Mit seiner aktuellen parlamentarischen Frage findet sich der CSV-Abgeordnete Marcel Oberweis in ungewohnter Gesellschaft, denn das von Oberweis angesprochene Thema Kompensationsmaßnahmen für den Bau der Nordstraße steht auch im Fokus der Umweltverbände. Mouvement écologique und natur&ëmwelt hatten parallel zur Eröffnung des letzten Teilstücks der Nordstraße, der Autobahn A7, auf die aus ihrer Sicht nachlässige Handhabung, der de facto Nichterfüllung der versprochenen Maßnahmen, hingewiesen. Die rechtliche Grundlage der verlangten ökologischen Kompensierung ist eine großherzogliche Verordnung von 1997.
Frage nach dem Stand der Dinge
Oberweis konzentriert sich in seiner Anfrage auf die ursprüngliche Absicht der Planer, im nördlichen Alzettetal durch Renaturierung ein Feuchtgebiet zu schaffen. Oberweis nennt in seiner Anfrage eine Fläche von 26,7 Hektar. Der Regierungsrat habe im Juni 2015 selbst festgestellt, dass in Sachen Naturausgleich noch nicht sonderlich viel geschehen sei und nun die Beseitigung der Defizite angestrebt wird. Der CSV-Abgeordnete aus Steinsel geht davon aus, dass die Regierung genügend Flächen bereit hält, um das Feuchtgebiet zu realisieren.
Von Umweltministerin Carole Dieschbourg wollte er nun Auskunft über den „Stand der Dinge“ der Kompensationsmaßnahmen im Alzettetal , was das Ministerium an Neuem ins Auge gefasst habe und mit welchen Mitteln man die Arbeit angehen wolle.
Widerstand vor Ort
Die Antwort dürfte Oberweis enttäuschen. Die grüne Ministerin zählt eine lange Liste von Widerständen von Seiten der Landwirte, aber auch der Gemeinde Lintgen auf, die die Sache mit der Kompensierung immer mehr auf die lange Bank geschoben hat. Wenn man die Antwort von Dieschbourg liest, kann man feststellen, dass de facto jede Gesprächsrunde ihrer Vorgänger mit den Beteiligten seit 2000 zu einer weiteren Verkleinerung des Kompensationsgebietes geführt hat. Die erste Idee, durch eine Verwilderung einen Auwald an der Alzette entstehen zu lassen, musste schon früh aufgegeben werden.
Zu hohe Grundstückspreise
Bisher sei es dem Amt für Flurbereinigung (ONR) nur gelungen 15,7 Hektar anzukaufen, so Dieschbourg. Die für die anderen Flächen verlangten Preisen überschritten das Limit der staatlichen Einkäufer. Auf der Höhe des Autobahnviadukts besitzt der Staat noch weitere 10,9 Hektar, die ebenfalls zur Kompensation genutzt werden können. Die großherzogliche Verordnung hatte ursprünglich 64 Hektar für das Feuchtgebiet vorgesehen, davon fehlen immer noch 37,3 Hektar.
Dieschbourg setzt jetzt auf ein „Minimalprojekt“, bei dem ohne Veränderung des Flusslaufes nur die landwirtschaftliche Nutzung extensiviert wird. Dazu soll auf dem Gelände eines ehemaligen Bauernhofs ein ökologisches Informationszentrum entstehen. Zwischen Hünsdorf und Prettingen wird an der Regionalstraße CR 123 eine Passage für Amphibien angelegt. Die Abraumdeponie „Schwunnendall“, entstanden beim Autobahnbau, soll der Landschaft angepasst aufgeforstet werden.
Insgesamt strebt die Regierung laut Ministerin Dieschbourg in einer zweiten Phase den Ankauf von weiteren Flächen an. Zunächst 28,4 Hektar für Aufforstungen und die noch ausstehenden 37,3 Hektar für das Feuchtgebiet an der Alzette.


