LUXEMBURG
CLAUDE KARGER

„Legacy tourism“ ist ein ausbaufähiger Bereich - Auch in Luxemburg wird daran gearbeitet

Morgen jährt sich zum 100. Mal die Unterzeichnung des Waffenstillstands in Compiègne zwischen Frankreich, Großbritannien, den USA und dem unterlegenen Deutschen Kaiserreich. Damit ging der bis dahin verheerendste Krieg, der rund um den Globus fast drei Viertel der damaligen Weltbevölkerung betraf, nach vier Jahren und neun Millionen Toten zu Ende.

Der Frieden nach dem schrecklichen Ersten Weltkrieg sollte aber nur kurz währen. Knapp 20 Jahre später stürzten Nazi-Deutschland und seine Alliierten die Welt in den bislang blutigsten Konflikt, der 55 Millionen Menschen durch Kampfhandlungen und Ideologie das Leben kostete. Jährlich pilgern Millionen zu den Stätten der Erinnerung, besonders in Jubiläumsjahren wie in diesem Jahr des Endes der „Grande Guerre“. Im kommenden September wird es dann 80 Jahre her sein, dass der Zweite Weltkrieg ausbrach und im Mai 75 dass die Katastrophe ein Ende nahm. Kurz vor der Kapitulation der Nazis kostete sie auch Luxemburg noch einmal einen hohen Preis: Der Landesnorden erlitt während der Ardennenoffensive nie da gesehene Verwüstungen.

Die Wunden, die die Kämpfe schlugen, sind noch vielerorts zu sehen. Die seelischen Wunden bei den Veteranen und den Familien der Opfer weniger. Von ihnen begeben sich viele regelmäßig auf die Schlachtfelder von denen besonders Europa übersät ist.

Sie sind allgemein von enormem touristischen Interesse. „Das Potenzial ist groß“, heißt es von „Luxembourg for Tourism“ zum Thema „Legacy Tourism“. Wobei der Begriff nicht ganz klar definiert ist. Gehören nicht etwa auch die Stätten, an denen europäische Geschichte geschrieben wurde, wie in Schengen, oder Ausstellungen wie Edward Steichens „Family of Man“-Fotokollektion zum „Erinnerungstourismus“?

Beim LFT verweist man auf Frankreich, wo rund 20 Millionen Besucher gezählt werden, die gezielt Erinnerungsstätten aufsuchen. 45 Prozent davon kommen aus dem Ausland, die Briten bilden den größten Anteil an „Erinnerungstouristen“, gefolgt von Deutschen, Belgiern, Niederländern und US-Amerikanern.

Eine rezente Studie aus Lothringen hat gezeigt, dass die Mehrheit der „touristes de mémoire“ dort aus Frankreich stammt, gefolgt von Belgiern und Deutschen. Wie es heißt sind diese Besucher deutlich älter als de Durchschnitt der Touristen in Lothringen und übernachten nur kurz vor allem in Hotels. Ihre Ausgaben für ihren Aufenthalt liegen allerdings im Mittel.

Für Luxemburg gibt es keine tiefgreifende Analyse. Fakt ist, dass wie gesagt das Potenzial groß ist, und nicht zuletzt grenzüberschreitend gearbeitet wird.

BESUCHERZAHLEN IN ERINNERUNGSSTÄTTEN

Über 100.000 jährlich

• Musée national d‘Histoire Militaire, Diekirch 26.171 • Musée de la Résistance, Esch-Alzette 5.529 • US-Militärfriedhof Hamm 80.000-90.000 Besucher, vor allem US-Amerikaner (60 Prozent) • Deutscher Militärfriedhof Sandweiler 2.000 bis 2.500 (davon 55 Prozent US-Amerikaner, gefolgt von Deutschen und Luxemburgern)