LUXEMBURG
CC, JEK, DO

Denise Pesch erinnert sich noch ganz genau. 1967 riet ihr Vater, ein Arzt, ihr, doch Yoga zu üben. Der erste Unterrichtet fand im heutigen Casino in der Rue Notre Dame statt. Pesch war begeistert. Yoga wurde ihr Leben. Seit 1984 unterrichtet sie und 1991 eröffnete sie das Yoga-Zentrum „La Source“, das heute das älteste in Luxemburg ist. Hier arbeiten 18 Lehrer, unter ihnen auch Ko-Direktor Fredric Bender. Wir haben mit den beiden Yogis über ihre Arbeit gesprochen.

Wer ist der typische Kunde?

Fredric Bender Es variiert. Wir unterrichten an verschiedenen Orten: Strassen, Bereldingen, Walferdingen, der Stadt, dem Europäischen Gerichtshof und der Europäischen Investitionsbank. In der Regel sind es zu 80 Prozent Frauen zwischen 20 und 55 Jahren, aber in einem meiner Yoga-Kurse für den Rücken, den ich entwickelt habe, um mich von einer alten Basketballverletzung zu erholen, bin ich mit 57 Jahren der Jüngste mit vielen Schülern in den Siebzigern.

Fotos: Privat/Shutterstock - Lëtzebuerger Journal
Fotos: Privat/Shutterstock

Welche Arten von Yoga gibt es denn?
Denise Pesch Unser Yoga-Angebot ist weit gefächert: von sehr traditionellen Übungsreihen wie Sivananda, Ashtanga, Iyengar und Vinyasa Krama Yoga hin zu Hormon-Yoga für Frauen, Yoga für Schwangere, Yin-Yoga und unserem speziellen und sehr erfolgreichen Rückenyogakurs. Den meisten Leuten geht es vor allem um die physischen Übungen. Im traditionellen Yoga ist das nur ein kleiner Teil. Das Ziel des Yoga ist es, den Körper darauf vorzubereiten, bequem in der Meditation zu sitzen, den Geist zu beruhigen und tiefe Ruhe zu erfahren. Die verschiedenen Übungsarten unterscheiden sich nicht so sehr in den Körperhaltungen, sondern in der Reihenfolge der Bewegungen, der verschiedenen Atmungen, des Schwierigkeitsgrads der Übungen und in der Dynamik.

Was ist das Ziel von Yoga?
Bender Yoga ist traditionell eine Vorbereitung im Hinblick auf die Meditation. Das Ziel ist es, in einen Bewusstseinszustand zu gelangen, in dem man sich göttlich fühlt und alles andere auch göttlich ist. Es ist ein freudiger Zustand. Manche Menschen bekommen ein solches Gefühl bei Sonnenuntergang oder anderen schönen Natur-Erlebnissen. Ein Yogi will durch lang anhaltende Entspannung und Konzentration des Geistes diesen Bewusstseinszustand erreichen. Deshalb ist Meditation so wichtig. Die Yogaübungen geben dem Körper die Kraft dazu und die Atmung reinigt das Energiesystem zur heilsamen Aufnahme der subtilen Energie.

Was erwarten die Schüler, die zu Ihnen kommen?

Pesch Die meisten Leute wollen sich nach ihrem Arbeitstag bewegen und Stress abbauen. Unsere 90 Minuten dauernde Klassen erlauben Bewegung, körperliche und geistige Entspannung durch spezifische Yogaübungen und geleitete Relaxation. Um das überaktive Gehirn zu beruhigen, konzentriert man sich zuerst auf den Körper, dann auf den Atem. Damit beruhigt sich das Nervensystem. Yoga gleicht das Nervensystem aus und erlaubt Konzentration auf das Wesentliche, das man in der Meditation entdeckt. Die Aufgabe des Yoga ist es, dem Geist das Hier und Jetzt zu ermöglichen.

Lëtzebuerger Journal

Was bringt Yoga?
Bender Wirkungen gibt es viele! Das Stressniveau sinkt, Spannungen werden abgebaut. Dies ist sehr wichtig in einer Gesellschaft, in der Leistung im Vordergrund steht. Wenn man nicht erreicht, was man will, kann man wütend, frustriert oder depressiv werden und impulsiv reagieren. Yoga beruhigt die Emotionen, verbessert die Impulskontrolle und führt zu besseren Entscheidungen. Das Hormonsystem wird ausgeglichener. Es macht den Körper sowohl stark als auch flexibel und erhöht die Gelenkstabilität und die Bewegungsfreiheit im Gegensatz zum Bodybuilding in einem Fitnessstudio. Persönlich mache ich seit meinem 23. Lebensjahr Yoga, aber mehr aus geistigen als aus körperlichen Gründen. Ich habe mich wegen einer schweren Rückenverletzung, die ich vor meinem Start hatte, nie viel auf der körperlichen Seite entwickelt. Schließlich konnte ich mit Yoga meinen Rücken verbessern und entwickelte eine Rückenschule, die vielen hilft. Wenn sich ein Schüler mit Wirbelsäulenproblemen durch meine Rückenschule besser fühlt, bin ich sehr erfreut. Heute haben wir zehn Yoga-Kurse für den Rücken.

Was setzt Yoga voraus?
Pesch Hingabe und voller Einsatz sind die wichtigsten Voraussetzungen. Ansonsten ist es wichtig, durch ein eventuelles vorheriges Gespräch mit mir oder Fredric herauszufinden, welcher Kurs angepasst ist. Verletzungen oder Schmerzen sollen dem Lehrer gemeldet werden, damit Übungen angepasst werden können. In bestimmten Fällen bieten wir auch Einzelstunden an.

Wie lange braucht man, bis man Yoga kann?

Bender Ein Leben lang! Denise hat in Luxemburg, Frankreich, Indien, den USA und Kanada gelernt und praktiziert täglich auf und von der Matte. Das endet nie. Mit 67 unterrichtet sie die Jüngsten in der anstrengendsten Yoga-Klasse!

www.yoga.lu

Unterschiedliche Arten der Entspannung

Hatha Yoga
Wer mit Yoga beginnen möchte, für den eignet sich Hatha Yoga. Diese Art ist eher sanft und wenig körperlich anstrengend. So werden die ruhenden Körperstellungen vergleichsweise lange gehalten, Atemübungen und Meditation sind ein wichtiger Teil des Hatha Yoga. Der Übergang zwischen den Übungen erfolgt sanft und langsam. Dieser Stil soll besonders gut geeignet sein, um Abends zu entspannen und im Endeffekt besser zu schlafen.

Anusara Yoga
Dies ist eine Mischung aus sanften Bewegungen und präzisen Ausrichtungsprinzipien. Der Stil gilt besonders für Personen als ideal, die viel am Schreibtisch sitzen, unter Fehlhaltungen und Bewegungsmangel leiden. Der Körper wird durch die präzise Ausrichtung des Körpers individuell gekräftigt. Hier steht das Herz im Vordergrund, weshalb viele „herzöffnende“ Posen wie Rückbeugen, das Kamel, die Kobra und der Bogen Teil dieser Art sind.

Ashtanga Yoga
Auch als Power Yoga bezeichnet, liegt bei dieser Art des Yogas der Schwerpunkt vor allem auf Kondition und der richtigen Atemtechnik. Er gilt als härtester Stil und ist daher eher etwas für Fortgeschrittene. Hierbei werden kontinuierlichen anstrengende Bewegungen in festgelegten Sequenzen durchgeführt, wodurch man schnell ins Schwitzen kommt. Gut zum Abnehmen geeignet. Außerdem werde die Durchblutung sowie der Lymphfluss angeregt.

Bikram Yoga
Beim Bikram Yoga, auch Hot Yoga genannt, handelt es sich um einen der wenigen Stile, die sich wenig mit Spiritualität beschäftigt. Die Teilnehmer führen anspruchsvolle Übungsfolgen durch und das bei hohen Raumtemperaturen von etwa 40 Grad sowie einer Luftfeuchtigkeit von 40 Prozent. Die soll sich positiv auf Muskeln und Sehnen auswirken. Durch das Schwitzen werde der Körper außerdem entgiftet. Bikram besteht aus 26 Yoga-Posen, die zweimal wiederholt werden.

Anti-Gravity Yoga
Anti-Gravity Yoga wird auch als Aerial Yoga bezeichnet, ist beim Beobachten recht spektakulär und erinnert ein wenig an Luftakrobatik. In dieser Form des Yoga sind Elemente aus Pilates, Ballett und Gymnastik eingeflossen. Trainiert wird an Tüchern, die an der Decke befestigt sind. Durch das ständige Ausbalancieren wird die Tiefenmuskulatur gestärkt. Außerdem ist diese Form des Yoga schonend für die Gelenke, da kein oder nur wenig Gewicht auf ihnen lastet.

Acro Yoga
Hierbei handelt es sich um akrobatisches Yoga, die mit einem Partner ausgeführt wird. Dieser Stil verbindet Yogaposen unter anderem mit Elementen aus Gymnastik, Thai-Massage und Atemtechniken. Im Mittelpunkt steht aber das Element des Fliegens, denn man schwebt über dem Partner. Da sämtliche Übungen auf Körperkontakt basieren, sollte man hierbei keine Berührungsängste haben. Besonders für die Person, die abstützt, kann diese Form körperlich durchaus fordernd sein.
Lëtzebuerger Journal

Nach einer Urlaubsreise entschied Niki Vasilantonaki, wieder aktiv etwas für ihre Gesundheit zu tun und aus der Routine auszubrechen. „Daher habe ich vor rund zwei Monaten beschlossen, mit Yoga zu beginnen“, erklärt die 29-jährige gebürtige Griechin. Auf Kirchberg fand sie ein Yogastudio, das ihr zugesagt hat und besucht dieses seither mindestens einmal, wenn möglich zweimal die Woche. „Angefangen habe ich mit Hatha Yoga, da ich als Anfängerin noch nicht wirklich flexibel war und keine Erfahrung mit Yoga hatte.“ Sie wollte anschließend weitere Arten ausprobieren. So hat sie unter anderem Ashtanga Yoga, auch als Power Yoga bekannt, gemacht. „Das war Anfangs eine echte Herausforderung“, betont Vasilantonaki. Hinzu kommt noch Yin Yang Yoga. „Diese Art des Yogas verbindet passive mit aktiven Posen, daher auch der Name.“
In der Vergangenheit hatte die junge Frau neben verschiedenen Arten von Tanz auch immer wieder anderen Sport gemacht. Etwa Radfahren, Schwimmen oder sie hat das Fitnesscenter besucht. Letzteres sagte ihr jedoch einfach nicht zu. „Ich habe vor einigen Monaten auch Pilates ausprobiert, fand jedoch keine Klasse, die langfristig zu meinen wechselnden Arbeitszeiten passt.“

Weg zum Stressabbau
Die Entscheidung für Yoga sei schlussendlich gefallen, da Vasilantonaki etwas gesucht habe, das ihr dabei hilft, Stress abzubauen. „Außerdem gefällt mir der meditative Zustand, in den ich während den Yogaklassen gerate, und dass sowohl der ganze Körper als auch der Geist angestrengt wird.“ Bei Yoga könne man sich ganz einfach mehr auf sich besinnen und die Welt um sich herum vergessen. Außerdem sei das Angebot so groß, dass sie in ihrem Alltag immer die Zeit finde, Yoga zu machen. „Ich glaube, für viele Menschen wäre Yoga eine echte Bereicherung, da es in vielerlei Hinsicht helfen kann. Ich kann daher nur jedem raten, es einfach mal ausprobieren.“