LUXEMBURG
CLAUDE KARGER

Nationalarchiv macht bald Wehrpflichtregister aus napoleonischer Zeit online zugänglich

Wo sind sie geblieben, die Soldaten, die in den Armeen Napoleons zwischen 1798 und 1815 kämpften? Welches Schicksal war ihnen beschieden?

Vergangene Woche sorgte ein Artikel der Deutschen Presseagentur über die Veröffentlichung von rund 7.000 Sterbeakten aus napoleonischer Zeit durch den Verein für Landeskunde im Saarland für großes Interesse. Mitarbeiter des Vereins haben Tausende dieser Dokumente digitalisiert, die rund 200 Jahre lang als verschollen galten und 2015 im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz in Berlin entdeckt wurden. Aber auch in Luxemburg wurden solche Sterbeakten bereits veröffentlicht.

Crowdsourcing

Und zwar Ende April 2018 im Rahmen eines originellen Konzepts: jeder Interessierte war aufgerufen, sich die 3.036 digitalisierten Sterbeurkunden von Soldaten aus dem ehemaligen „Départements des Forêts“ anzusehen und Notizen beizufügen. Könnte es ein Ahne gewesen sein?

Stimmen die Ortsangaben in den Akten, in denen französische Armeebeamten Namen oft so schrieben, wie sie sie verstanden? Auf jeden Fall kannte das partizipative Projekt, „Fuersch mat un eiser Geschicht“, das erste überhaupt in Luxemburg in dieser Form, einen Bombenerfolg. „Bereits eine Woche nach dem Start waren alle Akten annotiert“, sagt Philippe Nilles, Konservator im Nationalarchiv und zuständig für die Archive aus dem 19. Jahrhundert.

Dort lagern auch noch Wehrpflicht-Register aus den napoleonischen Kriegen. Sie werden derzeit ebenfalls digitalisiert und sollen bald online gestellt werden, damit sie von Geschichtsinteressierten nach dem gleichen Modus wie bereits die Sterbeurkunden annotiert werden können. „Das wird ein wenig komplizierter, denn auf einer Doppelseite eines solchen Registers stehen an die 20 Namen“, erklärt Nilles und erzählt, dass alle diese Dokumente auf heute nicht mehr genau nachvollziehbaren Wegen noch vor dem Ersten Weltkrieg aus dem französischen Kriegsministerium nach Luxemburg kamen. Sie sind, genau wie die Feldpostbriefe von Napoleons Rekruten aus dem Raum des „Département des Forêts“, das damals auch Teile des heutigen Ostbelgiens, der belgischen „Province de Luxembourg“, und die Regionen um Arzfeld, Bitburg und Dudeldorf umfasste, aufschlussreiche Zeugen einer Zeit, die noch eine Menge Forschungsarbeit braucht. In den 1970ern und 1980ern hat der Forscher François Decker an den Feldpostbriefen und den Einzugsregistern gearbeitet. Er schätzte, dass rund 8.800 Soldaten aus dem „Département des Forêts“ in den napoleonischen Kriegen umkamen.

Viele Akten liegen laut Nilles auch noch in den Gemeindearchiven. Denn die Rekruten mussten sich zunächst dort zum Kriegsdienst melden, nachdem 1798 die Wehrpflicht in den französischen Departements eingeführt wurde. Alle jungen Männer mussten sich registrieren lassen und die Regierung legte jährlich die Quote für die Einberufung von Rekruten fest. In den Gemeindearchiven landeten übrigens auch Briefe der „Napoleonsdénger“ an ihre Familien. Letztere gaben sie ab, um zu beweisen, dass ihr Söhne ihren Dienst tatsächlich auch angetreten waren. Denn die Verweigererquote scheint hoch gewesen zu sein und die Familien riskierten Strafen, wenn sich ein Rekrut nicht meldete. Gleichwohl konnten reiche Familien sich vom Wehrdienst „freikaufen“.

Die meisten Schicksale der Männer aus unserer Gegend, die in Napoleons „Grande Armée“ auf zum Teil weit von der Heimat entfernten Kriegsschauplätzen litten und starben, harren jedenfalls noch ihrer Aufarbeitung.

Zum Projekt des Nationalarchivs:

crowdsourcing.anlux.lu
Zur Webseite des Vereins für Landeskunde

im Saarland e.v.: www.landeskunde-saarland.de