CORDELIA CHATON

Es ist wirklich nicht zu fassen. 2008/2009 war die Finanzwelt verängstigt angesichts der Pleite von Lehman Brothers und der folgenden Finanz- und Wirtschaftskrise. Endlich einmal setzten sich die Oberhäupter der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer, die G20, an einen Tisch. Alle waren sich einig: Gemeinsam wollten sie die Bedingungen dafür schaffen, dass so etwas nicht wieder vorkommt. Die USA unter dem damaligen Präsident Barack Obama schufen daraufhin 2010 den „Wall Street Reform and Consumer Protection Act“, um die Märkte zu regeln. Und nun stellt Trump das alles zur Disposition. Wie das deutsche „Handelsblatt“ gestern schrieb, erwähnen die USA einen radikalen Umbau ihres Bankensystems. Trump will den Dodd-Frank-Act überprüfen. Und vielleicht abschaffen.

Es wäre ein mehrfacher Angriff. Zunächst auf das Vertrauen der anderen G20-Chefs. Am Freitag und Samstag treffen sich die Finanzminister und Notenbankchefs der G20-Staaten im deutschen Baden-Baden. Hoffentlich machen die anderen dann ihrem US-Kollegen und Politneuling Steven Mnuchin klar, dass er damit die internationale Kooperation bricht.

An dieser Frage hängen noch weiter wie etwa die Zusammenarbeit mit dem Internationalen Währungsfond (IWF), etwa in Sachen Griechenland. Darüber hinaus gibt es in Fachkreisen immer wieder den Ruf nach einem „Level playing field“. Auf Deutsch bedeutet das so viel wie gleiche Ausgangsbedingungen oder Konditionen für alle. Die sind in den USA schon deswegen nicht gegeben, weil sie mit ihrer puren Marktmacht das Brechen des Bankgeheimnisses zwar für fast alle Länder auf der Welt durchgesetzt haben, selbst aber weiter als sicheres Versteck für Steuersünder gelten, von Basel III und Einlagensicherung ganz zu schweigen. Trumps Geheule von Nachteilen für die Finanzwelt der USA geht zwar sachlich ins Leere, bringt ihm aber auf Twitter ein paar Likes ein. Und so ist die Globalisierung der böse Feind eines ungezügelten Kapitalismus à la „America first“.

Die Idee für den Gesetzesvorstoß, die Trump so ausgezeichnet ins Konzept passt, stammt von Tom Hoenig, seines Zeichens einflussreichster Bankenaufseher der USA und Aspirant für den Job als Vize der „Federal Reserve Bank“, die gestern den Leitzins erhöhte. Der derzeitige Vizechef der US-Einlagensicherung präsentierte seine Ideen auf einem Branchentreff in Washington.

„Wir können das System so lassen, wie es aus der letzten Krise gekommen ist. Oder wir bauen es um, beenden das Problem des Too-big-to-fail, stärken den Wettbewerb und erneuern das Vertrauen in die Branche“, zitiert ihn das „Handelsblatt“. Hoenig will Investmentbanking und traditionelles Banking trennen. Damit sind auch schon die Gewinner der nächsten Krise klar: Großbanken, die sich erst verzocken und dann um Hilfe betteln, die sie auch erhalten, weil sonst zu viele Arbeitsplätze zur Disposition stehen. Jobs sind immer das beste Argument, um Politiker zu erpressen.

Was kann Europa tun? Trump die Welt erklären, vielleicht Sanktionen für US-Banken einführen. Und schon mal viel Geld auf die Seite legen. Je nach Studie lagen die Kosten der letzten Finanzkrise bei acht bis zehn Billionen Euro.