinnovation in Mersch veranstaltet. Das dortige Kulturzentrum bietet sich mit seinem holzverkleideten Saal dafür an. Auch der Termin für diesen ersten großen Auftritt des erst 2016 gegründeten Clusters war gezielt gewählt, denn der 21. März ist der Internationale Tag des Waldes. Das Interesse war groß; rund 140 Gäste hatten sich angemeldet, viele kamen noch in Arbeitskleidung zum Forum. Mit Camille Gira, Staatssekretär für nachhaltige Entwicklung und Infrastruktur, war auch die Politik vertreten. Cluster-Präsident René Witry, der als Architekt über 30 Jahre mit dem Baustoff Holz hat, warb für zukünftige Mitglieder (siehe Kasten).

Fachkundige Redner

Das vierstündige Nachmittagsprogramm umfasste sowohl Fachbeiträge als auch ein Pitching von drei Luxemburger Vertretern. Hier einige Auszüge.

Stefan Torno vom Cluster Forst und Holz in Bayern, das immerhin schon seit elf Jahren besteht, machte klar, dass es in seiner Heimat einen Trend weg vom Nadelholz hin zum Laubholz gibt, obwohl der Nadelwald derzeit mit 64 Prozent noch überwiegt. Die Verlierer sind Fichte und Kiefer. Das Cluster hofft auf eine nachhaltige Verwertung, denn bislang werden 65 Prozent des Holzes energetisch verwendet. Doch verbrennen bringt keine Wertschöpfung. Deshalb setzt das Cluster in Bayern verstärkt auf Holz im Bau. Dafür fehlen aber noch technische Werte.

Die deutsche Initiative „Holz von hier“ will sich als Umweltzeichen nicht nur in Deutschland, sondern auch international durchsetzen. Mitgründer Philipp Strohmeier betont, dass es besonders auf kleine und mittlere Unternehmen ausgerichtet ist. Anders als bei anderen Labeln kommt niemand in den Betrieb und auch die Produktion wird nicht umgestellt. Aber es liefert einen Vorteil im Bau. Zertifiziert werden nicht Betriebe, sondern Produkte. „Die Zahl der Kunden, die nachhaltige Produkte wollen, stieg in Deutschland stark an“, unterstrich Strohmeier den Trend.

Holz ist europaweit gefragt

Das französische technologische Forschungszentrum „Forêt Cellulose Bois-construction Ameublement“ (FCBA) ist in Europa gemeinsam mit dem 2003 gegründeten europaweiten Netzwerk Innovawood aktiv. FCBA-Direktor Andreas Kleinschmit von Lengefeld machte klar, dass es viele Akteure gib. Von Privatbesitzern über kleine Betriebe bis zu Konzernen. 117 Millionen Hektar gibt es in Europa, die rund 42 Prozent der Fläche bedecken. „Wir sehen immer stärker eine Anpassung des Forstmanagements an den Klimawandel, so nimmt der Anteil des Laubwaldes zu“, stellt er fest. Gleichzeitig arbeitet FCBA an neuen Produkten. Entscheidend seien die Sägebetriebe - doch die sind entweder auf Lauf- oder auf Nadelholz spezialisiert. „Es ist revolutionär, dass wir in den nächsten Jahren eine Verdreifachung der Nachfrage haben“, insistierte Kleinschmit von Lengefeld. Er erinnerte daran, dass Holz jahrhundertelang Bauten wie Schlösser möglich gemacht hat. Dorthin will er wieder zurück. Aber nicht nur im Bau, auch bei Textilien spielt Holz eine immer größere Rolle, weil Baumwolle knapp wird. Beispielsweise hat da österreichische Unternehmen Leinzing in sieben Jahren Arbeit den Stoff „Tencel“ entwickelt, der aus Zellulose in einem geschlossenen Kreislauf entsteht.

Mehr Verpackungen aus Holz gefragt

Verpackungen nutzen ebenfalls vermehrt Holz, um Plastik zu ersetzen. Das gleiche gilt für Hygieneprodukte. FCBA hat eine Datenbank mit über 200 Ideen in16 Bereichen zusammengestellt, die festhalten, was möglich ist. Die FCBA arbeitet eng mit Innovawood zusammen. Innovawood sitzt in Brüssel, betreibt Lobbying für die Holzwirtschaft, kümmert sich um Ausschreibungen, baut eine Mitgliederdatenbank und eine E-Learningplattform auf. Es ist in europäischen Projekten involviert und vernetzt die Mitglieder.

Beim anschließenden Pitching machte Alois Annen, CEO von Annen plus und Gewinner des Innovationspreises der Handwerkskammer klar, dass Buche sich nicht nur als Brennholz eignet, sondern sich digital zerlegen und verplanen lässt. Seine Konkurrent Laurent Nilles von der SGI Gruppe zeigte, wie Holz bei einem Verwaltungsgebäude verbaut wurde und Pit Kuffer von Witry & Witry gab einen Überblick über die Lebenszyklen von Gebäuden. Staatssekretär Camille Gira sprach dann die Schlussworte.
Das 2016 gegründete „Wood Cluster“ nimmt kostenfrei Mitglieder branchenübergreifend auf. Diese arbeiten beispielsweise in den drei Arbeitsgruppen Produktion, Bau und Transformation zusammen, die bislang über 60 Teilnehmer umfassen. Darüber hinaus profitieren sie von günstigen Bedingungen, beispielsweise beim Besuch der Fachmesse „Forum Bois Construction“ in Dijon, zu der rund 6.300 Fachleute kommen. Auch mit Fragen der Versorgungssicherheit oder dem Umgang mit Holz aus Abbruchhäusern befassen sich die Clustermitglieder. Zwei große Projekte des Wood Clusters sind zum einen eine Datenbank, zum andern ein „Holzhaff“, also ein nationales Lager für wertvolle Laubhölzer. Hier könnten Luxemburger dann auch ihren abgesägten Birnenbaum hinbringen, statt ihn zu verbrennen. cc

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