PATRICK WELTER

Einer der großen Philosophen unserer Zeit, Dieter Nuhr, hat es auf den Punkt gebracht: „Auf der einen Seite können Fünfjährige mit legalen Waffen ihre zweijährigen Geschwister erschießen, auf der anderen verlangen die (deutschen) Grünen das Verbot von Zigarettenautomaten zum Schutz der Volksgesundheit. Die Wahrheit dürfte irgendwo in der Mitte liegen.“

Gäbe es diese Mitte doch nur.

Diesseits des Ärmelkanals glaubt man an die heilenden Kräfte des Staates: Ein typischer europäischer Satz ist „Das gehört doch verboten!“ Wobei sich die Zielrichtung von Land zu Land unterscheidet. In Frankreich stehen unternehmerische Freiheiten grundsätzlich im Ruch des Ungehörigen, in Deutschland fast alles was Spaß macht oder Genuss verschaffen könnte. Luxemburg tendiert zu beiden Seiten. Auch hierzulande ist der „Patron“ gerne ein Feindbild und deutsche Ängste vor dem gesundheitlich-ökologischen Armageddon nimmt man gerne an.

Jenseits des Atlantiks gilt, zumindest in den USA, der Staat als parasitäre Erscheinung die sich in das Leben der Menschen einmischt. Gesundheitsvorsorge und Krankenversicherung für alle? Nach republikanischer Auffassung purer Sozialismus! Spekulationsbesteuerung? Noch viel schlimmerer Sozialismus. Waffenkontrolle? Faschistoider Angriff auf die verfassungsmäßigen Rechte freier Männer und Frauen, so die NRA. Rechtsstaatlicher Umgang mit „Kombattanten“? Aussichtslos. Gods own country sieht natürlich keinerlei Veranlassung sich dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag zu beugen.

Wir haben aber keinen Grund zur Häme. Was die einen zu wenig haben, haben andere zu viel. In Mitteleuropa ist es aus der Mode gekommen ein Problem selbst anzugehen, es gar dem Einzelnen zu überlassen, was er tut. Stichwort „Rauchverbot“. Unvergessen die Aussage eines mittlerweile geschassten roten Ministers, er glaube nicht an den „Common Sense“. Das lässt tief blicken. Hat nur die sozialdemokratisierte politische Klasse die Fähigkeit uns unmündige Bürger zum Glück zu führen? Aus lauter Sorge um unser Heil zwingt man uns zu einer Nichtraucher-, Cholesterinverächter-, Sportler-, Langsamfahrer- und Fassadendämmerexistenz, die dazu noch politisch korrekt ge-gendert sein muss. Erinnert irgendwie an die Herren mit dem römischen Chef, die auch Jahrhunderte lang wussten, wo unsere Altvorderen hin zu marschieren hatten.

Die Inhalte haben einzeln und für sich genommen, durchaus Argumente auf ihrer Seite. Aber der politische Zwang zum gedämmten CO2-freien genderneutralen Glück ist geradezu faschistoid. Beispiel: Hinweise auf historisch nachgewiesene Klimazyklen in der Erdgeschichte, sorgen für schandhafte Verachtung. Bürgersinn traut uns keiner mehr zu. Die Eigenverantwortlichkeit schwindet, weil sie systematisch abtrainiert wurde. Der Common Sense liberal-bürgerliche Gesellschaften ist unter die Räder gekommen. Wo ist sie geblieben? Die Mitte zwischen dem radikal asozialen Gesellschaftsmodell der USA und den von den Gewerkschaften erdrückten Sozialstaaten wie Luxemburg und Frankreich? Wo?