LUXEMBURG
ANNETTE WELSCH

Strategischer Plan 2016-2018 des Staatslabors wurde vom Gesundheitsministerium gebilligt

Die Ziele für die nächsten Jahre sind festgelegt und das Staatslabor (LNS) soll künftig seinen Aufgaben, so wie sie im LNS-Gesetz von 2012 festgelegt sind gerecht werden - das Gesundheitsministerium hat sich prinzipiell mit dem Strategieplan 2016-2018, der im Juli eingereicht wurde, einverstanden erklärt.

Gestern stellten die Präsidentin des LNS-Verwaltungsrates, Prof. Dr. Simone Niclou, der Vize-Präsident Dr. Jean-Claude Schmit sowie Interims-Direktor Prof. Philippe Hartemann die Strategie vor.

Neuer Direktor ab Februar 2017

Doch zunächst: Prof. Hartemann wird noch bis zum 1. Februar 2017 Interim bleiben, danach übernimmt Prof. Dr. Friedrich Mühlschlegel definitiv die Direktion. Der 53-jährige Mikrobiologe ist derzeit klinischer Direktor der Pathologie am englischen East Kent-Krankenhaus und lehrt an der Universität von Kent. „Die Lehrtätigkeit möchte er beibehalten, er wird aber ganz nach Luxemburg ziehen“, sagte Prof. Niclou.

„Er hat das Profil, das wir gesucht haben: Einen medizinischen Hintergrund, Erfahrung in der Laborarbeit und genaue Vorstellungen von der Gesundheitsfürsorge.“ Rekrutiert wurde er über einen Headhunter. Mit der Ausschreibung haben wir nicht die Kandidaten bekommen, die wir uns gewünscht haben.“

Innerhalb der vier wissenschaftlichen Abteilungen des LNS (s. Info-Box) wird es verschiedene Neuerungen geben.

Dazu gehört die Telepathologie: Beim Operationssaal werden die entnommenen Gewebeteile für die mikroskopische Untersuchung so aufbereitet, dass die Pathologen des LNS über die Distanz die Diagnose stellen können.

„Damit bekommt der Chirurg, noch während der Patient im OP ist, eine erste Idee der Erkrankung. Das hilft ihm zu entscheiden, ob und wie er weiter operieren soll. Wir erreichen eine Beschleunigung der Diagnose und eine bessere chirurgische Qualität.“

Neue Angebote: Telepathologie,Neuropathologie und Genetikzentrum

In diesem Jahr noch nimmt das Staatslabor seine Arbeit im Bereich der Genetik auf: Es sollen alle genetischen Analysen zu somatischen Krankheiten wie Krebs sowie zu Erbkrankheiten angeboten werden. Und auch die pränatale genetische Diagnostik im Blut bei Schwangerschaften wird dann möglich sein. „Der Konzeptplan ist akkreditiert und wird nun verfeinert. Ziel ist, dass das Angebot zu einem eigenen Nationalen Genetikzentrum ausgebaut wird“, sagte Prof. Niclou. Man wagt sich zudem an einen hochspezialisierten Bereich heran, der über die normale Pathologie hinausgeht: Die Neuropathologie, wo es um die Erforschung von Gehirn- sowie von neurodegenerativen Erkrankungen, die das Nervensystem beeinträchtigen, geht.

Zusammen mit dem LIH (Luxembourg Institute of Health) und dem LCSB (Luxembourg Centre for Systems Biomedicine) wurde beim Nationalen Forschungsfonds FNR das Projekt PEARL eingereicht. „Es ist das erste Mal, dass das LNS ein so großes Projekt zusammen mit Forschungsinstituten koordiniert“, berichtete Prof. Niclou. Eine koordinierende Rolle soll das LNS auch in der Krankenhaus-Hygiene übernehmen.

Hier geht es um das Problem der Resistenzen gegen Antibiotika in Krankenhäusern, die es gilt in Schach zu halten. Eine engere Zusammenarbeit mit den Krankenhäusern wird es künftig auch im Bereich der biologischen Labore der Krankenhauszentren gehen, wo auf Wunsch der Gesundheitsministerin der Weg hin zu einem Zentrallabor führen soll.

2017 soll in das zweite LNS- Gebäude, das derzeit gebaut wird, noch die Bio-Bank des LIH sowie die Integrated Biobank of Luxembourg (IBBL) und der veterinärmedizinische Dienst des Ministeriums integriert werden. Um als Referenzlabor seine Exzellenzrolle spielen zu können, laufen aber auch Qualitätskontrollen: Bis Ende 2018 sollen nun alle Divisionen zertifiziert sein.

220 Mitarbeiter zählt das LNS derzeit. Rund 100.000 Analysen werden in der anatomischen Pathologie pro Jahr durchgeführt. Im Schnitt neun Tage braucht ein Befund derzeit - auf fünf Tage soll diese Dauer gesenkt werden. „Wir müssen das Image bei den Ärzten, der Bevölkerung und in den Medien verbessern“, sagte Hartemann.