LUXEMBURG
INGO ZWANK

Luxemburgs Kläranlagen wurden lange stiefmütterlich behandelt - Nach über sechs Millionen Euro an Strafgeldern liegt endlich EU-Konformität vor

Täglich verbrauchen wir in unseren Haushalten eine große Menge an Wasser. Waschen, Spülen, Duschen, Schmutz- und Regenwasser wird zu Abwasser und muss gereinigt werden. Dies erfolgt mithilfe von Kläranlagen, bevor es von dort gereinigt in den Wasserkreislauf zurückgeführt wird.

Luxemburgs Kläranlagen wurden lange stiefmütterlich behandelt. Bis 2013 die richterliche Feststellung kam, dass die kommunalen Abwässer nicht ordnungsgemäß behandelt werden würden. Zwei Kläranlagen entsprachen nicht den, in der EU-Abwasserrichtlinie festgelegten, Normen. Zu hohe Stickstoff- und Phosphatbelastungen wurden festgestellt, und der Europäische Gerichtshof verurteilte Luxemburg zu einer Geldstrafe von zwei Millionen Euro sowie zusätzlichen 2.800 Euro pro Tag, an dem das Großherzogtum gegen die EU-Abwasserrichtlinie verstößt. Seither sind rund 1.500 Tage vergangen, und Luxemburg musste zahlen. Den Tagessatz musste das Großherzogtum quasi bis zur Fertigstellung der Kläranlage „Bleesbréck“, die letzte der auszubauenden Anlagen, bezahlen.

Das war bis zum 16. Januar 2018, als festgestellt wurde, dass endlich alle Kläranlagen konform seien, was das Umweltministerium auf Nachfrage hin bestätigte. Mittlerweile sei auch das offizielle Bestätigungsschreiben eingegangen. Doch bis Januar 2018 hat Luxemburg so rund 6,21 Millionen Euro an Strafgeldern bezahlt.

Die Generaldirektion Umwelt der Europäischen Kommission hat nach Prüfung der verfügbaren Proben entsprechend die Behandlungsergebnisse der Kläranlagen von Uebersyren, Beggen, Hesperingen, Mersch und Bleesbréck, die im Urteil angeführt wurden, für konform erklärt.

Internationaler Vorreiter

Nicht nur national, auch grenzüberschreitend ist Luxemburg hier aktiv. Bereits seit 1974 besteht das Abwasserklärwerk Echternach-Weilerbach. Als erste rechtlich fixierte Zusammenarbeit im Bereich der Wasserwirtschaft zwischen deutschen und luxemburgischen Kommunen - zwischen der Stadt Echternach und der damaligen Verbandsgemeinde Irrel - war hierfür eigens ein gemeinsamer Abwasserzweckverband gegründet worden.

Und die Zusammenarbeit ging weiter. Die rheinland-pfälzische Umweltministerin Ulrike Höfken hatte beispielsweise 2012 zusammen mit dem damaligen luxemburgischen Innenminister Jean-Marie Halsdorf die internationale biologische Kläranlage Reisdorf-Wallendorf offiziell eingeweiht. Mit der Kläranlage wurde die letzte größere Lücke bei der Abwasserreinigung an der Sauer in der deutsch-luxemburgischen Grenzregion geschlossen.

Die Regierung unter Xavier Bettel hatte sofort Ende 2013 ein entsprechendes Finanzierungsgesetz auf den Weg gebracht, was zu einer intensiven Zusammenarbeit mit den Gemeinden führte. So wurden alleine 2016 von staatlicher Seite fast 85 Millionen Euro in Wasserinfrastrukturen gepumpt, so viel wie noch nie in Luxemburg.

Denn nach der Vorgabe von Brüssel müssen spätestens in neun Jahren alle Gewässer in einen guten chemischen und ökologischen Zustand überführt werden. 

Der lange Weg zurück

Aus den Haushalten fließt das Abwasser in die Kanalisation, in der Kläranlage wird es durch den Rechen grob gereinigt. Der Sand wird herausgefiltert und verwertet. In der Vorklärung fällt zum ersten Mal Klärschlamm an, der abgeschieden wird. Die Hauptarbeit in einer modernen Kläranlage übernehmen Bakterien, die sich von unappetitlichen Dingen ernähren. Im Nachklärbecken setzt sich wieder Klärschlamm ab, der abgeschieden wird. Das Gereinigte wird noch einmal geprüft und dann in Gewässer eingeleitet. Der Klärschlamm landet in einem  Faultank, dort kann entstehendes Biogas aufgefangen und in die Energieproduktion eingespeist werden.