LUXEMBURG
ANNETTE WELSCH

Neue Kampagne zur Entlastung der Polikliniken: „Nicht jeder Notfall ist ein Fall für den Notdienst“

Das Problem ist bekannt und hat auch die Quadripartite schon öfters beschäftigt: Zu viele Patienten wenden sich noch immer mit Gesundheitsproblemen, die eigentlich ein Hausarzt behandeln könnte, an die Polikliniken in den Krankenhäusern. Je nach Größe des Krankenhauses sind es 150 bis 280 Patienten, die sich jeden Tag in diese Notaufnahmen begeben, dabei könnten bis zu 50 Prozent der Fälle auch in den 2008 eingerichteten drei „Maisons médicales de garde“ betreut werden. Sie empfangen gut 50.000 Patienten pro Jahr, es sei dort aber durchaus noch Spielraum, mehr Patienten zu behandeln. Darauf verwies Gesundheitsministerin Lydia Mutsch gestern, als sie die neue Informations- und Sensibilisierungskampagne „Nicht jeder Notfall ist ein Fall für den Notdienst“ vorstellte.

Patienten sind sehr zufrieden mit den „Maisons médicales de garde“

Bei Husten, Schnupfen, Heiserkeit, bei Bauchschmerzen, Fieber oder kleineren Verletzungen - kurz, bei allem, wofür man eigentlich seinen Hausarzt aufsuchen
würde, soll man sich an eine der drei „Maisons médicales de garde“ wenden, die in unmittelbarer Nähe zu Krankenhäusern bestehen: in Luxemburg-Stadt in der rue Michel Welter bei der ZithaKlinik, in Esch/Alzette neben dem CHEM und in Ettelbrück neben dem CHdN.

Sie sind montags bis freitags abends von 20.00 bis morgens 7.00 und samstags sowie an Sonn- und Feiertagen von 8.00 morgens bis 7.00 am nächsten Morgen besetzt und erreichbar. Ab Mitternacht muss man sich allerdings zuerst beim 112 anmelden - der diensthabende Arzt meldet sich dann und steht unter Umständen auch für einen Hausbesuch zur Verfügung. Ist man im Zweifel, wohin man sich mit seinen Beschwerden richten soll, kann man sich an die Notrufnummer 112 wenden. „Dort erlaubt es eine neue Software, dass die Patienten richtig orientiert werden“, sagte Dr. Françoise Berthet, Divisionschefin im Ministerium.

Die Gründe, warum dieses Angebot nicht ausreichend genutzt wird, sind vielfältig. An der Qualität der Betreuung liegt es jedenfalls nicht, wie eine Umfrage bei Patienten ergab: 82 Prozent waren mit dem Empfang, 79 Prozent mit dem Arzt und 73 Prozent mit den Wartezeiten sehr zufrieden. Allerdings gingen 36 Prozent der Patienten, die ein Krankenhaus aufsuchten, dorthin, weil sie die „Maisons médicales de garde“ nicht kannten und 40 Prozent fühlten sich nur unzureichend darüber informiert. Da setzt die Kampagne nun an. Dazu kommt auch die Verwirrung der Patienten, weil in verschiedenen Ortschaften Ärztehäuser entstanden sind, die sich auch „Maison médicale“ nennen.

Zur Frage, wie die Notaufnahmen entlastet werden können, tagen bereits mehrere Arbeitsgruppen, die auch schon diverse Vorschläge unterbreiteten. Sie sollen im April bei der nächsten Quadripartite diskutiert werden. Es wurden zudem schon von Sozialminister Romain Schneider weitere Mittel zur Verfügung gestellt, um die Polikliniken personell aufzustocken. „Bei den Ärzten zeigt sich auch eine große Bereitschaft, sich vor allem in den Regionen Norden und Osten im Rahmen von Praxisgruppierungen zusammenzutun und zu bestimmten Zeiten der Bevölkerung Bereitschaftsdienste für Notfälle anzubieten“, sagte Laurent Zanotelli, Kommissar für das Krankenhauswesen im Ministerium.