PATRICK VERSALL

Pferdefleisch ist keinesfalls ungesund. Genauso wenig wie Frosch- , Heuschrecken- oder Schweinefleisch. Nun wird der Gourmet diese vier Tierchen - oftmals aus ethischen oder religiösen Gründen - in einigen Ländern auf den Restaurant-Speisekarten vergeblich suchen.

Haben sich die Briten nun zu sehr die Worte ihres William Shakespeares einverleibt? Viel Lärm um nichts, Lärm um ein paar selbstklebende Etiketten, die nichts vertauscht wurden? Nein, denn der Etikettenschwindel, der ein weiteres Mal unsere Lebensmittelindustrie als undurchsichtiges und schwer durchdringbares Dickicht entlarvt, ist alles andere als ein Kavaliersdelikt. Aus dem Vereinigten Königreich werden jedes Jahr etliche Tonnen Pferdefleisch nach Europa exportiert, Sie können jedoch sicher sein, dass Ihnen ihre britischen Bekannten in London niemals ein „Paerdsbiftek“ zum Diner servieren werden.

Pferdefleisch in Form eines Filetstücks oder als Hackbällchen in den Spaghetti ist - anders als bei uns - ein absolutes No-Go. Aus rein medizinischer und ernährungswissenschaftlicher Sicht handelt es sich, streng genommen, um ein Skandälchen. Natürlich kann jeder nachvollziehen, dass sich der Konsument - mit Verlaub - verarscht fühlt, wenn er anstatt Rind, dann doch gemahlenes Pferd unter den Lasagne-Blätter findet.

Ohne Zynismus walten zu lassen: Alles hätte jedoch schlimmer kommen können. Die Fleischproduzenten und die Hersteller schustern sich gegenseitig den schwarzen Peter zu. Aber, und die vorliegenden Laborergebnisse bestätigen dies, das verwendete Fleisch kann ohne Bedenken verzehrt werden.

In den Fertiggerichten wurden keine Spuren von Gammelfleisch gefunden, nichts weist auf die „Verseuchung“ des Hacks durch Antibiotika hin. Oder auf Listeriose-Erreger, wie jene, die vor gut zwei Jahren im Käse eines deutschen Discounters nachgewiesen wurden.

Nun wägen wir uns au unserem kleinen Wohlstand-Inselstaat inmitten der EU vor Lebensmittel-Super-Gaus in Sicherheit. Dabei ist alles nur eine Frage der Zeit, bis wir nicht mehr nur als stumme Beobachter dabei sind, sondern den Schlamassel-Brei auslöffeln müssen.

Ich habe keine Angst vor der Wiederholung und schreibe es vermutlich nicht zum letzten Mal: Schuld an den Schweinereien der vergangenen Tage ist nicht nur die aus den Kühlfächern der Vergessenheit geholte Lebensmittelmaffia, sondern ein jeder von uns. Beim Fastnachtsurlaub wird geklotzt, zurück in den eigenen vier Wänden zerläuft in der Mikrowelle der Analogkäse über der Billiglasagne.

Fleisch aus rumänischen Schlachthöfen wird nur deshalb in Luxemburg zu preiswerten Fertiggerichten verarbeitet, weil unsere rumänischen EU-Nachbarn das Vieh für einen Appel und ein Ei schlachten.

Und auch jene Hühnchen, die den Besitzer für vier Euro im Diskounter wechseln. Wer weniger als das Mindeste für sein Fleisch bezahlen möchte, kann nicht erwarten, auch die Ware geliefert zu bekommen, die auf dem Etikett vermerkt ist.