COLETTE MART

Hier und jetzt, wo sich die neuen Minister im Hinblick auf die Herausforderungen ihrer jeweiligen Ressorts positionieren, schälen sich die wichtigsten Probleme und Herausforderungen in unserem Land heraus.

Mittlerweile ist klar, dass wir uns in Sachen Wohnungsbau verrechnet haben. Während zum Beispiel in der Hauptstadt ganze Residenzen mit teuren Wohnungen gebaut werden, von denen viele über Monate leer stehen und keine Mieter finden, bemüht sich die Stadtverwaltung, erschwinglichen und sozialen Wohnraum zu schaffen. Eine Studie, wie viel Wohnraum wir überhaupt noch brauchen, wäre empfehlenswert in einem Land, in dem junge Menschen oft dazu gezwungen sind, sich jenseits unserer Grenzen eine Wohnung zu mieten oder zu kaufen, weil Immobilien bei uns zu teuer sind.

Des Weiteren klaffen unsere Gesetze in Sachen sozialer Wohnungsbau mit den Realitäten des Landes auseinander. Während prinzipiell bei größeren Kindern ein Zimmer pro Kind in einer Sozialwohnung vorgesehen sein muss, leben in Wirklichkeit ganze Familien manchmal in einem Zimmer. Die Chance auf eine Sozialwohnung mit mehreren Schlafzimmern ist gering und die Wartelisten lang. Im Bereich der Wirtschaft stellt sich heraus, dass es zahlreiche Unterstützungen für Betriebe gibt, dass diese aber Bedingungen erfüllen müssen, mit denen kleine und junge Unternehmen nicht mithalten. Dies erklärt die große Zahl an Konkursen; eine gezielte Förderung und Vernetzung kleiner Unternehmen und steuerliche Erleichterungen wären hier ins Auge zu fassen, ansonsten die Ermutigungen, junge Menschen sollten sich unabhängig machen, nicht nur irreführend, sondern auch gefährlich sind und Jungunternehmern eine Welt vortäuschen, die in Wahrheit ihre Geheimnisse und Fallen hat. Der Zugang zum Arbeitsmarkt bleibt ein weiteres Problem, das Menschen allen Alters betrifft. Die Jugendarmut wurde zum öffentlichen Thema, und Menschen über 45 haben es schwer, noch einen Arbeitsplatz zu finden.

Wohnungsproblematik und Scheidungen wurden zu Armutsfallen, die vielfältigen Aufgaben junger Eltern in einer beständig komplizierter werdenden Welt führen dazu, dass sich Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern häufen und Lehrer überfordert sind. In der Mobilität registriert man mittlerweile eine reale Sensibilisierung für den öffentlichen Transport oder auch das Fahrrad.

Trotzdem sind Bus, Zug und Tram nicht unbedingt eine Lösung für alle Menschen, insbesondere nicht für jene, die außerhalb der Städte wohnen und schnell zu ihrem Arbeitsplatz gelangen wollen. Die Probleme des Landes bleiben demgemäß vielschichtig und tiefgreifend, insbesondere für all jene, die entweder alleinstehend oder alleinerziehend sind, nicht unbedingt zu den Besserverdienern gehören, oder einen Migrationshintergrund haben. Und das sind sehr viele.

Des Weiteren grassieren auch immer noch Diskriminierungen in der Gesellschaft, sowohl gegen Frauen, als auch gegen Behinderte, Migranten oder Menschen mit niedrigem sozialem Status.

Die Politik muss demgemäß in den nächsten Jahren ein sensibles Ohr für die Sorgen der Menschen haben, und konsequent und mit Bescheidenheit an den Lösungen der Probleme arbeiten.