LUXEMBURG
CHRISTIAN BLOCK

Nachfrage von Privatkunden nach elektronischer Schließtechnik steigt, sagt Experte Ronny Beweng

Elektronik ist heute allgegenwärtig - auch in Türschlössern. „Seit etwa zehn bis zwölf Jahren ist die elektronische Schließtechnik auf dem Vormarsch“, sagt Ronny Beweng, Geschäftsführer von „Montage & Beschlagtechnik Beweng“ in der Hauptstadt. Angesichts der fallenden Preise steige die Nachfrage von Privatkunden nach einer elektronischen Lösung, mit der per Badge oder Smartphone die Haustür entriegelt werden kann. Eine Entwicklung, die für die ganze Branche Anpassungen bedeutete. „Wir kommen aus der mechanischen Schließtechnik“, sagt Beweng mit Blick auf die 25-jährige Geschichte des Unternehmens. Angesichts des Einzugs von Informatik und Elektronik und einem Mehraufwand an Wartung „musste die Struktur des Betriebes angepasst werden.“

Rein mechanische Lösungen gehören damit aber noch längst nicht zum alten Eisen. Es gebe immer noch Kunden, die auf solche Lösungen schwören. Zu den besten Produkten in dieser Klasse zählen Zylinder mit beweglichen Teilen, die beispielsweise mit Magneten ausgestattet sind. In Zeiten von 3D-Druckern sollen solche Produkte ein Höchstmaß an Sicherheit bieten. Ronny Beweng ist allerdings der Meinung, dass elektronische Schließtechnik „nicht weniger sicher ist als mechanische Zylinder“ - vorausgesetzt, man setze auf Qualität. Allerdings gibt es ausstattungsbedingt noch einen deutlichen Preisunterschied. Ein hochwertiger mechanischer Zylinder könne mit 200 bis 250 Euro zu Buche schlagen. Für eine gleichwertige elektronische Lösung aber mit mehr Features müsse man bis zu 500 Euro investieren.

Angesprochen auf regelmäßig wiederkehrende Berichte über Abzocke von Schlüsseldiensten sagt Beweng, eine normale Türöffnung - wenn also eine Tür lediglich zugefallen ist - „darf keine 500 Euro kosten“. Je nach Anfahrtskosten nennt er für einen solchen Eingriff, bei dem nichts beschädigt und ersetzt werden muss, eine Preisspanne von 100 bis 150 Euro und bis zu 200 Euro an Wochenenden oder nachts.

www.beweng.lu

Riegel werden immer öfter digital gesteuert

Schlüssellose Zukunft

Jeder hat mindestens einen Schlüssel - in der Regel aber ein schweres Schlüsselbund mit vielen davon in der Tasche. Mit Türschlüssel für zuhause, Schlüssel fürs Büro, für den Aktenschrank, das Fahrradschloss, den Tresor oder den Briefkasten. Seit einiger Zeit baumeln am Schlüsselbund auch Funkschlüssel, die bei Autos immer mehr zum Standard werden. Immer mehr zur Norm werden auch Schließmechanismen, die lediglich durch Fingerabdruck oder Gesichtserkennung entriegelt werden können. Vielleicht kommt schon bald die Zeit, da es überall Schließgeräte gibt, die unseren Gencode detektieren und den schweren Schlüsselbund in der Tasche überflüssig machen. So rasant, wie sich die Technologie entwickelt, könnte das in naher Zukunft schon keine „Science Fiction“ mehr sein. Die Idee, etwas einzuschließen ist wahrscheinlich nur leicht jünger als die Auffassung von Eigentum. Zunächst versteckte man es, mit dem Risiko, dass es aber jemand finden würde. Der Willen, dieses Risiko zu minimieren, ließ den Menschen ständig nach anderen Lösungen suchen. Als vor einigen Jahrtausenden Menschen sesshaft wurden und immer enger zusammenlebten, beschleunigte sich diese Suche sicher. Erste archäologische Fundstücke von Schlössern und Schlüsseln datieren mehr als 4.000 Jahre vor unserer Zeitrechnung. In Ägypten verschloss man Türen und Truhen mit simplen Holzschlössern. Der schwerfällige „Schlüssel“ hob den Riegel an und so öffneten sich Tür oder Truhe. Doch die Holzschlösser konnten durch Anwendung von Gewalt oder Nutzung anderer Instrumente als der passenden Schlüssel leicht geknackt werden. Später wurde Metall für Schloss und Schlüssel verwendet, das machte die Sache schon ungleich schwieriger.
Allerdings blieb die Hebetechnik jahrhundertelang im Gebrauch. Erst die Römer scheinen das moderne Zylinderschloss entwickelt zu haben, das im Laufe der Zeit immer weiter perfektioniert wurde.
Das Prinzip: Der „Bart“ des passenden Schlüssels schiebt bei der Drehung die konzentrischen Metallplatten so beiseite, dass die Tür entriegelt wird. Freilich war auch das sicherheitstechnisch längst nicht „wasserdicht“, denn wer sich die Form des „Barts“ merkte, konnte sich leicht eine Kopie anfertigen. Mit einem Dietrich waren die simplen Schlösser auch schnell zu knacken. Mit der beginnenden Industrialisierung im 19. Jahrhundert kamen komplexere Verschlussmechanismen auf den Markt.
Den Amerikanern Linus Yale Senior und Junior gelang 1843 ein wichtiger Durchbruch, als sie eine zugleich einfache und sichere Lösung für Schlösser erfanden: Sie brachten im Schloss Stifte an, die durch Federn in den Kernzylinder runter gedrückt werden. Der Schlüssel mit dem richtigen Profil - nun war es möglich, platte Schlüssel zu verwenden - hob die zweigeteilten Stifte an. Nur wenn sie alle in der entsprechenden Position sind, kann das Schloss entriegelt werden. Das „Yale-Schloss“ ist heute überall. Im Laufe der Zeit wurde es immer weiter perfektioniert. Aber die Schloss-Spezialisten dachten auch weiter - daran dass Schlösser nicht nur dazu dienen, Türen zu schließen und zu öffnen. Der Deutsche Walter Schlage patentierte so bereits 1909 ein Türschloss, bei dessen Öffnung die Lampen in der Wohnung automatisch angingen. Das Unternehmen, das er gründete, gehört heute noch zu den größten Schlossherstellern weltweit. Auch das Codeschloss, bereits seit der Antike bekannt, bekam im 19. Jahrhundert ordentlich Aufschwung. Heute gibt es smarte Türschlösser, über die der Besitzer volle Kontrolle hat, egal wo er sich auf der Welt befindet. Will er jemanden einlassen, kann er diesem etwa einen Code auf dessen Smartphone. Wie eingangs beschrieben werden in Zukunft noch viel ausgefeiltere Technologien in der Schlosstechnik zum Einsatz kommen. Eins ist sicher: Die Zukunft wird schlüssellos.       Claude Karger