LUXEMBURG
SVEN WOHL

Urlaub ist kompliziert geworden – für Kunden wie auch für die Veranstalter

Reisen war schon mal einfacher. Die Pandemie stellt viele potenzielle Urlauber vor viele offene Fragen. Auch die Reisebüros haben mit neuen Herausforderungen zu kämpfen. Wir suchten das Gespräch mit Berny Ley, dem Vizepräsidenten der „Union Luxembourgeoise des Agences de Voyages“ (ULAV):

Wie erleben die Reisebüros die Pandemie?

Im März wurden die Reisebüros genauso wie alle anderen Geschäfte geschlossen. Da mussten wir ins Homeoffice gehen, wo wir uns um die Rückführungen der Gäste kümmern und Reisen annullieren mussten. Auch das investierte Geld musste seinen Weg wieder nach Luxemburg finden. Unkompliziert ist das nicht, weil wir zahlreiche Partner haben, die aneinander hängen. Unsere Maschinerie lief bisher stets im Vorwärtsgang. Den Rückwärtsgang haben wir so noch nie gebraucht. Das hat die vergangenen drei Monate unser Personal beschäftigt. Wir konnten nicht ganz in Teilzeitarbeit gehen, nur weil wir nichts mehr verkaufen konnten. 40 bis 50 Prozent der Angestellten mussten arbeiten, auch um den Kontakt mit den Kunden aufrecht zu halten. Die hatten schließlich auch zahlreiche Fragen.
Was wir in der ganzen Pandemie gelernt haben: Der Zukunft fehlt es an Transparenz. Das ist heute bereits besser als vor drei Monaten, aber es lauern immer noch viele Überraschungen auf uns. Luxemburg hat sich ja geoutet mit den in meinen Augen im Vergleich zum Ausland fast zu transparenten Zahlen, womit wir auf Verdachtslisten gekommen sind. Verschiedene Länder kennen auch nicht die Details, die dahinter stecken, was zu verstehen ist, denn es ist nicht immer so einfach, den Kontext der Zahlen zu erkennen.

Wie sieht Ihre Perspektive für die Zukunft aus?

Als wir anfangs Juni angefangen haben, herrschte Zurückhaltung. Wir mussten uns zuerst mal schlau machen, welche Zielorte aufgehen, ob die für unsere Gäste sicher sind und wie man sich vor Ort organisiert. Ab einem gewissen Zeitpunkt waren viele wieder offen für den Tourismus – Portugal, Spanien und Italien – da haben wir unsere Hotels kontaktiert und haben herausgefunden, dass sie dort genau so organisiert sind, wie hierzulande. Konkret bedeutet das: Social Distancing und Masken tragen.

Welche Orte kann man ansteuern?

Fast alles ist verboten, vor allem auf große Distanz betrachtet. Einige müssen aus beruflichen Gründen reisen, da ist es schon ganz spannend für uns, herauszufinden, wie sie an ihr Ziel kommen. Wir hatten den Fall, dass jemand auf einer amerikanischen Airbase arbeiten musste, wo wir dann eine offizielle Einladung des Militärs benötigten. Ein Privattourist reist aktuell nicht in die USA. Bei vielen Zielen stellen wir uns die Frage nicht, weil wir sonst ständig recherchieren müssten. Wir konzentrieren uns auf die wichtigsten Zielorte wie Portugal, Spanien, Italien Griechenland und Bulgarien oder Tunesien. Wir verkaufen nicht direkt Reisen für die Nachbarländer, meistens nur die Hotelbuchungen. Die Liste ändert jeden Tag. Letztens hat die Schweiz noch reagiert. Aber ich denke, das wird sich in einigen Wochen wieder verändern. Der Versuch, die Kurven niedrig zu halten bei den Infektionszahlen wird vermutlich noch sechs bis neun Monate anhalten, bis eine Impfung oder effiziente Medikamente entwickelt sind.

Das heißt, Ihr Job ist noch komplizierter geworden, als bisher?

Wir müssen sehr viel überprüfen - selbst jene Produkte, die wir in und auswendig kannten. Wir müssen die Regeln prüfen, weil wir die unseren Kunden mitteilen müssen. Die informieren sich auch selbst, aber wir haben teilweise direkteren Zugang zu gewissen Informationen. Jetzt muss man auch in Europa teilweise Formulare ausfüllen oder einen Test machen, dessen Resultat man bei sich führen sollte. Was positiv ist: Das Gesundheitssystem erlaubt es einem, sich für eine Reise testen zu lassen. Im Moment ist das noch auf jene Länder begrenzt, die diesen explizit fordern.

Wie sieht es mit den Regeln in den Transportmittel aus?

Das ist mittlerweile ziemlich homogen geregelt. Im Flug hält man die Maske an. Die Luft wird alle paar Sekunden dort komplett gefiltert. In einem Flug hat sich bisher niemand angesteckt. Im Bus und Zug kann man das Social Distancing besser umsetzen. Das ist alles machbar.