LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

Ein Blick auf die Filme der Jubiläumsausgabe des „Luxembourg City Film Festival“

Die ersten Tage des „Luxembourg City Film Festival“ (LuxFilmFest) zeichneten sich nicht durch hochrangige Filme aus. Lediglich der Eröffnungsfilm „Promising Young Woman“ von Emerald Fennell war spannend und relativ originell, und „Nur eine Frau“ von Sherry Hormann gefiel durch seinen lockeren Stil, in dem die Geschichte von Aynur (Almila Bagriacik) erzählt wird, die durch das tragische Ende, ein Ehrenmord, schockiert. Die Begegnungen mit den Regisseuren Alejandro Jodorowsky und Jean-François Laguionie waren interessant und aufschlussreich. Laguionie zeigte zudem seinen Animationsfilm „Le Voyage du Prince“, der in Zusammenarbeit mit der luxemburgischen Mélusine Productions entstand.

Im Wettbewerb

Unter den bisher gesehenen Wettbewerbsfilmen fehlt noch immer jener Film, der einen Preis verdient hätte. „Effacer l’historique“ von Benoît Delépine und Gustave Kervern ging ein Spezialpreis der Berlinale voraus. Die geschiedene Marie (Blanche Gardin) hat Geldprobleme und hat ihre Libido nicht unter Kontrolle, wenn sie betrunken ist. Bertrand (Denis Podalydès) hat sich in eine Frau einer Hotline verknallt, und Christine (Corinne Masiero) versucht die Internetbewertung ihres Taxibetriebs zu verbessern. Überzeugen kann der Film nicht, denn ein paar Gags können die überlangen Momente der Geschichte nicht wettmachen.

„Babyteeth“ von Shannon Murphy erzählt, wie die an Krebs erkrankte Milla (Eliza Scanlen) sich in Moses (Toby Wallace) verliebt, der auf der Straße lebt. Wiederum dauert der Film zu lange, und der Regisseurin gelingt es nicht, ihren Protagonisten genug Leben einzuhauchen, sodass man sich für sie interessieren könnte.

Roy Andersson bleibt in „About Endlessness“ seinem statischen Stil von „A Pigeon Sat on a Branch Reflecting on Existence“ treu. In kurzen absolut nichtssagenden Szenen sieht man Menschen zum Beispiel in einem Bus, einer Bar, einer Arztpraxis oder einen Todgeweihten und auch noch Hitler. Was der schwedische Regisseur dem Zuschauer sagen wollte, bleibt ein Rätsel, genau wieso er letztes Jahr einen Regiepreis in Venedig erhielt. Er bleibt stets mit seiner Kamera, die bewegungslos auf einem Stativ montiert ist, auf Distanz zu seinen Figuren, die auch durch Schaufensterpuppen ersetzt werden könnten.

„Bait“ von Mark Jenkin ist in Schwarz-Weiß gedreht und zeichnet das Leben in einem Fischerdorf im Cornwall. Martin (Edward Rowe) versucht sich mit seiner Arbeit über Wasser zu halten, was aber nicht so einfach ist. Dem Regisseur gelingt es durch kurze Schnitte, seine Geschichte interessant zu gestalten.

Auch wenn das stete Hin und Her zwischen Träumen, Visionen und Realität in „Mosquito“ von João Nuno Pinto leicht verwirrt, kann dieser Kriegsfilm, der 1917 in Mosambik spielt und die Odyssee des jungen Soldaten Zacarias (João Nunes Monteiro) durch den Dschungel zeigt, gefallen.

Made in Luxembourg

Der überaus interessante Dokumentarfilm „Tune Into The Future“ (Samsa Film) von Eric Schockmel behandelt die Biografie des luxemburgischen Schriftstellers, Erfinders und Verlegers Hugo Gernsback mit Filmaufnahmen und animierten Bildern.

„Jumbo“ (Les Films Fauves) von Zoé Wittock feierte ebenfalls seine luxemburgische Premiere im Beisein der Regisseurin und den Hauptdarstellern Noémie Merlant und Sam Louwyck. Merlant spielt die junge Jeanne, die sich in ein Fahrgeschäft in einem Vergnügungspark in Coo verliebt. Diese Liebe geht so weit, dass sie den Bezug zur Realität verliert. Leider fehlt es den Machern an Überzeugungskraft, diese Geschichte einsichtig zu erzählen. Es stehen derweil noch etliche Filme aus, und vielleicht ist der absolute Knaller darunter.

Alle weiteren Informationen zum Festival unter www.luxfilmfest.lu